Diese Seite versorgt Euch mit kritischen Kommentaren zu aktuellen CD Neuerscheinungen.
die TuneSpy CD-Reviews

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Mittwoch, 17. August 2011

Firefox AK - Color The Trees

Unsere Wertung: ****
Color The Trees

Durch Zufall bin ich auf dieses Album gestoßen und kannte "Firefox Ak" alias Andrea Kellermann zuvor nicht! Deshalb war ich auch überrascht, wie professionell dieses Album wirklich ist! Man nennt es als Stilrichtung " Indie-Pop ", was für mich zuerst beim Hören eigentlich keinen großen Unterschied zum normalen Popalbum ausmacht! Eingängige, fast "ohrwurmartige" Melodien, gespielt mit einem tollen Rythmusgefühl, ganz der schönen Stimme von Andrea Kellermann angepaßt! Und trotzdem ist es nicht einfach so eine Art " Popalbum" wie von Ladie Gaga etc. Die Musik ist anders. Denn sie ist einfach viel besser! Man muss es einfach gehört haben! Aber vorsicht!!! Es beseht "Suchtgefahr"! Empfehlenswert!!!!!!

1822direkt





Oh Land - Oh Land

Unsere Wertung: ****
Oh Land

"Oh Land" aus Dänemark liefert ein schön entspannt groovendes, teilweise sehr tanzbares Album ab, das im Zuge der neuen Popdiven aus Skandinavien viel Aufmerksamkeit erregen sollte. Die Stimme ist besonders und hebt sich von anderen Popdiven ab, bringt genügend Wiedererkennungswert mit.

Es paaren sich gekonnt cineastische Geigeneinlagen mit sphärischen Stimmungen, Electrosounds mit akustischen Spielereien, doch insgesamt bleibt alles im Popbereich verwurzelt.

Sei es tanzbare Popsongs wie "Human" oder "White nights", allesamt mit wunderschönen Geigenparts und eingängigen Melodien untermauert oder mystisch, cineastisch angehauchte Songs wie "Wolf and I", "Perfection" oder "Helicopter", so gelingt "Oh Land" die Brücke zwischen Radiotauglichkeit und einer Musik fern des Mainstream.
Bei "Son of a gun" oder "We turn it up" hört man Girliepop, der sicherlich auch für die Charts in Frage käme, so erinnern mich diese Songs auch ein wenig an Feist oder Lykke Li. "Perfection" dagegen bringt Goldfrapp-Anleihen und sorgt für weniger Massentauglichkeit.
Insgesamt ein tolles Popalbum mit wenig Ausreißern nach unten (einzig "Voodoo" klingt mir zu billig) und vielen gelungenen Songs überhalb der Belanglosigkeit, aber mit viel Luft nach oben, was die Besonderheiten und Ecken und Kanten angeht. Sehr zu empfehlen.

1822direkt





Freitag, 5. August 2011

Little Dragon - Ritual Union

Unsere Wertung: ****
Ritual Union

Das Cover verspricht Asiatisches, und wer sucht, wird auch fündig. In "Shuffle" zum Beispiel. Aber eine Erklärung, wie die Göteborger Elektroband um Sängerin Yukimi Nagano klingt, ist das noch nicht. Schwedisch? Vielleicht, wenn man bedenkt, dass Lykke Li Schwedin ist und Miike Snow zumindest zu zwei Dritteln. Aber insgesamt ist Little Dragon eher eine Band, die sich allzu einfachen Erklärungen verweigert. Elektrosound hält die mal vertrackten, mal melodischen Songs zusammen. Naganos Stimme lässt ihre Soul- und R'n'B-Fähigkeiten erahnen, spielt diese Karten aber nie voll aus. Von düsteren Untertönen bis zur Tanzbarkeit: Alles bleibt angenehm vage. Mit ihrem dritten Album finden Little Dragon definitiv ihren Weg - und sitzen zwischen allen Stühlen fest im Sattel.


1822direkt





Montag, 1. August 2011

Sbtrkt - Sbtrkt

Unsere Wertung: ****
Sbtrkt

Bislang experimentierte Aaron Jerome hauptsächlich mit instrumentalen EPs, die sich der zeitgenössischen britischen Bassmusik frönten. Für sein Debütalbum überrascht es dann umso mehr, dass er sich in der klassischen Produzentenrolle zurücklehnt, dafür zahlreichen Gast-Vokalisten den Vordergrund gewährt. Das Ergebnis ist ein Genre-Crossover, das sich als unverbrauchte Mischung aus Post-Garage, Dubstep-Pop und R&B-Dance verbuchen lässt. 

Damit reserviert er sich eine ähnliche Nische, die direkte Nachbarn wie James Blake oder Jamie Woon bereits im vergangenen Jahr global für sich proklamierten. Mit dem Unterschied, dass Jerome singen lässt.

SBTRKT kitzelt stimmungsvolle Sequenzen aus den Synthesizern, gönnt ihnen atmungsaktiven Raum für Klang und Atmosphäre. Auch wenn er ein weiterer englischer Produzent ist, der die Spielgärten von House, Dubstep und UK Funky durchpflügt und für sich beansprucht, stechen seine Songs stets eigenwillig heraus, sie sind akustisch gebrandmarkt, auf eine positive Weise.

Heraus kommt ein farbenfrohes Album, das nicht umsonst in manch Fachkreisen als Future-Pop betitelt wird. Das sich der Basskultur verschreibt, ohne ihr verschuldet zu sein. Das zugänglicher als Blake und Woon erscheint und obendrein breitere Facette in sich trägt. Ebenbürtig in den Bässen und Sub-Anhängern, mit ausgewogener Balance seiner in Beziehung stehenden Einzelteile.



1822direkt





Sonntag, 31. Juli 2011

Red Hot Chili Peppers - Blood Sugar Sex Magik

Unsere Wertung: *****
Blood Sugar Sex Magik

Herzlichen Glückwunsch zum Zwanzigjährigen!!!

"Blood sugar sex magik" wird von vielen Peppers-Fans, gerade von den "Insidern", als die beste Red-Hots-Platte überhaupt angesehen. Und das völlig zu Recht.

So scharf waren die Red Hot Chili Peppers noch nie: Mit "Blood Sugar Sex Magik" gelang dem Freak-Vierer ein pulsierendes, energisches Album.

Mit wertvoller Unterstützung durch den Produzenten Rick Rubin fanden die Peppers genau die richtige Mischung von Punk, Funk und Hip-Hop. Selbst bei einer Spieldauer von 74 Minuten hat dieser Durchbruch von 1991 Kontinuität und Zusammenhang, sowohl innerhalb des jeweiligen Stückes wie auch bei den 17 Tracks insgesamt. Begleitet von Riding Flea's antreibendem Bass liefert Anthony Kiedis seine aufklärerischen Texte mit dem Flair eines Rappers, rühmt die Tugenden (und weist hin auf die Gefahren) von Sex und Drogen. Klagende Balladen wie "Breaking the Girl", "I Could Have Lied", und der Hit "Under the Bridge" geben dem Album Tiefe und schaffen einen Kontrast zu der rohen Energie von "Mellowship Slinky in B Major", "Funky Monks" und "Give It Away". Rubin verschmilzt meisterhaft John Frusciantes rauhe Gitarre mit unwiderstehlichen Grooves.


Wolf Gang - Suego Faults

Unsere Wertung: *****
Suego Faults

Manchmal tragen Kinder von verständnisvollen Akademikern die schwersten Kreuze auf ihrem Rücken. Das mit dem Punkrock etwa, funktioniert bei ihnen einfach nicht. Max McElligott alias Wolf Gang mag das beste Beispiel sein. „Ich hatte in meiner Jugend nichts, gegen das ich rebellieren konnte“, sagt der Brite. Seine Freude am Lärm wurde von den Eltern gefördert. Das Klavier lernte er mit zwei, drei Jahren ohne jeden Zwang zur Harmonie. Und als er 13 oder 14 war, stand plötzlich ein Vierspurgerät auf dem Tisch.

Der Teenager beschäftigte sich fort­an damit, Perkussives und allerhand Hintergrundrauschen aufzunehmen, zu mischen und wieder abzuspielen, gerne auch rückwärts. Nebenher trommelte er in einer Rockband.

Aus den obskuren Vierspuraufnahmen sind herrliche Popsongs geworden, nachzuhören auf dem dieser Tage erscheinenden Albumdebüt Suego Faults, das unter dem ominösen Banner ‘Alternative Symphonic Pop/Rock’ läuft. Klingt komisch, erinnert aber – im positiven Sinne – an Bands wie die von Fridmann (MGMT, The Flaming Lips, Mercury Rev)  produzierten Bands sowie die klassisch glimmernde Riege um Gypsy & The Cat und – nun ja – The Naked And Famous.

Mit der aktuellen Single “Lions In Cages” hat McElligott auch einen überaus sympathischen Opener am Start: Glammiger Electro-Pop mit Indie-Charme und einem Hauch “Punching In A Dream” mündet in einen eindringlichen wie gigantischem Refrain, der mit vom genialen Gesang lebt. Dabei erinnert der Wolf Gang-Mastermind oftmals an MGMT-Stimme Andrew VanWyngarden zwischen den leicht fistelig intonierten Strophen und der Kopfstimme im Hauptteil. Mit den lebhaften “The King And All Of His Men” und “Dancing With The Devil” haben sich zwei weitere Hit-Kandidaten auf das Album geschlichen, die nach designierten Werbehits klingen und sich ein wenig von den übrigen Songs abheben.

Der Grundtenor auf “Suego Faults” ist ein überaus ruhiger und entspannter, verspielter Alt.-Pop steht im Vordergrund. “Something Unusual” hat beinahe etwas von Dream-Pop, geprägt von kleineren Chor-Passagen und Streichern aus der Dose – Atmosphäre dominiert ebenso wie vielschichtige Arrangements. Zu den Highlights dieser relaxten Seite zählt vor allem “Back To Back”, dessen Refrain zwar ein wenig lauter, verhältnismäßig angriffslustig wirkt, ansonsten aber problemlos neben “Electric Feel” von MGMT stehen könnte. “Where Are You Now” überrascht mit einer Foals-Melodie und einer aufheulenden Gitarre in den finalen Sekunden, während der Rausschmeißer “Planets” versöhnliche Töne anschlägt, sogar ein wenig Spector und balladeske Queen einbringt, ja beinahe als Radiosong durchgehen könnte, wenn da nicht die sympathische Überlänge nebst psychedelischem Finale wäre.

Weitestgehend vertraute Klänge in einem neuen Gewand hat “Suego Faults” zu bieten: Max McElligott nimmt die populären Electro-Pop-Sounds der letzten Jahre mit, verbindet sie mit verträumten Flaming Lips-Klänge, Spector-Klangwänden und Indie-Charme zu einer hitverdächtigen Masse zwischen vereinzelten Uptempo-Bastarden und auf Atmosphäre ausgerichtetem Slowfood. Herausgekommen ist ein sympathisches Debütalbum mit faux-symphonischen Elementen, die tatsächlich sehr Wolf Gang-artig sind – populäre Klassik im zeitgenössischen Gewand, wenn man so will. Einfach toll!

Freitag, 29. Juli 2011

Cashier No.9 - To the Death of Fun

Unsere Wertung: *****
To the Death of Fun

Unglaublich schöner eingängiger Gitarrenpop mit wunderbaren Melodien wie ein locker luftiges Sahnehäubchen auf einen feinschmeckenden und zuckersüßen Lieblingspudding. Lecker lecker.
Cashier No.9 sind erfinderisch, frisch und ganz anders als alles, was man sonst so momentan hört.
Irgendwie klingts nach The Byrds oder Beach Boys, aber doch
irgendwie nach etwa ganz eigenen.

comdirect



Incubus - If Not Now,When?

Unsere Wertung: ****
If Not Now,When?

Going soft!

Man kann sich viele der ersten Feedbacks schon ausmalen, 'Fortsetzung eines langjährigen Trends nach unten', wird es heissen. 'Incubus bringen zum x-ten Mal seit S.C.I.E.N.C.E. ein Album heraus, das schwächer ist als das vorherige', wird es heissen. U2 und Coldplay Vergleiche wird es geben, Verweise auf das Altern der Band.

Nach den ersten dutzend Hördurchlaufen kann ich mich diesen Einschätzungen auch nicht so ganz entziehen, einerseits etwas enttäuscht, aber dann doch eher wieder eingenommen, von den Lyrics, der musikalischen Finesse und Freiheit, die sich eine meiner Lieblingsband mal wieder herausnimmt.

Zu den Highlights und damit auch den Anspieltipps: Der beste Song ist SWITCH BLADE, schnell und kantig. Eine schöne Melodie, wird unterbrochen von hart gesprochenen Passagen, das Schlagzeug peitscht ganz alte Incubus voran. Ansonsten siedelt Incubus sich mit ,If not now, when` aber hauptsächlich im Midtempo und Balladenbereich an. THIEVES bspw., hätte als Ballade auch auf den Vorgängeralben funktioniert, textlich wird Incubus hier sehr sozialkritisch. Oder DEFIANCE, ein weiteres Highlight, sehr organisch, die Gitarren bleiben akustisch und unplugged, erinnert sehr an Led Zeplin, was ja keine schlechte Referenz ist, auch wenn die Vocals eher punkmässig rüberkommen. IN THE COMPANY OF WOLVES zitiert mit Pink Floydauch wieder eine altvordere Band. PROMISES, PROMISES steigert die Schlagzahl wieder etwas, wird aber nicht von der Gitarre sondern vom Piano vorangetrieben, sehr funky, eine feine Erweiterung des Spektrums. Insgesamt gibt es für meine Ohren aber einige zuviele ruhige Songs, auch wenn ich den ganzen Ansatz nachvollziehen kann. FRIENDS & LOVERS gehört in diese Kategorie, vom Text her spannend, in der Umsetzung etwas zu kitschig.

Ein wenig Hin- und hergerissen, es ist immer noch unverkennbar Incubus: textlich poetisch wie immer und über alle Zweifel erhaben, musikalisch funktioniert diese Platte an lauen Sommernächten oder beim cruisen. Allein, live, kann ich sie mir noch nicht vorstellen, aber da ist die Band ja eh immer für eine Überraschung gut und nicht wirklich an die Studioversionen gebunden.

Liebe Incubus Afficionados, bitte bitte vorher in alle Ruhe hineinhören, es steckt immer noch Incubus drin, aber der Ansatz ist ein anderer, ruhigerer, weniger verspielter, sophisticated.

Ich tat mich anfangs schwer mit diesem neuen Album. Aber mittlerweile gefällt es mir von Tag zu Tag immer besser. Ein gutes Zeiche nfür ein gutes Werk.

comdirect



Donnerstag, 28. Juli 2011

Wiley - 100 Percent Publishing

Unsere Wertung: ****

100 Percent Publishing

100 Prozent Arschtritt-Grime mit ultratrockenem Sequenzerknarz und wohltuend rüder Sound-Skelettierung. Es dauert ziemlich genau acht Sekunden, bis man weiß, dass dieser Wiley des Jahres 2011 wieder sehr ernst zu nehmen ist. Dann hat man das erste Mal die markerschütternde Schepper-Bassline des Openers „Information Age“ in Ohr und Magen. Wiley selbst hatte bis dahin schon alle Zeit der Welt, eine erste Rap-Salve zu starten, unterlegt von einem stoisch-blechernen Beat. Viel mehr passiert dann genau besehen auch nicht mehr – in diesem Track und auf diesem Album. Grime ist ganz offensichtlich kein bisschen tot oder auch nur müde, zumindest, wenn ein Großmeister wie Wiley beschließt, wieder ganz auf die Oldschool-Basics zu setzen. Wiley – „Numbers in Action“ Es ist eine geradezu erfrischende Direktheit, die von den brutal aufs Grundgerüst herunterskelettierten Tracks ausgeht. Ungemein robust erscheinen die, eine Antithese zu den durchgeistigten Soundexkursionen der Post-Dubstep-Generation ebenso wie zum immer noch allgegenwärtigen HipHop-Hochrüstungswahnsinn mit all seiner andauernden Autotune-Versessenheit und den mörderisch teuren Produktionen. Es ist aber auch eine Absage an die reine Bass-Glückseligkeit, denn hier steht vor allem eines im Mittelpunkt: Wileys eindringlich – fast ist man geneigt zu sagen: monoton – hämmernde Stimme und ihre Schnellfeuer-Raps, deren vorzeitige Abnutzung indes durch clever getaktete Response-Chöre oder begleitende Sidekicks verhindert wird. Wiley – „Boom Boom Da Na“ Überhaupt: Es ist keineswegs so, dass innerhalb des streng limitierten Grime-Spektrums keine Feindifferenzierung möglich wäre. Da reicht die Spanne locker von einem trocken pumpenden „Numbers In Action“ zum gleich einen Track weiter verspielt und gutlaunigst daherirrlichternden „Boom Boom Da Na“ mit seinen Atari-Sounds oder vorwitzigen Background-Vocals. „Wise Man And His Words“ erlaubt dann sogar, dass sich eine zarte Pianobegleitung zwischen den massiv knarzenden Basslines durchmogelt. Es ist ein fast schon berückender Moment, der denn auch eine über die nächsten drei, vier Tracks andauernde versöhnlichere Phase einschlägt, die das Tempo drosselt und ein wenig Atemluft verschafft. Hintenraus gibt es dann nochmal hoch konzentrierte Soundarbeit mit messerscharfen Reimen und mächtigem Arschtritt-Potenzial. 100 Prozent überzeugend. Welcome back.

comdirect



Yacht - Shangri-la

Unsere Wertung: ****
Shangri-la

Festhalten, anschnallen: Es geht mit Lichtgeschwindigkeit in unbekannte Welten. Mit "Shangri-La" haben sich YACHT in eine kosmische Zukunft katapultiert. Seit 2004 schreiben YACHT aus Portland ihre Songs im Duett und veröffentlichen auf dem experimentellen New Yorker Elektro-Punk-Label DFA. Waren vorangegangene Alben schon durchaus überdreht, so hat sich das Elektro-Chaos-Duo mit "Shangri-La" endgültig ein Space-Shuttle geschaffen. Schon im Opener "Utopia" steckt derart viel zündende Energie, dass der Start in futuristische Gefilde kein Problem darstellt: Der tropische Titel überschlägt sich beinahe selbst. Ein rasender Bass, röhrende Gitarren, Synthies, Fauchen und Zischen bilden eine ungeheuren Vielschichtigkeit an brisant schnellen musikalischen Schichten. Nach dem quirligen Besuch in Utopia, dem Idealbild der Zukunft, landet man schließlich, begrüßt von den Worten "The earth is on fire / We don't have no daughter / Let the motherfucker burn", auf der dunklen Seite der hypothetischen Zukunftsszenarien – in Dystopia. Dumpfe Synthieflächen und ein entschleunigter, puckernder Beat treiben das Stück derart rucklos, dass man zu der Überzeugung gelangen kann, tatsächlich im Weltall angekommen zu sein. Das Gefühl von schwerelosem Umhertreiben wird auch im Folgenden nicht genommen. YACHT - "Utopia / Dystopia (The Earth Is On Fire) "You're one step over the line / you're fine" heißt es schließlich in "One Step", das sich durch spacige Klangeffekte in die galaktischen Welten eingliedert. Wie ein Abzählreim fährt das Stück bis zum zehnten Schritt fort und verrät doch nicht, worin es eigentlich die Linie sieht. Mit "Holy Roller" kommt "Shangri-La" bei seinem ersten echten Ruhepunkt an – echounterlegter Gesang über Fingerschnipsen mit Bass-Schnipseln, für zwei Minuten ist das alles. Mit "Beam Me Up" bringt sich das Album schließlich selbst auf den Punkt: "The future is a poem / cause it doesn't yet exist / we don't know if we reach out / to tentacle or fist" erklärt der Song, bevor in vollen Chören YACHT die dringende Bitte äußern: "Beam me up". In "Shangri-La", einem fiktiven, paradiesgleichen Ort, irgendwo im Himalaya angekommen, findet man nach diesem Trip schließlich den Boden unter den Füßen wieder. Das Stück entspannt mit poppigen Melodien und tanzender Leichtigkeit. Wo vorher Synthies undurchdringlich dichte Klänge erzeugten, stehen nun ganz natürlich ein gemächlich blubbernder Bass und leichte Gitarre, darüber warmer, zweistimmiger Gesang. Nichts ist mehr schrill. YACHT - "Shangri-La" YACHT bewegen sich ausgesprochen eloquent durch die verschiedensten Genres: "Utopia" ist funkig, "Love In The Dark" hat wavigen Charakter. "Tripped & Fell In Love" ist mit einem krautigen Beat unterlegt und glänzt durch minimalistische Düsterkeit. "Shangri-La" schließlich ist ein sanft-beschwingter Pop-Song, in dem elektronische Elemente nur noch verschwindend gering vorhanden sind. Damit entsprechen YACHT ihrer eigenen Wunschkarriere, die niemals in irgendeiner Schublade hängen bleibt. Man kann trotzdem nicht verhehlen, dass sie mit "Shangri-La" auf einem relativ schmalen Grad zwischen genialer Flippigkeit und latenter Nervenbelastung balancieren. Die Stücke sind fast durchgängig überdeutlich präsent, treibend und energiegeladen. Die Stimme von Claire L. Evans zeigt eher wenig Variation und ist sehr durchdringend. Man könnte wohl sagen, dass YACHT einen Hang zur absoluten Übertreibung haben. Allerdings haben sie es mit diesem Album noch geschafft, die Waage zu halten – in der Machart zwischen thematischem Konzept und musikalischer Freiheit, in den Texten zwischen Quatsch und kritischer Botschaft, zwischen Experimentierfreude und persönlichem Stil. Und dabei legen sie soviel Enthusiasmus an den Tag, dass "Shangri-La" einfach mitreißt und erfreut. Nur bei Katerkopfschmerzen und Gereiztheitszuständen sei es eventuell mit Vorsicht zu genießen.

comdirect