Diese Seite versorgt Euch mit kritischen Kommentaren zu aktuellen CD Neuerscheinungen.
die TuneSpy CD-Reviews

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Mittwoch, 27. Januar 2010

Rob Zombie - Hellbilly Deluxe 2

Unsere Wertung: ***
Hellbilly Deluxe 2

Der 1. Song "Sick Bubblegum" ist auf myspace komplett zu hören.
Na ja, wie soll ich's beschreiben? Geht so? Oder nur so lala?
Schon auf Educated Horses konnte ich mit seiner neuen Musik, nach seinem Abschied von der Musik, nicht mehr viel anfangen. Alles klang so angestaubt und ausgetrocknet. Leider habe ich vom ersten neuen Hellbilly Deluxe 2 einen ähnlichen Eindruck. Ist ganz ok, aber irgendwie haut mich das nicht um. Wo sind die Hammersounds von Superbeast, Dragula, Scum of the Earth oder Electric Head? Mir fehlen auch die coolen Grooves des Thunderkiss '65 (5 5).
Bin ich zu alt geworden für diesen einstmals kultigen Horrorrocker oder ist er es?
Keine Ahnung! Ich find's eben nur noch mittelmäßig. Da höre ich mir lieber die Sounds seiner alten Tage an. Da waren wir beide noch jünger und alles hat irgendwie mehr Spaß gemacht. :-)

Dienstag, 26. Januar 2010

Band of Skulls - Baby Darling Doll Face Honey

Unsere Wertung: ****
Baby Darling Doll Face Honey

"Wie jetzt? Noch 'ne Band von Jack White?", denkt man im ersten Moment. "I Know What I Am" singt die Combo auf ihrem Debütalbum. Und klingt dabei eher nach den White-Geschwistern als nach etwas Ureigenem. Gerade so, als wüssten sie eben doch nicht so recht Bescheid über sich selbst.

"Baby Darling Doll Face Honey" als Abklatsch der White Stripes abzuhandeln, täte den Schädeln allerdings mehr als Unrecht. Oben genannter Song schließlich wurde 400.000 Mal bei iTunes heruntergeladen – und katapultierte die bis dato unbekannte Indie-Band rasant nach oben. Das können nicht nur Stripes-Verwechsler gewesen sein - das Trio muss also mehr auf dem Kasten haben.

Die elf Songs kommen mit teils sehr unterschiedlicher Struktur daher. Tracks wie besagtes "I Know What I Am" oder "Light Of The Morning" erinnern dank hämmerndem Schlagzeug, und rau verzerrten Gitarren und der leicht nasalen Stimme Russel Mardsens ab und zu auch an Wolfmother. Zudem fühlt man sich irgendwie an Gordon Gano und die Violent Femmes erinnert.

Gleichzeitig übertrieben und reduziert klingt der Sound von Band Of Skulls. Vor allem Matt Haywards krachiges Getrommel hört sich nach hochkarätigen Garagensound an. Jedoch lässt – und das stört spätestens beim zweiten Durchlauf – die Textkreativität zuweilen arg zu wünschen übrig. Besonders penetrant tönt hier "Death By Diamonds And Pearls" im Ohr, das inhaltlich nicht viel mehr als seinen Titel zu bieten hat.

Verwirrend und gleichermaßen bewundernswert bleibt die oben angedeutete Vielfalt bei den Song-Arrangements. Während sich Bassistin und Leadsängerin Emma Richardson bei "Bomb" oder "Patterns" die Finger wund zupft, erklingen in "Honest" äußerst ruhige Töne. Diese wunderschöne Ballade im Stil von Angus And Julia Stone oder Zoey Van Goey wirkt wie eine Ruheoase in der 70s-Rock-Wüste.

Das liegt vor allem an der melodischen Stimme von Emma, die Russell "Mr. Raconteur" Mardsen dort in den Hintergrund drängt. Bei "Cold Fame" und "Fires" zeigt sich Mardsen dann von einer besonders leidenden Seite und beweist ein Händchen für Balladen ohne Schmalzfaktor.

Die Band of Skulls vereinen exzellent gejammte, experimentell anmutende Sequenzen ("Impossible") und wohl durchdachte Melodien - den ganz persönlichen Stil sucht man bisher aber wohl noch. "I've got no reason for the state I'm in. But I know what I am, they know what they are. So let me be."

Drum lassen wir sie in Ruhe stehen zwischen den White Stripes, Led Zeppelin, The Kinks oder Angus And Julia Stone. So ein Kombination muss ihnen schließlich erst mal einer nachmachen.

(laut.de)

Sonntag, 24. Januar 2010

Blockhead - The Music Scene

Unsere Wertung: ****
The Music Scene
Die Welt ist untergegangen. Delphine schwimmen durch die gefluteten Straßen von New York, Affen sitzen auf Abwasserrohren. Vielleicht musizieren sie auch darauf, erzeugen die schrägen, angejazzten Töne, die sich durch das Album ziehen. Oder haben die Überlebenden einen alten Plattenspieler gefunden, hören sich kratzenden Motown an und trommeln dazu auf den Überbleibseln der Zivilisation? Produzent Tony Simon schert sich nicht um die Konventionen des oft so konventionellen Genres HipHop. Er bastelt Beats zusammen, verquickt arabisch Anmutendes mit Bongos und Elektronika, kreuzt die Klänge interkontinental. "The Music Scene" ist das, was bleiben könnte, wenn man abschüttelte, was ist - ohne es komplett zu vergessen. Wie das Cover andeutet, ist das vierte Album Simons ein Blick auf ein mögliches friedliches Leben nach der Apokalypse. Es kommt (fast) ohne Menschen aus, ohne Texte, die irgendwem irgendwas beweisen müssen, ohne Arroganz, ohne Agression. "The Music Scene" mag Flucht sein vor den harten Realitäten, eskapistische Abgrenzung vom eigenen Genre hin zum Chillout. Aber nur wer träumen kann, ist fürs Leben gewappnet. Also: Plattenspieler an, Tür zu, anschalten - und abschalten.

Freitag, 22. Januar 2010

Tegan and Sara - Sainthood

Unsere Wertung: *****
Sainthood
Das 6. Studioalbum der kanadischen Zwillinge, einfach Spitze!
Es ist ein sehr dynamisches Album mit sehr abwechslungsreichen Songs. Top produziert, man merkt, dass sie sich musikalisch immer weiter entwickeln, neue Sachen ausprobieren und nie stehen bleiben. Großes Kompliment an die tolle Kompositionsleistung!

Der Sound von Sainthood ist im Gegensatz zum eher düsteren/melancholischen Vorgänger The Con hauptsächlich rockig und peppig mit Nummern wie Hell, The Ocean, Northshore und dem Upbeat-Song Alligator. Insgesamt wirkt das Album sehr ausgeglichen, die Songauswahl ist gelungen.
Die Texte sind gefüllt mit Metaphern und lassen wieder viel Raum für eigene Interpretationen.

Klare Kaufempfehlung (nicht nur für Fans)!!!

Tocotronic - Schall und Wahn

Unsere Wertung: ****
Schall und Wahn
Der einst in der heutigen Bundeshauptstadt lebende David Bowie schuf mit Brian Eno in den 70er Jahren mit den epochalen Alben Low, Heroes und Lodger eine Berlin-Trilogie. Der Begriff fällt nun auch im Zusammenhang mit Tocotronic, denn nach Pure Vernunft darf niemals siegen und Kapitulation weist auch Schall und Wahn Bezüge zu Berlin auf: Hier wurden alle drei Alben der vom Diskurs-Rock zum mehr poetischen Pop geschwenkten Gruppe aufgenommen, hier wurde Gitarrist Rick McPhail als zweiter Gitarrist vollwertiges Bandmitglied und vor allem liefen alle Werke durch das Mischpult vom Produzenten Moses Schneider. Mit ihm wurden die herb-charmanten, krachigen, dilettantischen und bisweilen hölzern wirkenden Songs eleganter, vielschichtiger und musikalisch spannender - auch wenn die Tocos schon auf ihrem weißen Album Tocotronic andeuteten, dass sie anders können. Textlich stand das Quartett um Songschreiber Dirk von Lowtzow eh jenseits allen Zweifels. So wie auch Ton Steine Scherben irgendwann aufhörten Parolen wie „Macht kaputt was euch kaputt macht“ zu formulieren, so verzichten auch Tocotronic nun vermehrt auf Schlagworte. Die Band, die nicht nur Teil einer Jugendbewegung sein wollte, sondern eine Jugendbewegung rekrutierte, ist nämlich erwachsen geworden in Bild, Ton und Sprache. Es macht Spaß, die zwölf abwechslungsreichen Stücke zu hören. Reicht das Spektrum doch vom ausufernden und 8-minütigen „Eure Liebe tötet mich“ in bester Crazy-Horse- und Grunge-Manier zu feinem Pop, von rumpelnden Rock zu Streichern-Arrangements des Komponisten Thomas Meadowcroft wie Bläser-Passagen von Ebba Durstewitz und Jakobus Siebels (JaKönigJa). Epen und Eruptionen, alles ist dabei. Die Texte sollen andere in stundelangen Analyse-Treffen sezieren und interpretieren, aber die akustischer Chamber-Pop-Nummer „Im Zweifel für den Zweifel“ ist große Lyrik. Ein flammender Appell, nicht immer den so bequemen und angstfreien Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.


Eels - End Times

Unsere Wertung: ****
End Times (Deluxe Edt.)
Wenn Mark Oliver Everett alias E einem Album den Titel End Times gibt, dann schwant einem nichts Gutes. Nachdem dieser etwas andere Songwriter Jahre verstreichen, um 2009 mit Hombre Lobo ein sehr lautes, krachendes und erwachsenes Rock-Album zu präsentieren, kehrt der bärtige Mann aus Los Angeles nun wieder in dunklere Spuren zurück. Und das nur ein paar Monate später. Es fängt schon mit dem illustrierten Cover an, das E als alten Graubart zeigt, dessen Blick etwas Leeres und Trauriges hat. Dieses Melancholie kennt man von dem jungen Everett, der damals einen Familieangehörigen nach dem anderen zu Grabe tragen musste. Nun steht E in der Mitte seines Lebens, doch die Melancholie ist nicht gewichen...aber sie ist eine andere. Wieder ist es Verlust, der im Mittelpunkt von End Times steht, aber niemand ist diesmal gestorben, der Kopf der Eels leidet offen unter dem Ende einer Beziehung. Dabei startet das Album, das E fast im Alleingang in den eigenen vier Wänden auf einem alten, analogen 4-Spur-Rekorder aufnahm, ermutigend. „...and everything was beautiful and free…” singt er im Opener “The Beginning”, doch schon im nächsten Song „Gone Man” kippt die Stimmung völlig und E singt „...she used to love me but it’s over now“ und suchst einen schwachen Trost in der Tatsache, dass er „...not the only one who’s feeling this pain...“ ist. Ganz überraschend bricht dieses knackige Rock-and-Roll-Stück musikalisch aus. Auf End Times überwiegen nämlich die vielen sparsam arrangierten Lieder mit zauberhaften Melodien. Kombiniert mit den klar und deutlich formulierten Texten über Hoffnungslosigkeit, desperate und harte Zeiten, der Suche nach Vertrauen, diesem schmerzhaften Gefühl, irgendwie durch den Tag zu kommen und das Lamentieren, dass sich sogar Jesus abgewandt hat („Gone“), schlägt das ganz schön aufs Gemüt. Der Mann macht einem echt Sorgen, man möchte ihn am liebsten in Schutzhaft vor sich selber geben. Ganz am Ende aber, da taucht ein Licht dieses langen, dunklen Tunnels namens End Times auf. In „On My Feet“ singt der Eels-Frontmann: „I am a man in great pain over great beauty / It’s not easy standing on my feet these days / But you know I’m pretty sure / That I’ve been through worse…” um mit den Worten zu schließen: „I just gotta get back on my feet”. Fortsetzung folgt.


Mittwoch, 20. Januar 2010

Get Well Soon - Vexations

Unsere Wertung: ***
Vexations

Es gibt ein neues GET WELL SOON Album via City Slang zu vermelden. Konstantin Gropper ist der Mann hinter dem Pseudonym GET WELL SOON und sein 2. Longplayer trägt den Namen "VEXATIONS" - zu Deutsch "Ärgernisse". Das Album enthält 14 Songs und entstand unter Mitwirkung von echten Streicher- bzw. Bläserquartetten und erstmals unter Nutzung eines "echten" Tonstudios. Es klingt opulent, verschwenderisch und ...
leider viel zu düster und was noch schlimmer ist zu dröge.

Mehr als anerkennende Worte für gute Arrangements, raffinierte musikalische Linien und eine sonore und doch tolle Stimme kann ich nicht geben. Viel zu einseitig ist das Album, das einer Achterbahn ohne Kurven, Loopings oder Steigungen gleicht.


Paper Route - Absence

Unsere Wertung: ****
Absence

Paper Route haben einen persönlichen Sound geschaffen, der sich kaum kategorisieren lässt. "Absence" ist weder eindeutig rockig, noch vollends dem Pop verpflichtet, trotzdem aber gitarrenlastig und hochgradig melodisch.
Einfach eine tolle Scheibe und mit einem Überhit "Wish"!

Mittwoch, 13. Januar 2010

Lawrence Arabia - Chant Darling

Unsere Wertung: ****
Chant Darling

In der zweiten Reihe hatte James Milne alias Lawrence Arabia immer die besten Plätze: Der Neuseeländer war in der Tourbesetzung von Okkervil River, Feist engagierte ihn fürs Vorprogramm, zwischenzeitlich war er festes Mitglied bei The Ruby Suns. Damit jetzt endlich auch der entscheidende Schritt vorwärts gelingt, investierte Milne volle 18 Monate in sein zweites Soloalbum. Und um auf Nummer sicher zu gehen, hat er sich lieber gleich an den Beatles orientiert: "Look like a Fool" singt er wie John Lennon, und bei "The Underdesireables" meint man, George Harrison zu hören. Doch die Imitationen wären gar nicht nötig gewesen. Dank der aberwitzigen Raucherhymne "I've smoked too much" kann er schließlich auch darauf hoffen, dass die noch immer mächtige Tabakindustrie eines der besten Folkpopalben der letzten Monate unterstützt. Doch wer Ohrwürmer wie "Apple Pie Bed" und "The beautiful young Crew" schreibt, sollte es eigentlich auch aus eigener Kraft ins Radio schaffen.

Montag, 11. Januar 2010

Adam Green - Minor Love

Unsere Wertung: ****
Minor Love

Dank einer persönlichen Krise manövriert sich Adam Green aus der musikalischen Sackgasse. Egal, wie vielseitig und ausgeklügelt die letzten Alben arrangiert waren: Mit seinen aufgesetzten Gagatexten und dem Image des schusseligen Indiewuschel nervte der New Yorker nur noch. Doch auf dem fünften Soloalbum gibt es kein Verstecken mehr: "Minor Love" ist eine Momentaufnahme nach einem durchzechten Jahr. In den Texten thematisiert er eins zu eins seinen Trennungsschmerz und die damit verbundenen Selbstzweifel, und statt sich von Streichern oder Gospelsängerinnen unterstützen zu lassen, hat er fast alle Instrumente im Alleingang eingespielt. Die Finessen des gereiften Songschreibers sind natürlich nicht verschwunden, wenn er mal mit Afrorhythmen, mal mit Folkballaden und immer wieder mit wunderbar schrammeligem Croonerpop spielt. Doch mit seinem Mut zum Unperfekten reaktiviert Adam Green den Charme seiner Anfangsjahre. Wenn jetzt noch seine ehemalige Partnerin Kimya Dawson mitspielt, steht einer Wiederbelebung der Moldy Peaches eigentlich nichts mehr im Weg.