Diese Seite versorgt Euch mit kritischen Kommentaren zu aktuellen CD Neuerscheinungen.
die TuneSpy CD-Reviews

Amazon.de MP3-Downloads


Samstag, 19. Juli 2008

Phantom Planet - Raise the Dead

Unsere Wertung: *****

Raise the Dead

Diesem album liegt ein sehr kopflastiges konzept zugrunde: mastermind
alex greenwald hat recherchiert, welche musik bekannte sektenführer
persönlich bevorzugten. und stellte dabei fest, dass es meist -
subtrahiert man den totalitären kontext - sehr fröhliche, nette musik
war.



Diese erkenntnis und diese ambivalenz wollte er in die neuen songs
der gruppe - angeblich wurden 120 geschrieben, 30 aufgenommen,
letztlich kamen 12 aufs album - einfließen lassen. Popsongs mit
doppeltem boden also.



Kennt man dieses konzept und sucht seine spuren im tatsächlichen
album, gewinnt man sicher eine zweite ebene dazu, kann auch
intellektuell im takt mitwippen.



Das schöne an diesem album ist aber: fehlt einem dazu die
information, die zeit oder schlicht die lust, macht die platte genauso
viel freude. das album funktioniert auch einfach als album.



Verblüffend ist, mit welcher selbstverständlichkeit und mit wieviel
selbstbewusstsein die ehemalige teenie-band hier einflüsse aus den
sechziger jahren (beatles, stones, beach boys), den siebzigern
(glamrock im stil david bowies), aber auch aus pop, rock, punk, metal,
alternative oder emo jongliert.



Ein bemerkenswertes, tolles album mit großteils fantastischen, sehr
originell und eigenständig arrangierten Songs, die nicht nur
magnetische melodien zu bieten haben, sondern auch immer für einen
unerwartet geschlagenen haken in eine andere richtung gut sind, also
jederzeit überraschen können.

Kaufen bei Amazon

Montag, 14. Juli 2008

Stereo Mc's - Double Bubble

Unsere Wertung: ****

Double Bubble

Zurück zur alten Form gefunden haben Rob Birch & Co.
Soundmäßig liegt dieses Teil irgendwo zwschen Connected & Deep Down & Dirty und klingt viel elektronischer als alles was die Stereos bis jetzt herausgebrachthaben, es groovt aber trotzdem extrem.

Rob B. ist immer noch die coolste Sau des Universums, die beats die Nick Hallam zaubert sind immer noch die trockensten unter der Sonne und das ganze Album beschwört eine seltsam unheilschwangere, fast gefährliche Atmosphäre herauf.
'Pictures' und 'Black Gold' bieten sich als SIngles an, aber die ganze Platte hält eigentlich das Niveau 'sehr gut'.
England's finest sind wieder in Höchstform, und da kann kein Moby mit, auch nicht The Herbaliser; neben Sam Sparro DAS elektronik Dance Album 2008.

Kaufen bei Amazon

Freitag, 11. Juli 2008

The Hold Steady - Stay Positive

Unsere Wertung: *****

Stay Positive

,How would you like to be the boss for a while?'

,um Randy Newman zu zitieren, und möglicherweise sagt das Springsteen wirklich bald zu Craig Finn, nachdem er sich die neue Hold Steady angehört hat. Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht überschwenglich und übertrieben, aber: nach Springsteens ,Born To Run' und Ryan Adams's ,Gold' ist das die wahrscheinlich dringlichste - und aus der Zeit heraus auch - wichtigste Platte aus und über Amerika.

Die Brooklyner Band entstand aus einer Laune heraus und ist doch mittlerweile zum Lebensinhalt der Musiker um Sänger Craig Finn geworden. Die Arbeiten zum mittlerweile vierten Album begannen schon auf der letztjährigen Tour; in Hotelzimmern quer durch Europa bekam die Band eine Idee, wie es klingen würde. Der Titeltrack „Stay Positive“ entstand in einem Backstageraum in Manchester, während „Lord, I´m Discouraged“ zu Teilen in Mailand und Hamburg zu Papier gebracht wurde. In Januar 2008 ging es dann zusammen mit Produzent John Agnello ins Studio und der Nachfolger von „Boys & Girls in America“ geriet so zum facettenreichen Meisterwerk. „Stay Positive“ ist die Weiterentwicklung, die sich Band wie auch Fans gewünscht haben, das Album einer Band, die es immer weiter vorantreibt und die bald im Konzert der ganz Großen mitspielen wird und das nicht nur als Support.

Kaufen bei Amazon

Albert Jr. Hammond - Como Te Llama

Unsere Wertung: ****

Como Te Llama

Satte drei Jahre ist es her, dass die Strokes ihr letztes Lebenszeichen in Form eines Longplayers von sich gaben. Schade eigentlich. Und so wahnsinnig viel durch die Weltgeschichte getourt sind sie in letzter Zeit auch nicht. Doch einfach dasitzen, Däumchen drehen, dem Müßiggang frönen und sich von Groupies die Eier schaukeln zu lassen, stellt einen Vollblutmusiker wie Albert Hammond Jr. nicht zufrieden.

So nutzt er die strokesfreie Zeit lieber sinnvoll und bringt mit "¿Como Te Llama?" schon sein zweites Soloalbum seit "First Impressions Of Earth" heraus. Ähnlich wie beim Vorgänger "Yours To Keep" bewegt er sich auch heuer zwar in musikalischer Nähe zu seiner Hauptband, erlaubt sich aber auch immer wieder kleinere Ausflüge und Experimente.

Langweilig wird es auf "¿Como Te Llama?" nie, auch wenn nicht jede seiner meist ganz netten Ideen gleich Nobelpreis-verdächtig zu nennen ist. Eine Reihe von Songs ließen sich wiederum 1:1 ins Strokesprogramm übernehmen. Kandidaten für die Hauptband sind der frisch fröhlich freie Opener "Bargain Of A Century" oder das wunderschöne "You Won't Be Fooled By This" mit seiner feinen Gitarrenarbeit und Melodieführung.

Als Dreingabe gibt's zur CD noch eine interaktive Silberscheibe mit Liveaufnahmen. Schönes Gesamtwerk. Für Strokesfans natürlich ein absolutes Muss, das aber auch allen anderen Freunden netter Rockmusik ans Herz gelegt sei.

Kaufen bei Amazon

Beck - Modern Guilt

Unsere Wertung: *****

Modern Guilt

Schlechte Platten hat Beck auch in den Nullerjahren nicht veröffentlicht, doch nie war er so gut wie in den 90ern. Mit Produzent Danger Mouse (Gnarls Barkley), ein paar durchgeknallten Psychrockplatten und vielen Joints hat er sich fürs achte Studioalbum in die Zeitmaschine gesetzt - und rauscht gleich zurück bis in die Hippieära. Mit zehn Songs auf 33 Minuten ist "Modern Guilt" ein verdammt komprimierter Trip: Der Singer/Songwriter aus Los Angeles. haut Folk, Psychedelica, Minimalelektronik und Orchestersounds zusammen, und was er in diesem halben Stündchen an kreativen Ideen unterbringt, hätte für drei Doppelalben gereicht. Vielleicht braucht es einige Durchläufe, bis man grandiose Songs wie "Chemtrails" oder "Walls" als unverzichtbare Sommerhits erkennt. Und vielleicht überhört man lange Zeit, dass bei "Chemtrails" die "Aaahhh aaahhh"-Gesänge im Hintergrund mit Cat Power ungemein prominent besetzt sind. Doch man denkt bei dieser Platte nicht nur an die Zombies, Pink Floyd und die Flaming Lips. Man denkt auch an "Odelay" von 1996, an den besten Beck aller Zeiten.

Kaufen bei Amazon

Samstag, 5. Juli 2008

TuneSpy Charts Woche 28/2008



Tricky - Knowle West Boy

Unsere Wertung: ****

Knowle West Boy


Tricky legt mit Knowle West Boy lange fünf Jahre nach dem schlappen Vulnerable
eines seiner besten Werke überhaupt vor. Der Titel bezieht sich auf den
ärmlichen Stadtteil Bristols, in dem der TripHop-Pionier groß wurde. An
diesen Ort kehrt Tricky nun in diesem autobiografischen Album zurück.
Dazu ist er aus seiner Wahlheimat L.A. zurück nach Bristol gekehrt, in
das Viertel „...in das sich Massive Attack nie trauten, weil sie was
aufs Maul bekommen hätten...“. Der Brite wird also zum Knowle West Boy
und Tricky verschweigt - konsquent wie er ist - auch nicht den Mist,
den er dort verzapft hat. In „School Gates“ erzählt er zum Beispiel die
Geschichte seiner Freundin, die mit 16 schwanger wird. Er verklärt also
nicht die Vergangenheit, und auch ansonsten hält sich Tricky nicht mit
Belanglosigkeiten auf. Das Album ist ein Knaller, ein musikalischer
Rundumschlag, der sämtliche Demarkationslinien pulverisiert. Alles und
noch mehr, was sich Tricky in seiner 1991 gestarteten Karriere
einverleibte, taucht auf: Punk-Rock, verschleppter Düster-TripHop, Dub,
Zitate aus Country, Folk und Weltmusik, der Aufprall von Streichern mit
gebrochener Elektronika, Gespenstisches und unfassbar Schönes, Ragga
und New Wave. Kein Song gleicht dem anderen, auch weil Tricky - der
sich selber als mäßig guten Sänger sieht - mit vielen Gästen am Mikro
arbeitet. Bevorzugt Frauen natürlich wie Alex Mills aus Leeds auf
„Puppy Toy“, seine ex-Freundin Lubna singt auf „Past Mistake“ und
„School Gates“. „Veronica“ trägt den Namen einer Sängerin aus Italien,
die dieses Stück größtenteils schrieb und „Slow“ ist eine Coverversion
des Liedes von Kylie Minogue.

Kaufen bei Amazon

Freitag, 4. Juli 2008

TuneSpy Charts Woche 28/2008: Trend

UB40 - Twentyfourseven

Unsere Wertung: ***

Twentyfourseven

UB40 – die bekannteste weiße Raggae Band der Welt präsentiert sich zum wahrscheinlich letzten mal mit einer der markantesten Stimme der Pop Geschichte: Ali Campbell.
Mit weltweit mehr als 70 Millionen verkauften Alben und fast 50 Singles in den UK Top 50 haben UB40 mehr als jede andere Band ihrer Zeit bewiesen, dass die Kombination von Pop und Raggae eine wahrhaft mächtige Einheit bilden.
Mit ihrem neuesten Album "TwentyFourSeven" präsentieren sich UB40 von ihrer kreativsten und musikalisch besten Seite und bedienen sich abermals der Stärke und Inspiration ihres politischen und sozialen Bewusstseins. Daraus entstand nun eines Ihrer besten Alben, welches sich aus vielem neuen Material, Coverversionen und Kollaborationen zusammensetzt.

Hört man einmal etwas genauer hin, so findet man auf dem Album durchaus den einen oder anderen neuen Ansatz. Großen Anteil daran hat Keyboarder Tony Mullins. Er hatte es wohl satt, weiter im Hintergrund zu arbeiten und bespickt die Songs fast durchweg mit aufregenden Synthesizersounds. Aufregend deswegen, weil der Sound nie derselbe ist. Mal klingt er hart ("Once Around"), mal kann man ihn kaum von Streichern unterscheiden ("This Is How It Is"). Mullins bedient sich nicht an vorgefertigten Sounds, sondern erschafft Eigenes. So etwas kennt man normalerweise höchstens aus der Elektroszene.

Das 17 Track starke Album unter anderem Kollaborationen mit Maxi Priest, 1 Love & Rasa Don von Arrested Development, MARVIN Priest und Hunterz. Nach alter und bekannter UB40 – Tradition wurden auch bekannte Cover wie Bob Marley’s „I Shot The Sheriff“ und „I’ll Be Back“ von den Beatles verwendet. Ali Campbell verlies die Band nach 30 Jahren in diesem Frühjahr wodurch zu erwarten ist, dass es sich bei „TwentyFourSeven“ um das letzte UB40 Album mit seinem Gesang handelt.

Kaufen bei Amazon

Woog Riots - Pasp

Unsere Wertung: ****

Pasp

Das Warten hat ein Ende. Die neue CD der Woog Riots ist da! Nachdem schon ihre letzte Platte "Strangelove TV" klasse war, haben sich die beiden charmanten Multiinstrumentalisten Silvana Battisti und Marc Herbert selbst übertroffen.

Lassen wir das Gequatsche von Antifolk und dergleichen. Die beiden haben zwar unverkennbar ihre Einflüsse, jedoch werden sie von der deutsch-italienischen Freundschaft neu und eigen umgesetzt. Mit Hilfe vieler Freunde (darunter so illustre Gäste wie die hochgeschätzte Kimya Dawson) haben sie ihren Stil weiter verfeinert und ein kleines richtiges Sommeralbum geschaffen.


Kaufen bei Amazon