Eigentlich hatte man erwartet, dass Dylan mit Album Nummer 46 weitermacht in der Richtung die seine letzen beiden Alben Love & Theft und Modern Times vorgaben: Zeitlose, souveräne Blues- und Folk-Songs wie aus der Prä-Rock&Roll-Ära. Ein Bruch ist Together Through Life nun nicht geworden, aber Dylan setzt viele überraschende neue Akzente: Da sind die prägnanten Texmex-Klänge mit dem Akkordeon David Hidalgos von Los Lobos und die ganze Grundstimmung des Albums - man fühlt sich wie auf einer Reise an der mexikanischen Grenze entlang, mit Dylan, Robert Johnson und Tom Waits als Reisepartner. Neu auch, dass die Songs vom Grateful-Dead-Songschreiber Robert Hunter mitverfasst wurden. Und vor allem: Die Songs treffen noch viel stärker ins Herz als auf den letzen beiden Alben - dort wo sich beim Hören auf Modern Times Ehrfurcht und Hochachtung einstellten fließt bei Together Through Life Herzblut. Ein fantastisches Album - ob Together Through Life nun "das Beste, Schönste und Größte, was der Meister in den letzten dreißig Jahren seinem Publikum ausgeliefert hat" (Süddeutsche Zeitung) ist oder einfach nur ein Werk, das mit Alben wie Oh Mercy und Time Out Of Mind, den großen Dylan-Werken der 80er und 90er, auf einer Stufe steht ist dabei an sich gleichgültig.
Als Teenager tanzte man den Blues auf allen Feten und war glücklich, den Schwarm zum langsamen "The Power Of Love" von Frankie Goes To Hollywood umarmen zu dürfen. Jeremy Jay nennt seine zweite Platte nun ganz programmatisch "Slow Dance" und entführt uns in eine skurrile Retro-Glam-Popshow.
Ganz ungeniert setzt der Kalifornier auf das schwarze Schaf der Populärmusik: Eine frostige Frühachtziger-Synthetik haftet owohl optisch als auch musikalisch an ihm. In Popper-Frisur und androgyner Körperhaltung knüpft er an sein Debüt "A Place Where We Could Go" nahtlos an.
Eisige Synthesizer aus Rudis Resterampe zieren nicht nur den Eingangssong "We Were There", sie werden minimalistisch von Bass, Gitarre und Schlagzeug begleitet. Das Tempo gerät ganz allgemein gebremst. "Slow Dance" beschreibt die Tanzsituation aufs Wort und fordert eigentlich zum anschmiegsamen Paartanz auf. Nichtsdestotrotz dürfte das hier doch eher den coolen Komplettstyler auf den Dancefloor ziehen. Uncool is the new cool.
Von Professionalität an den Instrumenten kann bei Jeremy Jay und seinen Mitmusikern übrigens nicht die Rede sein. Aber genau dieser Dilettantismus verursacht gute Laune beim Hörer. Die LoFi-Klänge passen darüber hinaus hervorragend zum Label K-Records. Möglich jedoch auch diese Interpretation: Vielleicht verarscht uns Jay mit seinen cheesy Slowdance-Hymnen auch bloß.
Trotz winterlicher Atmosphäre ist "Slow Dance" ein bewegender Start in den Frühling.
Neil Young hat seinen geliebten Lincoln Continental aus den 50er Jahren von einer spritfressenden Dreckschleuder in eine Öko-Limousine umgebaut. Mit der reist er kreuz und quer durch die USA, um sein Zukunftsprojekt „LincVolt“ vorzustellen. Das Auto, dessen Kühlerhaubenfigur schon auf Chrome Dreams 2 zu sehen ist, dient nun als Vehikel für das rockende Konzeptalbum Fork In The Road. Die Geschichten, die der Godfather of Grunge im Alter von 63 Jahren erzählt, handelt von seinem Oldtimer, Zwischenstation, Gedanken an die Zukunft, Abrechnung mit der Gegenwart. Ein paar Banker und Politiker geraten dabei unter Beschuss. Er singt davon, dass ein Song die Welt nicht verändert, wohl aber sein umweltfreundliches Auto. Er spricht verächtlich über Downloads...“download this. Sounds like shit...“, über das Verschwinden schwindelerregender Summen in der Weltwirtschaftkrise. Neil Young singt, was ihm das Radar auf seiner Fahrt auf den Bildschirm bringt und er macht es einem mit klaren Worten nicht schwer zuzuhören. Und nun beginnt das Problem: So sehr der Kanadier davon schwärmt, wie leise und sauber sein Lincoln über die Strassen schnurrt, so sehr holpern – abgesehen von ganz wenigen Balladen wie „Off The Road“ und das hinreißend schöne „Light A Candle“ – die Arrangement. Die klingen wie schlecht ausgebaute Schotterpisten, so unscharf wie das recht merkwürdige Plattencover, bleiben in Blues-Pfützen stecken. Große Mühen scheint sich der Meister beim Ausformulieren seiner Stücke nicht gegeben zu haben, eine Axt ersetzt Feile und Hobel, auch seine verlässlichen Mitstreiter Ben Keith und Anthony Crawford an den Gitarren, Drummer Chad Cromwell oder Rick Rosas am Bass schlagen in die selbe Kerbe Fork In The Road ist ein rohes, spontanes, ungehaltenes, kantiges und unruhiges Werk. Es passt zum Irrsinn seiner Zeit, immerhin.
Singer-Songwriter sind für gewöhnlich authentische Straßenmusikanten, zeitlose Surferjungs oder faszinierende Einsiedler. Milow allerdings ist ein Singer-Songwriter der anderen Sorte. Er ist ein full option All-in-one-Modell und kombiniert künstlerische Integrität mit Erfolg. Und Erfolg mit totaler Unabhängigkeit.
Milow is born in the eighties, wächst in den Neunzigern musikalisch mit Radiohead und Nirvana auf und findet bald zu einigen Grundfesten. Alles beginnt mit vier Wänden und sechs Saiten, der Tatsache, dass er den jungen Bruce Springsteen und den ewig jung gebliebenen Neil Young verehrt, dass seine Akustikgitarre sein bester Freund ist und dass er seine Zukunft in der Musik sieht. “Instead of a future, I’ve got a guitar”.
Im Wesentlichen ist Milow ein old school Songwriter. Er schreibt pointierte Popsongs, die durch starke Bilder und dichterische Feinheiten auffallen. Inhaltlich weicht er gerne von traditionellen Wegen ab, um zu experimentieren, und auch geschäftlich zieht er sein Ding durch: Milow ist sein eigener Manager und Plattenboss.
Eine goldene Regel in der Musikindustrie lautet: Mache erst deine Hausaufgaben, bevor du in die Welt ziehst. Und Milow hat seine Hausaufgaben gemacht! Sein künstlerisches Coming out erfolgt dementsprechend stilvoll. 2004 ist er Finalist beim wichtigsten Rockwettbewerb der Heimat von Jacques Brel und dEUS, seine stärkste Nummer wird gleichzeitig sein erster Nummer 1 Hit. Echte Talente treten eben jung auf die Bildfläche und legen die sofort die Karten auf den Tisch.
Milow hat viel Talent und ein goldenes Händchen. Nach fünf Jahren hat er es in Belgien zu zwei goldenen Singles, zwei goldenen Alben und acht Music Industrie Awards (MIA) gebracht und ist bereits dreimal auf dem Werchter Festival aufgetreten. Zeit, nun die Grenzen zu erweitern.
‘Ayo Technology’ (2009) ist das welttaugliche Cover einer welttauglichen Nummer von 50 Cent. Es erntet das Lob von Perez Hilton, dem berühmtesten Blogger der USA und von Topproduzent Kanye West. Die Single steigt in Belgien und den Niederlanden auf Platz 1 und bereitet den Rest von Europa auf die Ankunft von Milow vor. Und das Schönste: Auf dem Pinkpop 2009 (NL) tritt er nach seinem großen Held Springsteen auf. Denn Bruce schließt am 30. Mai den Tag auf der Main Stage ab, und Milow ist Opener am 31. Mai.
It’s good to know Milow. Es ist bemerkenswert, wie viele und wie sehr Jugendliche sich mit seinen Texten identifizieren. Und wie sie durch ihn eine Musiktradition empfinden, die für Menschen aus den 80ern und 90ern allmählich zum Anachronismus geworden ist. Wenn ihr also auf der Suche nach einem begnadeten Performer und Geschichtenerzähler mit einer starken Band seid, you will like him. Wenn ihr authentische, zeitlose und faszinierende Nummern liebt, you will love him. Und wenn ihr Radiomacher mit einem Ohr für gute Nummern oder Journalisten mit einem Riecher für eine gute Story seid - he’s your man.
Schön jedenfalls, dass Jonathan Vandenbroeck, so sein bürgerlicher Name, mit der Cover-Version von Ayo Technology nun auch hierzulande eine gewisse Bekanntheit erreicht hat.
Sollte Jonathan in Zukunft den Fokus ein wenig mehr auf Unangepasstheit legen, wer weiß, was aus ihm dereinst noch werden kann ...
Oder etwa doch nicht? "In Chains" eröffnet das Album mit viel Melancholie. "Hole To Feed", eine Komposition von Dave Gahan, baut mit seinem dunkel-rockenden Groove konsequent Spannung auf. "Wrong", die erste Singleauskopplung, treibt diese auf die Spitze. Ein kraftvoller Auftakt, den die analoge Schmusenummer "Fragile Tension" und die sanfte Ballade "Little Soul" gefühlvoll auffangen: ein starker Einstieg. "Wrong" besitzt zudem bleibende Qualitäten, die den Song bereits jetzt für zukünftige Best-Of-Compilations empfehlen.
Danach ist aber die Luft raus!
Die sonst so dichten und engmaschig gewebten Klangwelten scheinen meines Erachtens auf diesem Album durch sehr einfach strukturierte Melodien ersetzt zu sein. Dadurch wirken die Titel anspruchslos und eindimensional.
Die sonst so abwechslungsreiche, intensive und kunstvolle Stimme Dave Gahans ist auf diesem Album wenig farbig bis blass. Teilweise erscheinen mir seine Vocals gar etwas uninspiriert, wenn auch auf höchstem professionellem Niveau.
Fazit: Ein sehr einfaches und nicht sehr anspruchsvolles Album, dass in meiner persönlichen Top Ten wahrscheinlich nicht aufgenommen werden wird.
Mit ihrem erdigen Soul, ihrer honig-süßen Altstimme, ihren ausgezeichneten Texten und ihrer handgemachten eindringlichen Folk- und Welt-Musik, hat die mehrfache Grammy-Gewinnerin die Musikwelt 2001 im Sturm erobert. India Arie Simpson hat den "Nu Soul", mit seiner Rückbesinnung auf die alten Werte des handgemachten Soul, mitdefiniert und es ist eine schiere Freude ihre endrucksvolle Entwicklung als Künstlerin mitzuerleben. Hat sie mit ihrer letzten, eher introvertierten CD ,Testimony: Vol.1, Life & Relationships' noch ihre schmerzhafte Trennung vom Partner Musiq Soulchild beklagt, so ist ihre neue Scheibe ,Testimony: Vol. 2, Love & Politics' eine durchweg positiv gestimmte Reise durch gesellschaftspolitische Themen und Fragen des Zusammenlebens. Arie knüpft in ihren Texten, wie immer, einen feinmaschigen, hintergründigen Teppich und unterlegt diese Gedanken mit ihrem so eignen, höchst melodischen Groove, wie auf "Chocalate High" oder "Yellow", richtig folky und erdig geht es auf "Therapy" und "Better Way" zu, während ein ausgezeichnetes Cover von Sades "Pearls" stark west-afrikanische Züge trägt. Selbst Hip-Hop kommt auf "Psalms 23" zu ehren. ,Vol.2' ist India.Aries emotionalste, in ihren Texten intelligenteste und musikalisch vollkommenste Veröffentlichung, bis heute. Sie wird von so unterschiedlichen Künstlern, wie Terrell Carter, Musiq Soulchild, Rapper MC Lyte, Jamaikas Gramps Morgan und dem Türken Sezen Akso einfühlsam unterstützt und dominiert doch ihre wunderbar swingende Tour-de-Force durch eine Welt, die sie beschäftigt und ehrlich berührt, ohne in simples Anklagen zu verfallen. Das ist bester Soul von einer jungen Künstlerin, die ihren Höhepunkt scheinbar schon erreicht hat.
In den Reihen der Trauerweiden My Dying Bride war es in den letzten Jahren etwas unruhig. So gibt es auf ihrem neuesten und zehnten Streich "For lies I sire" mit Lena Abé an Bass und Dan Mullins am Schlagzeug eine neue Rhythmusgruppe zu hören, und bedingt durch die Schwangerschaftspause von Sarah Stanton auch eine neue Dame namens Katie Stone am Keyboard. Letztere bringt auch die offensichtlichste Änderung mit sich: Die Rückkehr der Geige. Nach über einem Jahrzehnt gibt es dieses Instrument bei My Dying Bride wieder in echt zu hören, was sofort Erinnerungen an das große "The angel and the dark river" hervorruft. Besonders das zweite Lied "My body, a funeral" schlägt in diese Kerbe. Die dezent eingesetzte Doublebass treibt den düsteren und harten Song enorm voran, während sich die melancholische Geigenmelodie in die Gehörgänge frisst.
Dabei beginnt das Album noch recht zaghaft mit ein paar gezupften Gitarrenakkorden und der sanften Stimme von Aaron Stainthorpe. Doch bald stellt sich hier mit der Hilfe von getragenen Powerchords ein Gefühl von Finsternis und Hoffnungslosigkeit, welches sich von Anfang bis Ende durch "For lies I sire" zieht. Doch auch wenn Songs wie "Santuario di Sangue", der Titeltrack oder "Echoes from a hollow soul" unheilvoll klingen, schaffen es My Dying Bride doch immer wieder eher ein Gefühl dunkler Schönheit, anstatt purer Depression zu vermitteln. Eine Kunst welche die Band schon immer verstand und auf der CD wieder voll und ganz zu Tage tritt. Lediglich der melodische Powerdoomer "Bring me victory" bringt etwas Auflockerung.
Dabei standen My Dying Bride von der Attitüde her schon immer zwischen bedrückendem Doom Metal und erhabenem Gothic. Mit "A chapter in loathing" zeigen sie aber ganz deutlich wo die Wurzeln der Band liegen. Ein Death Metal-ähnliches Riff und keifender Gesang vermitteln ein garstiges und bösartiges Gefühl, welches ganz im Gegensatz zum Rest des eher getragenen Albums, auf dem Frontmann Aaron meist klar und gefühlvoll seine Texte ins Ohr des Hörers singt, steht. Aber auch das mit einem einfachen Bassriff beginnende und sich aufschaukelnde "Shadowhaunt" beinhaltet einen spannenden Wechsel zwischen seiner sanften Stimme und harschen Growls. Es zeigt sich welch positive Entwicklung er in den Jahren gemacht hat. Heute klingt er ergreifender wie eh und je. Man nehme nur das epische "Death triumphant", welches das Album würdig abschließt.
"For lies I sire" ist wieder eine sehr gute CD von My Dying Bride geworden, welche sich wunderbar in die Reihe der bisherigen Longplayer einfügt und die sämtliche über die Jahre gesammelten Trademarks in sich vereinigt. Allerdings ist sie kein leichtes Stück Musik und bedarf einer gewissen Eingewöhnungsphase bis sie richtig zündet und man sich deren betörender Schönheit bewusst wird. Ein echter Grower eben.
The Virgins sind derzeit die hottest Band from New York City! Man kann fast zugucken, wie THE VIRGINS sich vom hippen Insidertip zum „neuen Ding“ entwickeln. Ihre Single Rich Girls ist schon jetzt ein Hit – in den Clubs, auf Modenschauen in Paris oder im TV bei „Gossip Girl“. Bei den Rezensenten fallen immer wieder Vergleiche mit The Strokes, Talking Heads und Modern Lovers, eben alles was recht, gut und kultig ist. Tatsächlich vereint Rich Girls knackiges Pop-Songwriting mit zwanglosen Achtziger-Einflüssen und groovt unwiderstehlich durch den Gehörgang in die Beine.
Vor allem die androgyne Schönheit von Sänger David Cunning lässt Männern und Frauen gleichermaßen die Knie weich werden. Kein Wunder, dass der Mann seine Brötchen nebenbei als gefragtes Model verdient und aktuell die ganze Band in der Frühjars 09 Kampagne von Hilfiger Denim zu sehen ist.
Alle VIRGINS-Mitglieder haben ihre Jugend in New York verbracht, und sind sozusagen in den Clubs des Big Apple aufgewachsen. Ihre erste EP verteilten sie direkt an die angesagten New Yorker DJs verteilt und hatten kurz darauf ihren Deal mit Atlantic in der Tasche... der amerikanische Rock-Traum.
Gleich ihr dritter Auftritt führte sie als Support von Patti Smith und Sonic Youth während der Paris Fashion-Week auf die Bühne. Das konnte nicht unbemerkt bleiben, schon gar nicht von den Produzenten der hippen TV-Serie Gossip Girls (ab 18.04. auf Pro Sieben), und so fanden THE VIRGINS ihre komplette (!) erste EP aus dem Jahr 2007 überraschend in der Serie wieder. Ihre erste große US-Tournee absolvierten sie dann mit Jet, bevor sie im Vorprogramm der Band of Horses auch Europa beehrten. Jüngst nahmen der NME und BBC Radio 1 die Band in ihre Liste der „Hottest Bands 2009“ auf.
THE VIRGINS - eine Band, die leicht zu lieben und schwer zu googeln ist.
Man soll den Inhalt eines Buches ja nicht anhand seines Covers vorverurteilen. Das dunkle Bild namens „Trophyroom“ des schwedischen Künstlers Thomas Broomé aber lässt eine Vorahnung aufkommen: Peter Bjorn And John setzen mit Living Thing nicht einfach dort an, wo sie mit Writer’s Block aufhörten. Also nicht bei leichtfüßigem und aufregenden Pop, nicht bei dem Ohrwurm, dem Pfeifsong Young Folks. 2006 war das, und die drei Männer aus Stockholm hätten nach diesem Durchbruch einen ruhmmehrenden Nachfolger präsentieren können. Allen Erwartungshaltungen und Konsequenzen zum Trotze machen Peter Bjorn And John lieber das, wozu sie Lust haben...und das verdammt gut. Living Thing wird dominiert von kräftigen Beats, die wohl den Drum-Computer zum Glühen brachten. Von Tracks mit gebrochenen Melodien und Strukturen, dezenten Störgeräuschen und kleinen Klang-Gimmicks. Songs wie der brillante, reduziert arrangierte Opener „The Feeling“, „It Don’t Move Me“ oder „“I’m Losing My Mind“ tauchen tief in den Elektro-Pop der 80er ein, erreichen locker Depeche-Mode-Niveau. Peter Morén, Björn Yttling – der Anna Ternheims Leaving On A Mayday auf höchster Qualitätsstufe produzierte – und John Eriksson scheuen sich nicht vor einem schrägen, Semi-a-cappella Stück wie „Living Thing“, unterkühltem Minimal-Digi-Dub in „Last Night“ oder sprödem Gitarren-Pop („I Want You!“). So übersichtlich arrangiert die Songs von Living Thing auch oberflächlich klingen mögen, so sehr stecken sie voller liebevoll eingearbeiteter Details und tragen eine unüberhörbare, diesmal eben nicht locker geschwungenen Handschrift.
Was wird denn jetzt die neue Peter, Bjorn And John-Single? Da Rätseln nun mal nicht jedermanns Sache ist, liefern wir natürlich gerne hier und jetzt die Antwort: In den USA, UK und Skandinavien hat man sich für „Nothing to Worry About“ als neue Single entschieden, aber in Australien und Rest-Europa heißt die erste Auskopplung „Lay it Down“.
Und diese Single hat es in sich! Überraschend angriffslustig zeigen Peter, Bjorn And John, was sie am Besten können: Erfrischenden, melodischen, tanzbaren und unverkennbaren Indie-Pop der Spitzenklasse, und das ohne sich an ihrem Erfolgshit „Young Folks“ festzuklammern. Ganz im Gegenteil. Mit dem provokanten Refrain “Hey shut the fuck up boy, you’re starting to piss me off“ bringen PBJ jeden, der dachte, er hätte die Band mit dem Schwiegersohn-Image längst durchschaut, ziemlich aus dem Gleichgewicht. So aggressiv wie der Text vermuten lässt ist der Song jedoch nicht. „Lay It Down“ ist vielmehr ein quietschfideles, schrilles und unerhört catchiges Indie-Juwel mit einer unglaublich mitreißenden Hookline. Dieser rhythmusorientierte Ohrwurm mit gefährlichem Suchtcharakter wird wohl aller Voraussicht nach das neue Lieblingslied all jener, die Samstag abends ausgelassen auf der Tanzfläche brillieren möchten und nun endlich das perfekte Lied gefunden haben, um den Plan in die Wirklichkeit umzusetzen.
Es ist immer wieder faszinierend: die 80er Retro-Welle rollt und rollt in London - und doch läuft sie sich nicht tot. Egal ob vor ein paar Jahren oder heute, ein Spaziergang durch die Hip-Viertel der Metropole wie Shoreditch zeigt, dass die 80er immer noch den Nährboden für Mode und Musik bilden.
Natürlich ist White Lies keine reine "80er" Band. Aber Ähnlichkeiten zu Don Henley's Boys of Summer oder anderen Hits sind sicherlich nicht zufällig. Erfreulicherweise wird der brave Popsound dieser Ära durch aktuelle und andere Retro-Elemente aufgewertet und verdient so das Prädikat Indie-Rock.
White Lies gehört sicherlich zu den kreativsten und stimmigsten Erscheinungen der letzten Monate. Schön arrangiert, kraftvoll, melodisch. Bei White Lies findet man noch den Indie-Sound, der Bands wie den Killers inzwischen verloren gegangen ist. Es ist erfreulich, dass es immer wieder solche Bands gibt, die innovativ sind, das Genre immer wieder neu erfinden und nicht einfach Existierendes wiederkauen.
Also jeder der die Texte von Joy Division mag, Simple Minds in ihrer besten Zeit liebt und Bands wie Editors und Organ hört sollte, nein muss sich dieses Album kaufen!!!!