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Montag, 21. März 2011

J. Mascis - Several Shades of Why

Unsere Wertung: ****
Several Shades of Why

Der Mann muss glücklich sein. Zumindest stellt man sich das vor, denn keiner seiner Anhänger würde jemals von ihm oder seiner Combo Dinosaur jr. die komplette Neuerfindung geschweige denn eine revolutionäre Idee erwarten. Bei einer Band wie Portishead zum Beispiel, die/der eine Platte aller zehn Jahre reicht, wird schon Monate im Voraus orakelt und menetekelt, welche innovativen Glanztaten sich wohl beim neuen Album Bahn brechen werden. Anders J Mascis - setzt sich hin, holt die Klampfe raus und nörgelt gar prächtig los.

Nun gut, das ist eine arg verkürzte Darstellung, die dem, mittlerweile stark ergrauten, Mittvierziger sicherlich nicht gerecht wird, impliziert sie doch, er hätte sich mit "Several Shades Of Why" keine große Mühe geben müssen. Hat er aber doch, denn bis zum fünften Song darf die Vermeidung jeglicher elektrisch verstärkten Gitarre als eine Art Selbstkasteiung gelten, erst bei "It's done" kann man etwas aufatmen und Mascis lässt die Tiere, wenn auch noch vorsichtig, von der Leine. Der Titelsong dagegen hat eine Qualität, die auf den ersten Blick befremdlich erscheint, behutsame, zuckersüße Streicher geben dem Lied beinahe etwas Barockes und man ertappt sich dabei, anerkennend und gedankenverloren zu nicken - Respekt, Alter.

Ab der Mitte ist aber, wie erwähnt, der Bann gebrochen, man hat ihn wieder, den alten Kauz und mit ihm das gewohnte und liebgewonnene Stilmittel des ausufernden Feedbacks. Nicht selten sind ja die Lieder von Mascis die besten, die auch am längsten dauern (mit Ausnahme des schändlich verunstalteten, weil apprupt beendeten Cure-Covers "Just Like Heaven"), so auch hier - "Can I" mäandert herrlich dahin und man ist bereit für den Treueschwur: So lange dieser Mann weiter unerschrocken solche Stücke verabreicht, will man ihm niemals die Gefolgschaft kündigen.

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Samstag, 26. Februar 2011

The Joy Formidable - The Big Roar

Unsere Wertung: *****
The Big Roar

1 Stern für die zwar einfachen, aber mitreissenden und eingängliche Songs, mit dem richtigen Drive und der passenden Dynamik. Das Template, dass sie benutzen ist simpel, aber wunderbar. Irgendwo angesiedelt zwischen Grunge und Shoe Gazing, und allem was danach noch im Alternativ Bereich in den letzten zwei Jahrzehnten gut und ehrlich war. Anspieltipps: die bereits bekannten WHIRRING und THE GREATEST LIGHT IS THE GREATEST SHADE sowie BUOY und der Opener THE EVERCHANGING SPECTRUM OF A LIE.

1 Stern für die majestätische Schönheit mit der Frontfrau Ritzy singt. Mit einem Spektrum das von Toni Halliday (Curve) in den getrageneren Momenten bis zu Justine Frishman (Elastica) in den aufbrausenden Momenten reicht.

1 Stern für die klangliche Vielfalt und die breitbandige Produktion, die ähnlich wie bei Muse nicht erwarten lässt, dass man es mit einer Drei-Personen-Band zu tun hat. War das erste Album oft noch skizzenhaft, wird hier ein epischen Breitwand Sound erzeugt, der auf Platte, in dem Indie Club um die Ecke, aber auf Bedarf auch im Stadion funktioniert oder funktionieren könnte. Dies wird deutlich an den Neueinspielungen der Songs vom EP Debut, aber vor allen auch an Stücken wie THE EVERCHANGING SPECTRUM OF A LIE, das quasi aus dem Stand mit vielschichtigen Sonic Youth mässigen Gitarrengetöse beginnt, sich hochschraubt zu einem himmlischen Refrain.

1 Stern weil das ganze wie gesagt auch live unglaublich gut funktioniert. Wer das nicht glaubt, bei you tube nachgucken. Wer nicht glaubt, was er da sieht oder hört und es für ein fake hält, v.a. was Ritzy mit ihren 1,60 parallel zum Gesang an der Gitarre anbietet, ab ins Konzert.

1 Stern - und überhaupt alle möglichen Punkte der Welt - weil Joy Formidable endlich mal wieder ein richtige wahre Indie Band sind. Nach jetzt fast 10 Jahren, wo Indie Rock (oft, nicht immer, aber doch zu oft) von cleveren A&R Managern designt und vermarktet werden und spätestens mit dem zweiten Album schon die Stadion Tournee gebucht werden kann, gehen die drei Waliser den anderen Weg. Vier Jahre bis zum Debut zeitgelassen, vier Jahre mit vielen Singles, einer EP, Videos, die professionell sind, denen man aber ansieht, dass sie aus dem Kunstschul-Freundeskreis kommen, Tourneen und Festivals, um eben ohne grossen Major Deal genug Geld zu haben, um dieses eine, so wichtige Debut Album so machen zu können, wie sie es sich vorstellen.

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Dienstag, 15. Februar 2011

I Blame Coco - The Constant

Unsere Wertung: ****
The Constant

Ihre androgyne Stimme ist absolut faszinierend und passt hervorragend zu der Musik, die sie selbst als "Dark Pop" bezeichnet. Echt ungewöhnlich und spannend, nicht mal eben so zu konsumieren. Mit jedem hören interessanter, irgendwo zwischen 80er, Dub und aktuellem Pop angesiedelt, aber mit interessanten Texten. Kann es intelligenten Pop geben? Wahrscheinlich ist das eine dieser total überflüssigen Fragen, denn letztendlich kommt es doch nur auf eins an: den Geschmack! Mir gefällts, tanzbar, singbar, steigert spürbar die Stimmung!

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Montag, 14. Februar 2011

PJ Harvey - Let England Shake

Unsere Wertung: *****
Let England Shake (Ltd.Edt.) Digi
Aufgenommen wurde das neue Werk in einer alten Kirche aus dem neunzehnten Jahrhundert in Dorset im Südwesten Englands. Langzeitpartner Flood co-produzierte das Album zusammen mit PJ, John Parish and Mick Harvey. "Let England Shake" ist im Grunde das erste reine Soloalbum seit "White Chalk" aus dem Jahre 2007. Im Gegensatz zum eher experimentellen "White Chalk", das vorwiegend auf Pianobegleitung reduziert wurde, bewohnt "Let England Shake" laut eigener Aussage von PJ Harvey eine ganz andere Welt. Es geht um generelle Themen wie Konflikt, Krieg, Verlust, Loyalität, Freundschaft und Liebe, doch sie reflektiert nicht nur ihr eigenes Ich inmitten dieser Wahrnehmungen, sondern schreibt z.B. über den Zustand des gesamten Landes. In diesem Sinne erklärt sich auch der Titel des neuen Albums.

Über die Distanz vielleicht nicht ganz so leicht verdaulich, in jedem Falle aber genau das: Ein Ereignis. Und vielleicht das erste grandiose wirkliche Schwergewicht in diesem Jahr.

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Gang of Four - Content

Unsere Wertung: ****
Content

Würden Gang Of Four auf Karriereberater hören, sie hätten ihr Comebackalbum bereits vor knapp zehn Jahren veröffentlicht. Damals war britische Gitarrenmusik wieder einmal angesagt, und so ziemlich jede hippe Band von Bloc Party bis Franz Ferdinand nannte die britischen Postpunks als Vorbild und Inspirationsquelle. Inzwischen sind Spielereien mit Elektro in der Indieszene viel gefragter, doch weil sich das Quartett um die beiden Gründungsmitglieder Jon King und Andy Gill eben nicht für Trends interessiert, klingt "Content" lediglich ein bisschen gitarrenverliebter und rauer als ihr legendäres Debüt "Entertainment" aus dem Jahr 1979. Beibehalten haben sie auch ihren politischen Scharfsinn, und wenn sie in den Texten die Ökonomie und unsere digitalen Spielzeuge kommentieren - dann sind sie eben doch voll und ganz auf Höhe der Zeit. "Who can steal when everything is free, who am I when everything is me"?, fragen sie im Refrain der Single "Who am I", mit der sie den Indieclubs nach mehr als 30 Jahren endlich einen Nachfolger für den ewigen Klassiker "Damaged Goods" anbieten. Und diese grandiose Hookline hätte ihnen kein Karriereplaner durchgehen lassen.

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Bright Eyes - The People's Key

Unsere Wertung: ****
The People'S Key

Ein wenig rar haben sich die Bright Eyes seit dem Jahre 2007 und dem Album Cassadaga gemacht, was auch an den Aktivitäten ihres Wortführes lag. Conor Oberst war solo, mit der Mystic Valley Band oder den Monsters Of Folk unterwegs. In dieser Zeit machte sich das Gerücht breit, dass die Bright Eyes aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska noch ein letztes Album einspielen, um dann Geschichte zu werden. Nach vierjähriger Pause nun liegt es mit The People’s Keys vor, und fast nichts ist wie vorher. Einmal abgesehen von dem Cover mit dem Feuerbild, das nur durch einen Sticker auf die Bright Eyes schließen lässt, und auch abgesehen von der Kernbesetzung Conor Oberst, Mike Mogis und Nathaniel Walcott, die von Musikern aus den Reihen von Now It’s Overhead, Autolux, Cursive oder The Faint unterstützt werden. Mit ihnen zusammen gehen die Bright Eyes auf eine musikalische Reise, die weg von dem vertrauten Terrain des Indie-Folk mit seinen Country-Elementen führt, ohne es ganz zu verlassen. Was auffällt an einem immer noch jungen Songwriter Oberst - er feiert fast zeitgleich zur Albumveröffentlichung seinen 31sten Geburtstag – zu dem frühen „Wunderkind“ ist, dass er weniger in sich selber schaut oder auf menschliche Beziehungen und Sorgen, er seine Stimme nicht mehr so ergreifend hebt und senkt. Negativ betrachtet, kann man ihm vorwerfen, dass er einen nicht mehr so mitreißt und tief berührt. Postiv gesehen ist Conor gereift und rückt ab von seinen jugendlichen Nöten, Ängsten und Endzeitstimmungen. Der immer noch außergewöhnliche Songwriter hat einen Reifeprozess hinter sich, und so geht es in den Liedern von The People’s Keys rockiger zu, mischen sich Elektronik und Keyboard-Sounds unter die rockigen („Jejune Stars“, ) und poppigen Stücken („Triple Spiral“), ohne dass hier von einer Fortsetzung von Digital Ash In A Digital Urn gesprochen werden kann. Auch die üppigen Arrangements von Cassadaga fehlen, dafür findet sich mit dem „Ladder Song“ ein Lied, dass völlig ausbricht aus diesem klasse und klar produzierten Alben. Zu sanften Pianotönen singt Oberst herzerweichend “No one knows where the ladders goes, you're gonna lose what you love the most". Wenn die Bright Eyes sich mit The People’s Keys tatsächlich verabschieden, dann vielleicht nicht mit einem gewaltigen Knall...aber ganz bestimmt auch nicht als Verpuffung!

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Roxette - Charm School

Unsere Wertung: ****
Charm School (Deluxe Edition)

Zehn lange Jahre mussten die Fans warten, bis Marie Fredriksson und Per Gessle nach Room Service (2001) endlich ein neues Album vorlegen. Geändert hat sich allerdings nicht viel, denn das Duo schreibt noch immer zeitlos schöne Songs. Roxette, mit weltweit über 70 Millionen verkauften Alben eines der erfolgreichsten Pop-Duos der letzten drei Jahrzehnte, knüpfen mit den zwölf Stücken auf Charm School nahtlos an alte Glanzzeiten an. Und das ist durchaus positiv gemeint. Auf Experimente haben die beiden, unterstützt von den Produzenten Clarence Öfwerman und Christoffer Lundquist, jedenfalls verzichtet. Vom ersten Song an, der Midtempo-Hymne "Way Out", spielt das schwedische Duo seine alten Stärken voll aus. Fredriksson und Gessle wissen eben ganz genau, wie ein perfekter Popsong zu klingen hat. Das wird vor allem bei dem bereits als Single erfolgreichen She’s Got Nothing On (But The Radio), einer typischen Roxette-Hymnen, ausgestattet mit unwiderstehlichen Refrain, und der eingängigen Midtempo-Nummer „Speak To Me“ deutlich. Doch mit „In My Own Way“ hat auch ein alter Song, der bereits 1984 entstand, lange bevor Roxette international Erfolge feierten, nach einem langen Reifeprozess den Weg auf Charm School gefunden. Zu den weiteren Highlights des Albums zählen zudem die gefühlvolle Gänsehaut-Ballade „I’m Glad You Called“ und der Titel „After All“, eine wundervolle Verbeugung des Duo vor den Beatles.

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Dienstag, 8. Februar 2011

James Blake - James Blake

Unsere Wertung: *****
James Blake

Weniger ist mehr. Ein platter Spruch und doch selten so zutreffend wie hier. Mark Hollis gelang ein ähnliches Werk vor 13 Jahren - davor und danach ist mir niemand bekannt, der Stille in Musik umwandelt. Wer Blake unbedingt in eine Schublade stecken, wohl eher pressen möchte, umschreibt diesen Stil wohl mit Dubstep. Allerdings so feinfühlig minimalistisch mit einer Stimme, die er als Instrument einsetzt und manchmal offenbar mit seinem Microkorg-Vocoder (im Video zu sehen) technisch aufpeppt. Es wäre unwürdig, jeden einzelnen Titel zu beschreiben - dieses Werk sollte man am besten am Stück, optimal vor einem Kamin sitzend mit einem Tee in der Hand genießen. Die Teekanne zum Nachfüllen sollte dabei direkt greifbar sein, um die Augen nicht zwischendurch öffnen zu müssen. Weniger ist mehr. In diesem Fall sollte sich auch eine Rezension daran halten. Insofern: Hören. Genießen. Handy aus.

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Montag, 7. Februar 2011

Ginga - They Should Have Told Us

Unsere Wertung: ****
They Should Have Told Us

GINGA sind die zur Zeit spannendste Band aus Wien! Mit Abstand.

Ginga haben ihr Debutalbum „They Should Have Told Us“ mit Daniel Rejmer (u.a. Nick Cave, Björk) als Produzent neu aufgenommen, und es haut uns um. Das ist Pop, wie Pop sein muß: voller Ungestümheit, Verve, Aufregung, Dynamik, Melodie und Wucht! Ginga sind diese gewisse Sorte Band. Die Sorte Band, bei der man nach dem ersten Anblick das Gefühl hat, dass nichts sie aufhalten kann, abgesehen von einem Flugzeugabsturz oder einem Blumentopf im freien Fall von einem Fenstersims im vierten Stock. Die Sorte Band, die einen an all die essentiellen Dinge erinnert, um die es bei wirklich großem Pop gehen sollte. Zum Beispiel die schiere Frechheit, eine Zeile wie “this goes out to every boy and girl” (aus “Fashion”) mit völlig unironischer Überzeugung zu singen. Oder das Talent, einen Song wie “Cinnamon” zu schreiben, der aus einem fernöstlichen Streicherintro in einem Melodie mündet, die nur so trieft vor brennenden Herzensqualen und der Aussicht auf Genugtuung. Oder die Fähigkeit, Leute, die noch nie ihre Musik gehört zu haben, zum Tanzen zu bringen. Oder den ungekünstelten, aber doch perfekt synchronisierten Look einer Gang von vier Jungs, zu der jeder gern dazugehören würde. “We Are One,” wie eines ihrer mitreißend federnden Lieder glaubhaft behauptet: “We sing songs to stay awake!”

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Freitag, 4. Februar 2011

...and You Will Know Us By the Trail of Dead - Tao of the Dead

Unsere Wertung: ***
Tao of the Dead

Schon mit "The Century of Self" kehrten sie zum Bauchgefühl zurück, und mit ihrem siebten Studioalbum intensivieren Trail Of Dead nun die Erforschung der eigenen Vergangenheit. Dazu haben sie mit Chris Smith den Produzenten ihrer ersten Platte reaktiviert; bei den Kompositionen besinnen sich die beiden Kreativköpfe Conrad Keely und Jason Reece sogar auf Prog- und Krautrockhelden ihrer Jugend wie Pink Floyd, Rush oder Neu!, deren Freidenkertum sie in ihren angestammten Soundkosmos zwischen Noise und Indie übertragen. Bei aller Krachigkeit ist also auch "Tao of the Dead" wieder gespickt mit vielen Referenzen und philosophisch-ethischen Exkursen. Trotzdem gilt: Wer vor allem ihre größenwahnsinnigen Meisterwerke "Worlds apart" und "So divided" schätzt, dem ist wohl auch diese Platte zu laut und zu eindimensional. Daran kann selbst der epische Titelsong zum Abschluss nichts ändern, für den sie extra den in der Indieszene momentan schwer angesagten Produzenten Chris Coady (Beach House, Yeah Yeah Yeahs) engagiert haben.

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