Diese Seite versorgt Euch mit kritischen Kommentaren zu aktuellen CD Neuerscheinungen.
die TuneSpy CD-Reviews

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Montag, 23. März 2009

Howling Bells - Radio Wars

Unsere Wertung: ****

Radio Wars

Die vier Australier um Sängerin Juanita Stein und ihren Bruder Joel Stein zogen 2005 nach London, um ihre Karriere von dort aus ins Rollen zu bringen. Als Simon Raymonde (Ex-Cocteau Twins) sie entdeckte, war er sofort begeistert und holte das Quartett, das durch Bassist Brendan Picchio und Schlagzeuger Glenn Moule komplettiert wird, zu seinem Indielabel Bella Union (u.a. The Dears, My Latest Novel, Dirty Three). Das selbstbetitelte Debüt wurde im vergangenen Jahr mit dem berühmten Coldplay-Produzenten Ken Nelson produziert, im Frühling 2006 veröffentlicht. Auch die englische Presse ist voll des Lobes und bescherte den Howling Bells vom NME über The Guardian bis hin zur Sun durchweg begeisterte Kritiken. Wie schon ihr Debütalbum besticht auch das zweite Album der Band durch eingängige Melodien und mitreißende Hooks, untermalt von gelegentlich verzerrten Gitarren und wirbelnden, scheppernden Drums. Mit dem neuen Album hat sich die Band mehr in Richtung Pop gewand, ohne dabei aber langweilig zu werden. Songs wie "Into The Chaos" & "Cities Burning Down" sind absolute Ohrwürmer, die nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen sind. Der stellenwiese etwas düstere Sound, vor allem bei den ruhigeren Stücken erinnert hier und da an Nick Cave, The Duke Spirit, PJ Harvey oder gar die zwielichtige Atmosphäre von David Lynch Filmen. Die eindringliche Stimme von Juanita Stein geht dabei durch Mark und Bein, schwebt gelegentlich verschwörerisch hauchend, teils aber auch glasklar über dem Ganzen und jagt einem wohlige Schauer über den Rücken.

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Freitag, 20. März 2009

Pet Shop Boys - Yes

Unsere Wertung: *****

Yes

Mit ihrem neuem Album "Yes" überzeugen die Pet Shop Boys auf der ganzen Linie. Einerseits modern, andererseits zeitlos, kann man sich dieses Werk immer wieder an einem Stück anhören, ohne dabei die Skip-Taste zu betätigen. Es deckt sämtliche Facetten des Kult-Duos ab und man kann "Yes" nicht genießen, ohne dabei gute Laune zu bekommen.
Anspieltipps: "Love etc.", "Did you see me coming?", "More than a dream" und "The way it used to be".

Ich sage ja zu "Yes"! Ich sage nur YES - YES, YES, YES!!!

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K'Naan - Troubadour

Unsere Wertung: ****

Troubadour

Hip-Hop der Güteklasse 1A!

K'Naan ist das Kind von Fela Kuti und Coca Cola. Auf diesen seinem Major-Debüt mischt der Somalier Rap
mit Funk, Weltmusik und einer guten Prise Pop. Sehr hörenswert! Ein Hit folgt dem anderen!

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Donnerstag, 19. März 2009

Peter Doherty - Grace/Wastelands

Unsere Wertung: ****

Grace/Wastelands

Noch immer ringen Englands Promi-Drogenschleudern um die meisten Schlagzeilen. Doch während Amy Winehouse nur noch in der Klatschpresse auftaucht, veröffentlicht Pete Doherty wenigstens noch Alben - sogar herausragende. Wesentlich ruhiger und intimer als mit den Babyshambles, meist unverkabelt, mit Streichern und prominenten Unterstützern (z. B. Blur-Gitarrist Graham Coxon) unterstreicht Doherty mit dem Solodebüt seinen Ruf als einer der derzeit weltbesten Songwriter. Die Single "Last of the English Roses" bringt The Clash mit den Stone Roses zusammen, "Sweet by and by" swingt überzeugend, und die Überballade "New Love grows on Trees" dürfte selbst Doherty-Hassern Tränen in die Augen treiben. Textlich ist er in der Form seines Lebens, weil er endlich die Nabelschau sein lässt und sich in Folkmanier zum Barden wandelt. Selbst wenn man das ironische Wortspiel des Albumtitels als Selbstkrönung verstehen will, ginge das in Ordnung.

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Mittwoch, 18. März 2009

Eat The Gun - Super Pursuit Mode Aggressive Thrash Distortion

Unsere Wertung: ****

Super Pursuit Mode Aggressive Thrash Distortion

EAT THE GUN sind zurück. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums Cross Your Fingers blasen die Münsteraner mit Super Pursuit Mode Aggressive Thrash Distortion zum Angriff. Der Titel des Albums ist Programm: Die zum Trio geschrumpfte Band hat den Dreck der Straße abgeschüttelt und präsentiert sich härter, kompakter, wütender und ernster als auf dem Debüt. Zwar war Cross Your Fingers eine Hard Rock Platte, wie sie im Buche steht, und auf die EAT THE GUN auch heute noch zu Recht stolz sind, aber dennoch das war alles gestern. Ladies and Gentlemen: EAT THE GUN! Vier Jahre sind zwischen der Entstehung von Cross Your Fingers und Super Pursuit Mode Aggressive Thrash Distortion vergangen, in denen die Münsteraner über hundert Konzerte abgerissen und sich musikalisch massiv weiterentwickelt haben. 2008 klingen EAT THE GUN frisch und unverbraucht, vor allem aber auch zeitgemäßer als zuvor. Nachdem sich die früher vierköpfige Band zu Triogröße verjüngt hat, hat sich natürlich auch ihr Sound verändert zu Gunsten eines transparenteren Gesamtbildes, in dem die einzelnen Instrumente und die Stimme mehr Luft zum Atmen und mehr Platz zum Wüten genießen. Gleichzeitig hat sich die Band aber auch auf ihren Kern reduziert, auf drei Freunde, die es seit fünf Jahren genießen, zusammen zu rocken, und die während der Entstehungsphase von Super Pursuit Mode Aggressive Thrash Distortion zu einem völlig neuen, viel entspannteren Spielgefühl gefunden haben. Das Ergebnis sind elf schweißtreibende, wütende Songs, die ohne Umschweife nach vorne lospreschen, keine Gefangenen machen und sich in Schallgeschwindigkeit in höllische Ohrwürmer verwandeln. Weniger Ballast, ansonsten von allem etwas mehr, und ein weiterer Beweis dafür, dass man für Rock n Roll nicht mehr als drei Leute braucht. Die einzelnen Songs wie der Sound sind härter, aggressiver, energischer, weniger verspielt und dafür viel groovelastiger, was nicht zuletzt dem durchweg viel dominanteren Basssound zuzurechnen ist. Alte Fans werden nicht enttäuscht, denn im Herzen sind EAT THE GUN immer noch die, die sie vorher waren, nur eben als Konzentrat. Gleichzeitig sind die neuen Songs wesentlich griffiger und auf den Punkt, während Sänger Hendrik mit neugefundener Ausdrucksstärke den verbalen Mittelfinger schwingt. Produziert wurde Super Pursuit Mode Aggressive Thrash Distortion gemeinsam mit Claus Grabke, seines Zeichens Skaterlegende, Produzent (u.a. DOG EAT DOG, THE DATSUNS, BOOZED, DAMPFMASCHINE) und selbst Musiker (u.a. THUMB, ALTERNATIVE ALLSTARS, derzeit solo unter eigenem Namen) in dessen Studio in Gütersloh. Vom Einstöpseln der Gitarre bis zum fertigen Master sind 36 Studiotage ins Land gezogen, in denen Grabke der Band zum gewünschten druckvollen und modernen Sound verhalf, der das wesentlich kompaktere Songwriting des Trios wirkungsvoll unterstreicht. Ein weiteres Highlight des Albums ist zweifelsohne der Midtempo Rocker Wiser, auf dem EAT THE GUN die Buddy-Karte ziehen und ihre Münster-Connection ausspielen. Hier leisten mit Henning Wehland (H-BLOCKX) und Ingo Knollmann (DONOTS) zwei Freunde und Nachbarn der Band mit ihren Gesangstalenten Schützenhilfe, während sich DONOTS-Gitarrist Guido ein heißes Soli-Duell mit Hendrik liefert. Und weil es so schön war, hat es sich auch Claus Grabke selbst nicht nehmen lassen, noch ein paar Vocals zu Wiser beizusteuern, was für die Band, so Hendrik eine große Ehre darstellt. Das heißt aber keineswegs, dass EAT THE GUN auf fremde Hilfe angewiesen sind. Wie gesagt, die Zeiten sind vorbei.

Hört euch die Scheibe an und wenn's euch nach dem Opener-Doppel "Tendency To Sin" und "Solitary Sinner" oder dem potentiellen Nummer 1-Hits "Viva La Insane" und "Wiser" noch nicht gepackt hat, dann solltet ihr euch lieber die nächste Folge DSDS reinziehen.

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Bishop Allen - Grrr...

Unsere Wertung: *****

Grrr...
Bishop Allen sind 2009 fleißig auf Konzertreise, um ihr Album "Grrr" zu featuren. Bis Anfang Mai touren sie durch die USA und Europa. Wer eine Portion positive Stimmung nötig hat, der sollte hingehen bzw. sich diese dreizehn, variantenreichen Kompositionen anhören. Denn die Indieband aus Brooklyn gehört zu den Künstlern, deren gute Laune geradezu ansteckend wirkt.

Der Albumtitel "Grrr" mag da zunächst verwirren, wartet man doch vergeblich auf eine verstimmte Lebensphilosophie. Vielmehr schlendert "Dimmer" zu Beginn strahlend durch das fröhliche Mitsing-Repertoire. Weit entfernt von Armageddon und Weltwirtschaftskrise steigt der Frohsinn mit "The Lion & The Teacup".

Poppige Folkklänge und möglichst viele unterschiedliche Instrumente setzen die zwei Freunde Justin Rice und Christian Rudder dafür ein. Neben Klavier und Akustikgitarre sorgen die schlagfertige Marimba, die quirlige Ukulele oder das tiefe Jagdhorn für besonderen Unterhaltungswert.

Dazu kommen Rices Textzeilen, die bereits von der Los Angeles Times für poetisch besonders wertvoll erklärt wurden: Geschichten, in die sich jeder hinein fühlen kann.

Früher hielt sich das Duo vorwiegend in der Punk- und Hardcore-Szene auf. Davon ist heute musikalisch nichts mehr zu hören. Der warme Gesang harmoniert und dominiert mit Gastsängerin Darbie Nowatka in Stücken wie "The Ancient Commonsense Of Things" und "True Or False".

Völlig losgelöst, hier mal ohne jeglichen Textanspruch, verliert man sich in "Shanghaied" und stimmt ein, in das schallende "Lalalalala". Ebenfalls eingängig kommt die kleine Hymne "Cue The Elephants" daher. Hier trällert man sorgenfrei durch den Alltag, und am Ende packen die New Yorker noch mal die gesamte Spielzeugkiste aus, - und klimpern ausgelassen mit dem Tiger.

Grrroßartig!


laut.de

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Donnerstag, 12. März 2009

Pure Reason Revolution - Amor Vincit Omnia

Unsere Wertung: ***

Amor Vincit Omnia

Pure Reason Revolutions (PRR) Erstling "The Dark Third" war eine Überraschung: Nirvana-Gitarren, Floyd-Keyboards, Gothic-Geigen und bombastischer Vielstimmiger Gesang - ein kleines New Art Rock Meisterwerk! Auch live wussten die Jungs und das Mädel die Songs exzellent zu präsentieren. Ruhige Balladen wie "The Exact Colour" sind dabei genau so grandios wie Gitarrenkracher a la "Apprentice of the Universe".

Die Single "Victorious Cupid", ließ auch für das Album "Amor Vincit Omnia" großes erhoffen. Leider treffen diese Erwartungen nicht völlig ein. Der Opener "Les Malheurs" klingt eher nach einer elektronischeren Variante neuerer Muse-Ausfälle und begeistert nicht wirklich. Auch die entschärfte Album Version von "Victorious Cupid" enttäusch: Der Drive der Single-Variante fehlt. Höhepunkt des Albums ist der vierte Song "Apogee", der als einziges Stück des Albums auch bestens auf "The Dark Third" gepasst hätte.

Die folgenden Lieder bewegen sich alle irgendwo zwischen Elektronik-Minimalismus und und Indie-Pop. Gitarren hört man nur selten, auch echtes Schlagzeug ist größtenteils Beats aus der Konserve gewichen. Schade, dass die Geigen ebenfalls völlig entschwunden sind, dies liegt allerdings am Ausscheiden eines ehemaligen Bandmitgliedes. Mit "Disconnect" liefert die Band gegen Ende hin übrigens nochmal einen Totalausfall ab: Computergedudel mit übelst entstelltem Gesang.

Der Stilwandel der Band sei mal dahingestellt, denn ich bin auch dem ein oder anderen Electro-Song nicht abgeneigt. Leider erreichen PRR aber auch hier nicht die Vorreiter des Genres. Und für die Art-Rock-Fans des ersten Albums bietet sich wenig Interessantes auf diesem Tonträger.

Dennoch finden sich Höhepunkte: "Apogee" ist ein genialer Song und "Bloodless" eine schöne Electro-Pop-Ballade. Zusammen mit Totalausfall "Disconnect" und einigen gemütlichen Indie-Electro-Liedern reicht das gerade noch für...

3 Sterne

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Sophie Hunger - Monday's Ghost

Unsere Wertung: ****

Monday'S Ghost

Emilie Wälti aka Sophie Hunger, schon lange kein Geheimtip mehr in der Schweizer Musikszene, scheint nun endlich auch ausserhalb von Heidis Bergen auf Gehör zu stossen.

Sophie Hunger ist eine Musikerin, welche die grosse Bühne verdient. Ihr Album 'Mondays Ghost' ist etwas vom Besten, was ich seit Langem gehört habe. Sie schwimmt mit ihrer berührenden Stimme in ihrem eigenen geschaffenen Fluss daher. Mal zart und fein, mal spritzig und flockig wie im Song 'Round and Round', welcher mein persönlicher Hörtip ist. Der Mix aus englischen und deutschen Songs ist gut gewählt und ist definitif eine Bereicherung für die Platte. Besonders 'Walzer für Niemand' besticht durch seine wunderbaren Melodien. Genauso wie 'Tourist', bei dem man freigelöst durchs Wohnzimmer hüpfen möchte.

Schweizer Emmenthalerkäse ohne Löcher...

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Mittwoch, 11. März 2009

Darren Hayman & The Secondary Modern - Pram Town

Unsere Wertung: ****

Pram Town

Als "Pram Town" (Kinderwagenstadt) bezeichnete man in den frühen 50er Jahren liebevoll die als Gegenentwurf zu den bestehenden Großstädten entstandenen, modernen Neubausiedlungen englischer Kleinstädte. Aber der einstige Inbegriff strahlender Zukunftsvisionen verblasste, Beton, Kunststoff und das soziale Leben bekamen unkittbare Risse. Ein solcher Ort ist das im Südosten des Landes gelegene Harlow, die Geburtsstadt des Singer / Songwriters DARREN HAYMAN. Seine Karriere startete der Sänger und Gitarrist in der britischen Kultband HEFNER, mit der er neben diversen EPs vier Longplayer und insgesamt zwölf PEEL-Sessions einspielte, sowie seiner Gruppe THE FRENCH. Auf seinem nun erscheinenden, dritten Soloalbum präsentiert HAYMAN vierzehn mit raffinierten Streicher- und Bläserarrangements versehene, wehmütig melancholische Indie-Folksongs, auf denen er voll lyrischem Scharfsinn seine Hassliebe zu diesem Ort thematisiert, steht "Pram Town" als Metapher für gut intendierte Ansätze, die sich in der Realität leider oft negativ entwickeln. Den Song "Losing My Clue" schrieb DARREN HAYMAN gemeinsam mit DAVE TATTERSALL von der Band WAVE PICTURES.

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The Whitest Boy Alive - Rules

Unsere Wertung: ****

Rules

Meistens läuft es im Pop ja so wie in Einkaufsstrassen und Ausgehmeilen. Kaum hat jemand eine klasse Idee oder kreatives Konzept, da kommen schon die Nachahmer, deren Nachahmer und so weiter. Es sei denn, jemand hat sich etwas derart Besonderes und Schlaues ausgedacht, dass schon der Versuch des Plagiats zum Scheitern verurteilt ist. Erlend Oye, Teil der norwegischen Kings Of Convenience, gelang mit dem Projekt The Whitest Boy Alive so ein Geniestreich, ein grandioser Zug, auf den niemand aufzuspringen traute. Großartig Gründe am Sound der Band etwas zu verändern gab es nicht, also reißt Oye auch nicht das Ruder herum, um eine andere Richtung einzuschlagen. Er dreht auf dem makellosen Zweitwerk Rules mit feinem Gespür an der Justierschraube und drückt das Gaspedal etwas weiter durch, um die Konserve den Konzerten anzugleichen. So gelingt den Whitest Boy Alive ein durch und durch überzeugender Nachfolger des so erfolgreichen Debüts Dreams. Das Fundament der lässigen Gitarren-Pop-Songs steht unverrückbar, und es trägt die Verstärkung der Disco-Grooves, Funkyness und Housebeats problemlos. Rules ist permanent in Bewegung, treibt einem das Blut in die Tanzbeine. Ob’s vielleicht daran liegt, dass die Stücke diesmal im sonnigen Mexiko und nicht in Berlin entstanden?

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