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Dienstag, 16. Dezember 2008

Ludacris - Theater of the Mind

Unsere Wertung: ****

Theater of the Mind

Christopher Bridges aka Ludacris hat seit seinem Debüt im Jahre 2000 eine beachtliche Karriere hingelegt: Dreimaliger Grammy-Gewinner, Co-Gründer von Disturbing tha Peace und mit über 15 Millionen weltweit verkauften CDs erfolgreichster Südenstaaten-MC aller Zeiten. Genau wie sein langjähriger Feind T.I. released er diesen Herbst sein mittlerweile 6. Majoralbum. Konzeptionell ist "Theater of the Mind" wie eine Art Kinofilm angelegt, jeder Song als eine Art Szene. Mal sehen ob seine Vorstellung oscarreif ist...
Los geht es mit einer völlig abgedrehten Stimme die einen in Ludacris' Welt einlädt. The Runners zeigen sich für den passenden Beat verantwortlich. Dieser macht aus dem Intro zusammen mit Luda's Reimen ein passenden Anfang für ein gutes Album!
Weiter geht's mit "Undisputed" mit Producer Don Cannon und Co-Star Floyd Mayweather, der ihm hier im Box-Ring beratend zur Seite steht sobald der Gong ertönt! Herrlicher Blues-Beat, erinnert ein wenig an vergangene Tage von Cannons Produktionsleistungen. Runde 1 geht klar an den Ludameister.
Dann beehrt uns DJ Toomp mit einem Burnerbeat vom Derbsten. Mit dieser 2. Single beendeten die langjährigen Kontrahenten T.I. & Ludacris ihren Beef. Gut so! Auch dieser Song weiß zu gefallen. Luda sticht T.I. hier aus, genau wie bei "On Top of the World" von Tip's Paper Trail, bei dem das Trio T.I., Luda & Toomp ebenfalls am Start ist.
Dann schlagen Mr. Bridges & T-Pain etwas seichtere Töne an. T-Pain gehört sonst gar nicht zu meinen Favoriten, doch sein Talent für solche Kuschelnummern ist unbestritten. Dazu legen die Trackmasters (Poke & Tone) einen schönen Clapbeat drunter, was die Sache noch mal steigert.
Danach kommt mit "Call up the Homies" wieder ordentlich "Hood-Mentality" durch, The Game, Luda & Willy Northpole lassen den Hörer direkt nach ATL & Compton entgleiten...
Die nächste "Szene" ist dann "Southern Gangsta", der erste richtig fette South-Banger auf dem Album. Angekündigt durch einen Sprecher zeigen sich noch Playaz Circle & Ricky Ross aka The Boss auf dem dunklen StreetRunners-Beat von ihrer besten Seite. Vor allem Rick Ross' raue Stimme passt perfekt zur Stimmung des Songs. Eine wiedermal gelungene ATL-MIA Kombination! Und das auch noch ohne Refrain.
"Everybody Hates Chris" mit Blödelbarde Chris Rock wieder sehr groovig daher, wahrscheinlich da genau wie bei "Undisputed" wieder Don Cannon für den Beat verantwortlich ist. Eher durchschnittlicher Song.
"What Them Girls Like" ist dann der Clubbanger für zwischendurch, Chris Brown und Sean Garrett sind auch mit von der Partie. Alle drei wissen was die Mädels mögen, und der Darkchild-Beat wird den ein oder anderen DJ im Club die Platte ganz oben hinlegen lassen, durchaus gelungen!
Wieder ein Florida-Feature auf "Nasty Girl": Plies' nervtötende Stimme, ein ebenso wenig überzeugender Ludameister und Synthie-Gedudel von Swizz Beatz (!) machen den Track jedoch zu einem Lowlight. Swizz sollte lieber bei dem bleiben was er kann.
Dass Scott Storch mittlerweile weniger auf Clubbanger, sondern auf eher seichtere Nummern eingeht zeigt er wieder auf "Contagious" mit Jamie Foxx. Allerdings machen alle Beteiligten ihre Sache gut, herrlich chillig macht vor allem Jamie den Song hörenswert.
Mit "Last of a dying Breed" kommt ein richtiger Megabrecher daher, der pompös-imposante Beat passt perfekt zu Luda's krassen Reimen und Lil' Waynes Stimme, der zur Abwechslung mal wieder ordentlich rappt. Der Refrain verrät zu was der Track gut ist: "MC means move the crowd"!
WOW! DJ Premier mit einem richtig dicken New York Beat auf "MVP"! Ungewohnt für Mr. Bridges, aber er macht seine Sache auf diesem Juwel von Premier richtig gut! Der gescratchte Refrain passt hier wie die Faust aufs Auge, sehr geiler Solo-Track von Luda.
"I do it for Hiphop" ist ähnlich gelungen, denn mit Ludacris, Nas & Jay-Z auf einem Track kann man nicht allzu viel falsch machen! Smoother Song.
"Do the right Thing" mit Common & Spike Lee ist abermals ein Highlight, der mit Trompeten & Flöten daherkommende Beat von 9th Wonder überzeugt völlig! Beide Gäste tun ihr Übriges! Use your brain homie, do the right thing!
Luda gelingt hier ein wirklich gelungenes Album. Sicherlich kein Klassiker der in die Annalen der Down South Historie eingehen wird, aber ein gutes Album allemal. Als Anspieltips eignen sich "Southern Gangsta", "Last of a dying breed", "MVP" und "Do the right thing"!
Fans von Luda werden hier sowieso zugreifen, doch auch allen anderen sei dieses Album durchaus empfohlen.

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Freitag, 12. Dezember 2008

Threatmantics - Upbeat Love

Unsere Wertung: ****

Upbeat Love

Rock ’n’ Viola: Das walisische Trio vereint auf seinem Debüt Unvereinbares

Die Threatmantics sind eine Rock-’n’-Roll-Band. Und natürlich sind sie nicht irgendeine R-’n’-R-Band. Das mag daran liegen, dass der Leadgitarrist der Threatmantics eine Viola spielt und dass Schlagzeug sowie Keyboard von ein und derselben Person bedient werden – und das gleichzeitig. Das walisische Trio hat bislang zwei Singles veröffentlicht, die von hübsch-hässlich-schmutzigen Orten und freudigen Gedanken künden. Das Debütalbum „Upbeat Love“ war zunächst als Demo geplant, dann wurde es EP, dann Minialbum und präsentiert sich jetzt als flügger Longplayer, der bereit ist, das Nest zu verlassen. „Upbeat Love“ ist ein knackiges Acht-Track-Album bis zur Unterkante Oberlippe vollgepackt mit schmutzigem, irrem Rock ’n’ Roll, in dem sich Viola und Gitarre mit archaischen Rhythmen einen gnadenlosen Kampf um hymnenhafte Melodien liefern.

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William Fitzsimmons - Goodnight

Unsere Wertung: *****

Goodnight

Früher, als Psychotherapeut, hörte William Fitzsimmons Patienten zu, heute erzählt er uns aus seinem eigenen Leben: von seiner Kindheit als Sohn blinder Eltern in Pittsburgh, von vergangener Liebe.

Vermutlich wäre uns der vollbärtige Singer/Songwriter entgangen. Doch weil gleich mehrere seiner Songs in Schlüsselszenen der Krankenhaussoap "Grey's Anatomy" liefen, erscheint "Goodnight" nun mit zwei Jahren Verspätung in Deutschland.

Auch in den USA konnte er seine Karriere dank der TV-Serie anschubsen. Inzwischen vergleichen ihn Kritiker mit Sufjan Stevens, Iron & Wine oder gar Elliott Smith. Völlig zu recht, zumal er auch seinen alten Job nicht aus den Augen verliert. Wenn er traditionelle Folksongs mit dezenter Elektronik durchsetzt und mit gehauchtem Bariton sein Leid mit uns teilt, wird er zum Verbündeten, der uns durch die dunklen Monate bringt.

Bezaubernd! Und ein tolles Weihnachtsgeschenk für die Herzallerliebste!

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Mittwoch, 10. Dezember 2008

Deerhunter - Microcastle

Unsere Wertung: *****

Microcastle

„Microcastles“ ist der Nachfolger des hoch gelobten Albums „Cryptograms“ aus dem Jahr 2006 und wurde innerhalb nur einer Woche in den Rare Book Studios in Brooklyn, NY aufgenommen. Die Band bestand zum Zeitpunkt der Aufnahmen aus vier Musikern: Bradford Cox (der auch mit seinem Projekt Atlas Sound von sich reden machte), Lockett Pundt, Joshua Fauver und Moses Archuleta. Seit damals ist mit Whitney Petty noch weitere Verstärkung an der Gitarre hinzugekommen. Bradford übernimmt auf fast allen Songs den Leadgesang. Cox, der kreative Kopf der Band, verkündete vor einiger Zeit auf seinem Myspace Profil: „My punk days are over!“ Macht Sinn, denn „Microcastle“ überrascht mit lockerem Charme und lässt nur noch stellenweise (z.B. bei „Never Stops“) den wilderen Garage Sound der frühen Deerhunter wieder aufleben. Das beinahe schon sakrale „Activa“ unterstreicht das vielseitige und klare Songwriting der Band, während „Saved By Old Times“ mit einer so kickenden Gitarre daherkommt, dass es auch auf ein Dave Mathews Album passen würde.

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Aimee Mann - One More Drifter in the Snow-New ed.'08

Unsere Wertung: ****

One More Drifter in the Snow-New ed.'08

Weihnachten sollte man einen Gang runterschalten. Stattdessen hetzen die meisten mit Schmalzkuchen in der einen und Geschenkeliste in der anderen Hand von Geschäft zu Geschäft. Glockengeläut und "Rabababam" allüberall machen einen aber auch zum Duracellhäschen. Wahrscheinlich stehen deswegen bei Aimee Mann weder Sakrales noch "The little Drummer Boy" auf dem Programm. Die Songwriterin bleibt auch im Festtagstaumel ein spröder Ruhepol. Die Sammlung ihrer liebsten Weihnachtslieder ist betont ruhig und sparsam instrumentiert; unter Manns "Chestnuts roasting on an open Fire" brizzeln eher die letzten glimmenden Kohlen. Nur bei "You're a mean one Mr. Grinch" gestattet sich die Sängerin ein wenig augenzwinkernde Theatralik. Mit "Calling on Mary" schließt das Album dann mit einer Eigenkomposition im vertrauten Mann-Stil. Sehr beruhigend.

Für uns das beste Christmas-Album seit langer Zeit.

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Dienstag, 9. Dezember 2008

The Knux - Remind Me in 3 Days

Unsere Wertung: *****

Remind Me in 3 Days

I Need A Fresh Cappucino With A Mocha Twist!" Tatsache! Am besten eine ganze Thermoskanne voll – auf Ex. Mein lieber Herr Gesangsverein, wie zur Hölle konnte ich The Knux nur so komplett verpennen? Da kollidiert Outkast'sche ATLieness mit dem XL Neo-Boom Bap der Cool Kids. Und das wiederum mit dem Ultimate-Funk der Artifacts – und was mach' ich? Ich dreh' statt den Lautstärkeregler auf Anschlag sonstwo Däumchen.

Alter Schalter, das hier hebt nicht mal eben die Tür aus den Angeln, sondern ganze Wohnblocks aus der Infrastruktur.

5 Sterne hier! Was sonst!!!

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Montag, 8. Dezember 2008

Plus/Minus - Xs On Your Eyes

Unsere Wertung: *****

Xs on Your Eyes

Auf zwei Listen sind Plus/Minus ganz vorne zu finden: 1. am schwierigsten zu googlende Bandnamen, 2. komplett unterschätzten Bands. Da mit einem neuen Bandnamen nicht unbedingt zu rechnen ist, sollte das New Yorker Indietronictrio zumindest von einer der beiden Listen verschwinden - und auf ganz vielen anderen auftauchen. Bereits seit drei Alben und zwei EPs kombinieren sie elektronische Elemente und Samples mit den Standards einer Gitarrenband und sind trotz intelligentem Songwriting und hochkomplexer Arrangements unglaublich eingängig. Fürs vierte Album haben sie die Geschwindigkeit noch mal runtergefahren und wagen mehr Pop als je zuvor. Jeder Fan von Death Cab For Cutie wird den warmen Gesangsharmonien von Plus/Minus erliegen, und allein der Singleohrwurm "Snowblind" sollte dafür sorgen, dass sie mit "Xs on your Eyes" das letzte DCFC-Album auf der Liste mit den Verkaufszahlen hinter sich lassen.

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EPMD - We Mean Business

Unsere Wertung: ****

We Mean Business

Erick Sermon und Parrish Smith machen seit 20 Jahren Bizness, und nein, HipHop ain't dead ! Mit ihrem neuen Album WE MEAN BUSINESS haben sie erneut unter Beweis gestellt, dass man auch mit 40 Jahren noch BoomRap machen kann.

Es gibt nichts neues zu entdecken bei EPMD, aber ihre Fans kommen voll auf ihre Kosten. Dies auch dank den Features, denn mit Redman, Method Man und Keith Murray sind alle alten Weggefährten dabei. Dazu noch KRS-One, das passt !

"Listen up", produziert von Teddy Riley, ist ein richtiges Dancefloor-Brett, sehr funky und mit Vokoder Einsatz - Deftig !

Auf den übrigen Tracks wie schon erwähnt, nichts neues, aber die Originale aus NYC sollten auch nicht mehr groß experimentieren.

Das Album wäre mir fünf Sterne wert gewesen, allerdings habe ich den Eindruck, dass den Guest-Features bei dem ein oder anderen Beat die Luft ausging......na gut, die Lungen werden auch nicht besser ( Redman, Meth )

Zwei mittelmäßige Tracks lasse ich durchgehen, der Rest überzeugt mich...und wohl auch die Anhänger der beiden EastCoast Veterans!

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Freitag, 28. November 2008

Mr. David Viner - Among the Rumours and the Rye

Unsere Wertung: ****

Among the Rumours and the Rye

David Viner wurde vor einigen Jahren wegen seines astreinen british english von niemand geringerem als John Lee Hooker mit dem Zusatz ,Mr.' geadelt; diesen Zusatz hat er beibehalten, und wenn man diese Platte einmal ganz durchgehört hat, muß man sagen zurecht.

Daß ein britischer Musiker so eine uramerikanische Platte aufnimmt ist schon etwas eigenartig, vor allem weil es sich hierbei um Folk - strictly acoustic - handelt. Er dürfte so ziemlich jeden wichtigen amerikanischen Voksmusik Stil inhaliert haben, denn im Vordergrund steht zwar der Folk, der wird aber immer mit Elementen anderer Richtungen angereichert. Blues - von dem Viner ja kommt - gibt es immer wieder als Stilmittel zu entdecken, ein country feeling erhalten manche songs durch den Einsatz von Fiedel und Banjo, ,Thorn In My Side' wird vom New Orleans Jazz getragen, bei ,Won't Cry Again' denkt man an einen großen verschollenen song von Leonard Cohen und in ,Dig A Hole drängts sich unweigerlich der 80er Jahre TomWaits in's Gedächtnis. Vor allem aber wird man immer wieder an die Arrangements der frühen Platten von ,The Band' erinnert und ,Bow Your Head' kann man eigentlich nur als wunderbaren weissen Gospel song bezeichnen. ,Old Black Crow' wiederum könnte wirklich von denen - also den black crowes - stammen, den es beinhaltet alles was ein southern blues stück braucht, trotzdem ist es eine folk nummer.

So ekklektisch dies nun auch alles klingen mag, diese Platte ist trotzdem sehr homogen, und das liegt zum einen an der Instrumentierung und zum anderen wahrscheinlich daran, daß hier ein schon lange in den USA lebender britischer Musiker mit einem unheimlichen musikalischen Gespür für seine wunderbaren songs sich genau der Stile bedient, die jedem einzelnen seiner songs am besten stehen und trotzdem immer er selbst bleibt. Eine tolle Platte für Weihnachten, oder einfach nur um in der kalten Jahreszeit seine Seele ein bißchen zu erwärmen.

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Hayden - In Field & Town

Unsere Wertung: ****

In Field & Town

Mit seinem fünften Album verwaltet Hayden die Trümmer einer gescheiterten Beziehung.
Der Zeitpunkt könnte für den kanadische Singer/Songwriter nicht günstiger sein, um sich bei dem bislang grob unterschätzten Musiker Rat zu holen: Hayden klingt vielseitig und optimistisch wie nie. Noch immer sind da Songs wie "Damn this Feeling" oder "Weight of the World", mit denen er nur zu Klavier oder Gitarre und Mundharmonika seinem Vorbild Neil Young nacheifert. Doch dann zieht er das Tempo an, wagt mehr Pop und hat mit der Single "Where and when" sogar einen potenziellen Radiohit in der Hinterhand.

Der Kanadier zimmerte mit "In Field And Town" ganz unbeirrt eine sonderbar altmodische wie zeitlos schöne Platte. Es ist doch immer wieder angenehm, von Zeitgenossen überrascht zu werden, die sich einen Dreck um vermeintliche Trends von morgen scheren, die vorgestern schon wieder out waren.

Diese Platte klingt bereits nach wenigen Minuten seltsam vertraut, als hätte man sie vor langer, langer Zeit schon einmal gehört.

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