Mit der Sonnenbrille im Gesicht und einer ausgeprägten Scheißegal -Mentalität im Angesicht der Krise trinken wir tanzend Champagner auf den Trümmern der alten Weltordnung! Die Berliner Band DIN [A] Tod fängt auf ihrem neuen Album perfekt das Lebensgefühl am Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends ein... Westwerk verbindet den Spirit der frühen Achtzigerjahre mit dem sympathisch-schrägen Electroclash-Sound der Hauptstadt zu einer vielseitigen No-Future-Pop-Musik mit Club-Appeal. Die mutige Fusion aus reduzierten Elektronik-Sounds mit treibenden Gitarren- und Bass-Linien und einem Hauch unterkühlter Reserviertheit klingt noch satter, kompakter und runder als auf dem mit reichlich Lorbeeren bedachten Debütalbum der Band. Westwerk steht für bis auf die Knochen reduzierte Hits, welche das kühle Düster-Flair der Sisters Of Mercy mit den minimalistischen Grooves von Bands wie Joy Division oder New Order und einem satten, elektronischen Beat-Fundament paaren. Das Wechselspiel zwischen Sven Claussens dunklem, nihilistischen Sprechgesang und Claudia Fasolds schnippischen Girlie-Charme verleiht den Songs dabei einen ganz besonderen Reiz. Auf Westwerk perfektioniert die Band ihre Vision eines modernen Post-Punk-Sounds, in den sich auch eine Cover-Version der frühen Joy-Division-Hymne Warsaw nahtlos einreiht. DIN [A] Tod spielen den abgeklärten Sound einer kalten, anonymisierten Großstadt, wie er eigentlich nur aus Berlin kommen kann... und treffen damit genau den Nerv der Zeit!
Peaches hat sich noch nie vor dem Anderssein gefürchtet – gerne schwimmt sie beherzt gegen den Strom und fordert ihre Hörer immer wieder heraus. Mit ihrem revolutionären Elektro-Punk ist Peaches sowohl Trendsetterin als auch Ikone für viele nachfolgende Musikerinnen und ist nun auf der musikalischen Landkarte so wichtig wie nie zuvor.
Auf ihrem neuen Album „I Feel Cream“ gibt sie wieder alles und hat sich für die Produktion namhafte Verstärkung geholt. Gemeinsam mit Simian Mobile Disco, Soulwax, Digitalism und Drums Of Death enstand ihr bis dato poppigstes Album, was aber nicht heißen soll, dass sie sanfter geworden ist, im Gegenteil. Die Beats sind so rauh und sperrig wie gewohnt, aber haben neuerdings einen melodischen Groove, den man auf den früheren Alben nur erahnen konnte. Perfekte Beispiele dafür sind der Album Opener „Serpentine“, der Titeltrack „I Feel Cream“ oder der verführerische Synthiepopsong „Lose You“, bei dem Peaches mit einer ungewohnten und gleichzeitig zauberhaften Feinfühligkeit glänzt. Natürlich bleibt sie aber auch ihrem typischen lyrischen Biss treu, wie z.B. bei dem Song „Billionaire“ (feat. Shunda K von Yo Majesty) in dem sie singt: „you do diddly-squat / no plot / you took a shot / but forgot you’re the fly that I squat“
In anderen Würdigungen wurde Oceana schon mit Amy Winehouse, Duffy und Joy Denalane verglichen. Mir fällt zudem wegen der frischen Retro-Sounds und der originellen Texte auch noch Lily Allen ein. Aber keiner dieser Vergleiche wird Oceana wirklich gerecht: Sie steht bei ihrem Debüt künstlerisch schon voll und ganz auf ihren eigenen Beinen und hat es nicht nötig, irgendjemanden zu kopieren. Eine bessere Stimme als die meisten ihrer aktuellen Kolleginnen hat sie sowieso.
Das Album läd zum träumen ein, Sommer, Sonne, Gute Laune, ein wenig chillen und das Leben einfach nur genießen!
Tiga`s neues Album "Ciao" ist das Ergebis von 15 Monaten harter Studioarbeit, das in Zusammenarbeit mit führenden Artists wie Soulwax, Jesper Dahlback, Gonzales, Jori Hulkonnen, Jake Shears und James Murphy entstanden ist. Tiga hat mit seinen Remixen (u.a. Corey Heart`s "Sunglasses at Night) und seinem Debüt Album "Sexor" Meilensteine in der elektronischen Musik erschaffen. Er ist und bleibt "everybody's darling" in der Dance Szene. So richtig lieben muss man ihn aber auch wegen seiner Stimme, die ja schon einige seiner Remixe vergoldete und mit ihrer nicht zu leugnenden Unperfektion das perfekte Mittel ist, die nötigen Falten in die Produktion zu bügeln und zu wirklich großem Pop zu machen. "Ciao" lässt sich einfach zusammenfassen: Prägnante, reduzierte und recht kurze Tracks im Schnittbereich von Dance, House, Disco und Pop. Wobei die unterkühlten, düsteren Stimmung immer wieder durch poppige Melodien und Hooklines gebrochen wird. Der repetitive Gesang moduliert und erhebt sich streckenweise zu Refrains mit "Mitsing-Qualität".Ein Streifzug durch die Lieblingsclubs, in denen Rave, Dancefloor, Electro-Wave, House und Chill-Sounds laufen.
Nofx wie man sie kennt und liebt. Tolle Gesangsmelodien, geile Riffs, meist hohes Tempo, lustige Texte - Nofx eben. Trotzdem bleibt ein kleiner Beigeschmack, weil einem die ein oder andere Melodie doch bekannt vorkommt, man den ein oder anderen Text über Religion oder den Staat irgendwie auch schonmal ähnlich gehört hat und Nofx überhaupt, das alles was sie auf Coaster so verbrechen, schonmal selber besser gemacht haben. Darf man natürlich trotzdem nicht verpassen!
Ricky Warwick ist zurück!Mit seinem neusten Solo-Album beweist der ehemalige Frontmann von The Almighty und Mitstreiter von Bands wie New Model Army, Stiff Little Fingers und The Ruts, das auch ein Mann und seine Akustik-Gitarre ordentlich rocken können.Seit 2002 auf Solopfaden unterwegs und hier u.a. schon als Support von Keith Caputo zu sehen, gibt es auf dem neuesten Werk Belfast Confetti von Ricky Warwick 11 akustische Perlen voller Leidenschaft, Dreck, Whisky und Geschichten einer vergeudeten Jugend auf der grünen Insel.Ricky selbst sagt dazu: Für dieses Album habe ich tiefer in mich selbst geblickt. Jeder Song gleicht einem Gebet, Belfast Confetti ist eine Sammlung von Geschichten meiner Familie, meinen Freunden und natürlich auch von mir. Mittlerweile sind alle verteilt über die ganze Welt, aber wenn es dazu kommt, dass über die Heimat gesprochen wird, bekommen alle glänzende Augen und schwelgen in Erinnerungen.
"There Is An Ocean That Divides And With My Longing I Can Charge It With A Voltage Thats So Violent To Cross It Could Mean Death" natürlich fällt als erstes dieser Albumtitel ins Auge, wenn man die zweite Platte des Exil-Australiers Scott Matthew in den Händen hält. In gewisser Weise ist auch das Zustandekommen dieses Guiness Buch der Rekorde - Albumtitels bezeichnend für die Entstehung von Matthews feinen, zarten Songs: er hofft, dass die Länge dieses Titels ihn nicht prätentiös erscheinen lässt und erzählt wie er überhaupt dazu kam, im Gegensatz zum noch schlicht Scott Matthew betitelten Debüt diesmal so weit auszuholen.
Der Albumtitel war eine Dichtung, die geschrieben funktionierte, aber gesungen in keinen seiner Songs passen wollte. So holte er mit seiner Pianistin Marisol Limon Martinez und der Japanerin Chie Tanaka zwei Damen ans Mikro, ließ sie jene Zeilen flüstern und schuf so einen der beeindruckendsten Momente des Albums, der dann folgerichtig auch an prominentester Stelle erscheinen sollte. Es ist wohl dieses organische Entstehen der einzelnen Songs, dieses Ungezwungene, das ihnen die Leichtigkeit verleiht, die den wunderbaren Kontrast zur die Texte bisweilen durchziehenden Weltenschwere erzeugt.
So reagiert Matthew auch verwundert auf die Frage, ob sich sein Songwriting Prozess denn verändert hätte, weil das neue Album stilistisch breiter aufgefächert ist und eine größere Bandbreite an Einflüssen vermuten lässt - ohne dabei aber die Stärken des gefeierten Debütalbums zu verlieren. Er sei über die Jahre einfach ein anderer Mensch geworden, also mögen sich auch die Lieder, die er schreibt, anders anhören. Bläserarrangements, Chöre, auch der eine oder andere Midtempo-Song sind nun ebenso auf Scott Matthew Alben zu finden, wie die erwarteten intimen Folk-Momente.
Die Gitarrenparts auf dem wieder von Mike Skinner produzierten zweiten Album übernehmen dafür zum Großteil das Ex-Morrissey-Bandmitglied Spencer Cobrin und die New Yorker Indielegende Kevin Devine. Die Band komplettieren die bereits erwähnte Pianistin Marisol Limon Martinez und Eugene Lemcio (Bass) und Clara Kennedy (Cello). Auch auf Gesangsebene hat sich Matthew Unterstützung ins Studio geholt: die neuerdings von Kanye West verehrte Singer/Songwriterin Holly Miranda übernimmt die Backing Vocals bei Dog . Wer Scott Matthew auf seiner letzten Deutschland-Tournee erleben durfte, konnte Holly Miranda in seinem Vorprogramm entdecken und natürlich bei der gemeinsamen, stürmisch umjubelten Zugabe von Heaven Knows I m Miserable Now von Matthews Lieblingsband The Smiths.
So erweist sich das zweite Album auch dank der Kollaborationen mit anderen Künstlern als abwechslungsreicher und vielschichtiger als das Debüt, auch wenn die Referenzgrößen der junge David Bowie (Rolling Stone) und Antony & The Johnsons (MusikExpress) immer noch die gleichen sind. Gerade aber weil sein Songwriting sowohl beschwingte Nummern wie Thistle als auch noch leisere Töne wie im Titelstück der Platte vereint, überzeugt There Is An Ocean that divides als schillerndes Ganzes vielleicht noch mehr als Album Nummer 1.
Eigentlich hatte man erwartet, dass Dylan mit Album Nummer 46 weitermacht in der Richtung die seine letzen beiden Alben Love & Theft und Modern Times vorgaben: Zeitlose, souveräne Blues- und Folk-Songs wie aus der Prä-Rock&Roll-Ära. Ein Bruch ist Together Through Life nun nicht geworden, aber Dylan setzt viele überraschende neue Akzente: Da sind die prägnanten Texmex-Klänge mit dem Akkordeon David Hidalgos von Los Lobos und die ganze Grundstimmung des Albums - man fühlt sich wie auf einer Reise an der mexikanischen Grenze entlang, mit Dylan, Robert Johnson und Tom Waits als Reisepartner. Neu auch, dass die Songs vom Grateful-Dead-Songschreiber Robert Hunter mitverfasst wurden. Und vor allem: Die Songs treffen noch viel stärker ins Herz als auf den letzen beiden Alben - dort wo sich beim Hören auf Modern Times Ehrfurcht und Hochachtung einstellten fließt bei Together Through Life Herzblut. Ein fantastisches Album - ob Together Through Life nun "das Beste, Schönste und Größte, was der Meister in den letzten dreißig Jahren seinem Publikum ausgeliefert hat" (Süddeutsche Zeitung) ist oder einfach nur ein Werk, das mit Alben wie Oh Mercy und Time Out Of Mind, den großen Dylan-Werken der 80er und 90er, auf einer Stufe steht ist dabei an sich gleichgültig.
Als Teenager tanzte man den Blues auf allen Feten und war glücklich, den Schwarm zum langsamen "The Power Of Love" von Frankie Goes To Hollywood umarmen zu dürfen. Jeremy Jay nennt seine zweite Platte nun ganz programmatisch "Slow Dance" und entführt uns in eine skurrile Retro-Glam-Popshow.
Ganz ungeniert setzt der Kalifornier auf das schwarze Schaf der Populärmusik: Eine frostige Frühachtziger-Synthetik haftet owohl optisch als auch musikalisch an ihm. In Popper-Frisur und androgyner Körperhaltung knüpft er an sein Debüt "A Place Where We Could Go" nahtlos an.
Eisige Synthesizer aus Rudis Resterampe zieren nicht nur den Eingangssong "We Were There", sie werden minimalistisch von Bass, Gitarre und Schlagzeug begleitet. Das Tempo gerät ganz allgemein gebremst. "Slow Dance" beschreibt die Tanzsituation aufs Wort und fordert eigentlich zum anschmiegsamen Paartanz auf. Nichtsdestotrotz dürfte das hier doch eher den coolen Komplettstyler auf den Dancefloor ziehen. Uncool is the new cool.
Von Professionalität an den Instrumenten kann bei Jeremy Jay und seinen Mitmusikern übrigens nicht die Rede sein. Aber genau dieser Dilettantismus verursacht gute Laune beim Hörer. Die LoFi-Klänge passen darüber hinaus hervorragend zum Label K-Records. Möglich jedoch auch diese Interpretation: Vielleicht verarscht uns Jay mit seinen cheesy Slowdance-Hymnen auch bloß.
Trotz winterlicher Atmosphäre ist "Slow Dance" ein bewegender Start in den Frühling.
Neil Young hat seinen geliebten Lincoln Continental aus den 50er Jahren von einer spritfressenden Dreckschleuder in eine Öko-Limousine umgebaut. Mit der reist er kreuz und quer durch die USA, um sein Zukunftsprojekt „LincVolt“ vorzustellen. Das Auto, dessen Kühlerhaubenfigur schon auf Chrome Dreams 2 zu sehen ist, dient nun als Vehikel für das rockende Konzeptalbum Fork In The Road. Die Geschichten, die der Godfather of Grunge im Alter von 63 Jahren erzählt, handelt von seinem Oldtimer, Zwischenstation, Gedanken an die Zukunft, Abrechnung mit der Gegenwart. Ein paar Banker und Politiker geraten dabei unter Beschuss. Er singt davon, dass ein Song die Welt nicht verändert, wohl aber sein umweltfreundliches Auto. Er spricht verächtlich über Downloads...“download this. Sounds like shit...“, über das Verschwinden schwindelerregender Summen in der Weltwirtschaftkrise. Neil Young singt, was ihm das Radar auf seiner Fahrt auf den Bildschirm bringt und er macht es einem mit klaren Worten nicht schwer zuzuhören. Und nun beginnt das Problem: So sehr der Kanadier davon schwärmt, wie leise und sauber sein Lincoln über die Strassen schnurrt, so sehr holpern – abgesehen von ganz wenigen Balladen wie „Off The Road“ und das hinreißend schöne „Light A Candle“ – die Arrangement. Die klingen wie schlecht ausgebaute Schotterpisten, so unscharf wie das recht merkwürdige Plattencover, bleiben in Blues-Pfützen stecken. Große Mühen scheint sich der Meister beim Ausformulieren seiner Stücke nicht gegeben zu haben, eine Axt ersetzt Feile und Hobel, auch seine verlässlichen Mitstreiter Ben Keith und Anthony Crawford an den Gitarren, Drummer Chad Cromwell oder Rick Rosas am Bass schlagen in die selbe Kerbe Fork In The Road ist ein rohes, spontanes, ungehaltenes, kantiges und unruhiges Werk. Es passt zum Irrsinn seiner Zeit, immerhin.