Diese Seite versorgt Euch mit kritischen Kommentaren zu aktuellen CD Neuerscheinungen.
die TuneSpy CD-Reviews

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Freitag, 4. April 2008

The Cave Singers - Invitation Songs

Unsere Wertung: ****

Invitation Songs

Das außergewöhnliche Trio macht die vielleicht hypnotisierendste Folk Musik dieser Tage und wird ihrer Heimatstadt Seattle schon hoch gehandelt. Obwohl alle drei Musiker zuvor in ganz anders klingenden Formationen spielten (Fudesco z.B. als Bassist der Pretty Girls Make Graves), scheint es, als wären die drei immer schon Folkmusiker gewesen, nur wir hatten es nie bemerkt. Auf ihrem Debütalbum hört man Einflüsse von Calexico, Iron&Wine, Devendra Banhart oder sogar Lindsey Buckingham im dichten und erdigen Sound. Pete Quirks Stimme erinnert gleichzeitig an Arlo Guthrie und an das Summen eines Mückenschwarms, während Gitarrist Derek Fudesco und Drummer Marty Lund fast schon den Sound von Mississippi John Hurt heraufbeschwören. „Invitation Songs“ wurde in Vancouver in British Columbia von Colin Stewart aufgenommen, der auch schon für die Pretty Girls Make Graves und Black Mountain an den Reglern stand. Der Albumtitel steht auch für die Stimmung des Albums – eines der wärmsten und einladendsten Werke der letzten Zeit das unbedingt größere Aufmerksamkeit verdient.

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Anti-Flag - The Bright Lights of America

Unsere Wertung: ****

The Bright Lights of America

"Anti-Flag" gehören zu den engagiertesten und beständigsten Polit-Punk Bands aus den Vereinigten Staaten.

Anti-Flag sind und bleiben eine Ausnahme-Erscheinung in der Punkrock-Szene. Auch auf The Bright Lights Of America bringen sie wieder poppige Melodien und sozialkritische Texte unter einen Hut, ohne unglaubwürdig zu wirken.

Für gewöhnlich klingen politisch motivierte Punk-Bands entweder wütend und krachig (fast der komplette Politcore-Underground), wütend und zynisch grinsend (No FX) oder wütend und betont ernsthaft (Bad Religion). Anti-Flag hingegen leben ihre Aggressionen mittlerweile nur noch sehr dosiert aus und verpacken ihre durchaus deutlichen Statements in Bubblegum-Melodien, denen man ihre Sprengkraft nur bei genauerem Hinhören anmerkt. So funktioniert auch The Bright Lights Of America sowohl als Album zur gefälligen Hintergrundbeschallung als auch als vertonte Brandrede gegen gesellschaftliche und politische Missstände. Noch konsequenter als in der Vergangenheit setzt die Pittsburgh-Posse auf radikale Eingängigkeit, überrascht zwischendurch aber auch immer wieder mit ungewöhnlichen Instrumentierungen (Streicher, Blasinstrumente) und auch einigen persönlich eingefärbten Liedern, die die Weiterentwicklung der Band am anschaulichsten dokumentieren.

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Pete Rock - NY's Finest

Unsere Wertung: ****

Ny'S Finest

Pete Rock ist einer der toppesten Rap-Producer ever - vor allem einer der kreativsten!!! Dazu kommt, dass er ein begandeter Rapper mit sehr gutem Flow ist. Nach den beiden "Soul Survivor" Releases 2000 und 2004 wurde es mal wieder Zeit und für einen Kracher. Eine Schande dass sich nur noch "Nature Sounds" erbarmt dem guten Pete Respekt zu zollen.

Hier kommen Granaten Beats, Samples und Scratches an den Start. Dazu, etwas ungewöhnlich, viele Guest-Features der Neuzeit. Und auch wenn ich bspw. Jim Jones oder Masta Killah nicht mag, P.R. zimmert ihnen einen fetten Beat hin der sie derbe gut aussehen lässt.

Favoriten:

Till I Retire
Quesions feat. Royal Flush
Best Believe feat. Redman

Man kann den Shit von A-Z einfach nur genießen, sehr sehr funky !!! Holt euch das Ding, so klingt Hip-Hop - Ah ne, so muss er klingen.

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Dianne Reeves - When You Know

Unsere Wertung: ****

When You Know

Die vielleicht größte lebende Jazzvokalistin mit neuer CD

Auf der einen Seite das Jazz-Olymp für zeitgenössische Vokalistinnen steht Diana Krall, auf der anderen stehen Dee Dee Bridgewater und Dianne Reeves. Letztere hat sicher die seidigste, eleganteste und doch so bestimmende und elastischste Stimme von allen. Natürlich eifert sie ihrem großen Vorbild Sarah Vaughan nach, dennoch denkt man unwillkürlich an Ella Fitzgerald und auch an Nancy Wilson. Diese spezielle Mischung aus perfekter Jazz-Phrasierung und souliger Emotionalität ist das Geheimnis der neuen CD von Dianne Reeves, 'When You Know'. Die vierfache Gramm-Gewinnerin startet ihr neues Set mit dem Motown Hit der Temptations, "Just My Imagination" und landet mit ihrer verträumten Interpretation gleich einen Volltreffer. Nancy Wilsons Hit "Over The Weekend" erfährt eine ähnlich atemberaubende Neufassung. Sowohl Minnie Rippertons "Lovin' You" und Peggy Lees Klassiker "I'm In Love Again" sind schlichtweg brillant. "Midnight Sun" besticht durch seinen fast meditativen Groove, während "Windmills Of Your Mind" von Bergmann einen wunderbar über den Verlust des Geliebten mit-trauern lässt. Über den Titelsong "When You Know" sagt Dianne Reeves: "Ich liebe diesen Song, weil er einfach meinen Gemütszustand am Ende der Aufnahmen perfekt wiederspiegelt". Und dann kommt doch ein letzter Song. Diannes Mutter ist 83 Jahre alt und trotz aller gesundheitlicher Probleme ist die Dame bürgerschaftlich hoch aktiv und engagiert. "Today Will Be A Good Day" ist ein wunderbar rollender Blues, eine Hommage an ihre Mutter und der von Reeves selbstgeschriebene Text erzählt von der Lebensweisheit ihrer Mutter und ihrem würdevollen Altwerden. 'When You Know' ist endlich mal wieder ein großartiges Studioalbum der vielleicht derzeit besten Jazzsängerin, die im Soul, Smooth-Jazz, Blues und Straight-Jazz so geschmeidig und unangestrengt zu Hause ist, dass diese CD, von keinem Geringeren als George Duke, ihrem Cousin, produziert, viele Freunde über alle Genregrenzen hinweg finden wird.

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Janet Jackson - Discipline

Unsere Wertung: **

Discipline

Beim ersten Mal anhören wollte ich mir vorerst noch keine Meinung bilden, aber mein Eindruck war: "lausig". Irrsinnig viele Titel, aber keiner dabei, der sofort mein Herz erwärmt hätte...
Hab's dann ein zweites Mal angehört, aber wieder: Langweilig, einfallslos.
Jetzt, wo ich das Album zum dritten Mal gehört habe, gefallen mir maximal drei oder vier Lieder, aber nicht mal von denen würde ich auch nur eines weiterempfehlen.

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Supergrass - Diamond Hoo Ha

Unsere Wertung: *****

Diamond Hoo Ha

Die meisten der ehem. dem Britpop zugezählten Bands verkrampfen sich auf der Suche nach einem neuen Sound, und auch Supergrass hatten da mit 'Road To Rouen' ihre Identitätskrise. Nicht dass das Album schlecht wäre, aber es fehlte diese Leichtigkeit, diese 'die Welt ist 3-Minuten Rock'n'Roll' Einstellung. Das ist nun vorbei. Sie tun das was Sie auf 'Life On Other Planets' schon taten: sie huldigen - wahrscheinlich unbewusst - dem Glam Rock. Unbewusst deswegen weil die ganze Scheibe eigentlich viel zu spontan und unbeschwert klingt, als dass man annehmen müsste hier wäre an der Instrumentierung und den Arrangements wochenlang gefeilt worden. Im Prinzip jagt hier ein potentieller Hit den nächsten und des gibt keine Balladen, dafür aber mit 'The Return Of Inspisration' einen der charmantesten Popsongs der letzten Jahre - mit einem süchtigmachenden Gitarrenriff und einem psychedelisch angehauchtem Refrain ausgestattet.
Das ist Glam Rock - aber im Stil von Mott The Hoople - mit einem ganz großen 'Pop' geschrieben. Und er klingt so frisch und unverbraucht, als ob es das Debut einer jungen Nachwuchsband wäre, und nicht das sechste Album einer Band, der seit mittlerweile 13 Jahren der große und verdiente Durchbruch bisher leider versagt geblieben ist. Man würde sich wünschen dass sich das mit diesem Werk ändert, weil es Popmusik im klassischen Sinn ist: es will nicht erziehen, es will keine message rüberbringen od. neue Wege weisen - es will unterhalten, und nur das; und das gelingt ihm perfekt.

Klingt schon jetzt verdächtig schön nach Klassiker!!!!

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Shelby Lynne - Just a Little Lovin'

Unsere Wertung: ****

Just a Little Lovin' [UK-Import]

Bereits letztes Jahr konnte man es in einigen Medien lesen: Shelby Lynne, Singer/Sontgwriterin irgendwo zwischen Country, Folk und Soul, will ein Tribut-Album für Dusty Springfield aufnehmen. Eine gewagte Angelegenheit, die leicht ins Auge gehen kann, dachte ich mir, denn schließlich gehört die 1999 an Krebs verstorbene Sängerin zum Besten was Großbritannien in der Pop-Musik hervorgebracht hat. Etliche Monate wartete ich gespannt auf das Album und meine Erwartungen wurden übertroffen: Shelby Lynne versucht an keiner Stelle Springfield zu imitieren. Gesanglich ohnehin in einer anderen Liga nimmt sich Lynne angenehm zurück und überzeugt nachdrücklich mit der Wärme und Geschmeidigkeit ihrer Stimme, die ja schon ihr 2000er Meisterwerk "I Am Shelby Lynne" veredelte.

Kein Wunder, dass sie 2001 mit dem Grammy als "Best New Artist" ausgezeichnet wurde - und das obwohl sie zu diesem Zeitpunkt schon fünf mehr oder weniger erfolgreiche Country-Alben veröffentlich hatte. Auf "Just A Little Lovin'" hat sie neben bekannten Springfield-Klassikern wie "Anyone Who Had A Heart" oder "I Only Want To Be With You" auch auf die bei vielen Fans hochgeschätzten Dusty In Memphis-Albumtracks "Breakfast In Bed, Just A Little Lovin und I Dont Want To Hear It Anymore zurückgegriffen. Auf die Üppigkeit der Vorlagen hat sie allerdings verzichtet. Sämtlicher Orchester-Schmalz, so schön er auch gewesen sein mag, wurde zugunsten von akustischen Gitarrenklängen aufgegeben. Etwas Keyboard, wenig Drums und immer wieder die ausdrucksstarke Stimme von Lynne ergeben ein hervorragendes Album, das in den USA aktuell bombastische Kritiken einfährt und erstmals für die Künstlerin, die Top-100 der Alben-Charts geknackt hat. Einziges Manko: Die Songs sind so schön, dass nur zehn davon einfach zu wenig sind. Übrigens ist einer davon neu, denn das sanfte Pretend wurde von Lynne eigens für die CD geschrieben.

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Clinic - Do It

Unsere Wertung: ****

Do It

Ist das noch Avantgarde-Rock oder doch schon Voodoo?

Seit über zehn Jahren läuft das Quartett aus Liverpool mit OP-Masken durch die Welt. Und wer auch nur einmal den Ätzgesang von Ade Blackburn gehört hat, erkennt ihn jederzeit wieder. Wenn Clinic noch immer grob unterschätzt werden, dann bestimmt nicht, weil sie verwechselbar sind. Auch stilistisch müssen sie sich nicht von Album zu Album neu erfinden, schließlich ist jede Clinic-Platte für sich ein durchgeknallter Psychotrip, der scheinbar unvereinbare Genres, abseitige Instrumente und wahnwitzige Samples kombiniert. Gut möglich, dass sich viele genau davon abschrecken lassen. Doch nur wer sich auf ihre Alptraumklänge einlässt, kann das großartige Songwriting dahinter entdecken. Auch beim fünften Album ist das nicht anders. Den Dancefloorstomper "The Witch (Made to measure), der Psychobillyohrwurm mit Widerhaken "Free not free" und die Ballade "Mary and Eddie" sind eben nur mit Kirchenglocken, wahrsagenden Gäulen und klanglichen Schräglagen zu bekommen. Es lohnt sich - und nach kurzer Gewöhnungszeit will man auf den Trip eh nicht mehr verzichten.



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Gnarls Barkley - The Odd Couple

Unsere Wertung: *****

The Odd Couple

Also wirklich... ich bin schon sehr lange Fan von Cee-Lo (Green), dem Sänger von Gnarls Barkley. Als ich dann zum ersten mal "St. Elsewhere" hörte, war ich zwar positiv überrascht, aber auch irritiert von diesem abgedrehten, eklektischen Rumgekreische und den komischen Beats. Für mich eher ein Album, was zwar das gewaltige Potenzial der Band offenbart, aber auf dem die Musik unter der Last des Ideenreichtums zu zerbrechen droht.

Mit "The Odd Couple" ist den beiden Nerds auf Anhieb ein Meilenstein gelungen. DJ Dangermouse hat das ganze etwas entspannter produziert, ohne jedoch seinen Hang zu verrückten Beatideen zu verlieren. Cee-Lo's Gesang ist einfach nurnoch Soul, im besten Sinne des Wortes. Großartig.
Kauf dieses Album, es macht dich zum besseren Menschen!
Ein zweites "Crazy" ist zwar nicht drauf, aber dennoch eine Super-Platte.

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Duffy - Rockferry

Unsere Wertung: ****

Rockferry

An Duffy, der 23-jährigen Sängerin und Songschreiberin aus London, ist alles retro: die Frisur, der schwelgerische Gesang irgendwo zwischen Dusty Springfield und Carmel, die Produktion. Für die hat Bernard Butler, Ex-Gitarrist von Suede, in die Vollen gegriffen. Zum einen musikhistorisch: In "Hanging on too long" klingt vage "I heard it through the Grapevine" an, "Mercy" beginnt mit einem simplen elektrifizierten Bassthema, dessen Genealogie bis zu Ben E. Kings "Stand by me" zurückreicht. Doch Butler legt diese halbverwehten Spuren in ferne Zeiten nonchalant an, nicht eitel. Viel wichtiger ist es ihm, den erstaunlich kraftvollen Sopran der gebürtigen Waliserin immer mal wieder von einem Streichermeer auf Sturmflutniveau überschwappen zu lassen, das bisweilen an Phil Spectors ozeanischen Sound aus den 60ern erinnert. Und Duffy stürzt sich hinein mit ihrer wasserstoffblonden Mähne, als gäbe es kein Morgen. Das ganze Album ist so herrlich altbacken, so pathetisch, so wunderbar uncool, dass Duffy in England logischerweise zur Sensation der Saison wurde. Bestimmt auch bei uns.

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