Diese Seite versorgt Euch mit kritischen Kommentaren zu aktuellen CD Neuerscheinungen.
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Donnerstag, 20. Januar 2011

Wire - Red Barked Tree

Unsere Wertung: ****
Red Barked Tree

Der Blick auf die erstaunliche Vita von Wire läßt einen rätseln, im wievielten Frühling sich diese Band denn nun eigentlich befindet, wo sie doch seit über dreißig Jahren fern jeder Peinlichkeit eine feine Platte nach der anderen zuwege bringt. Spötter nun könnten behaupten, die Londoner haben sich nach den agressiven Punkausflügen ihrer frühen Tage und nicht minder wilden rockistischen Wagnissen zu Beginn des neuen Jahrtausends mittlerweile auf eine enstpannte, altersgerechte und gruppendynamische Spielart des Postpunk geeinigt. Der Elektroniker würde es wohl eine Art akkustische Grundleistung nennen, die ohne größere Abstriche auch noch so manchem Greis gelänge.

Natürlich ist das unzutreffend und böse zugleich, denn wie schon auf dem gelungenen Vorgänger "Object 47" zelebrieren Wire auch auf dem aktuellen Album nichts weniger die Essenz ihres Schaffens. Dass Songs wie "Please Take", "Adapt" oder "Clay" dabei mehr als gelassen, das fast fünfminütige "Down To This" sogar schon getragen klingen, kann man ihnen kaum zum Vorwurf machen - sie hatten auch zu Zeiten von Großtaten wie "The Ideal Copy" schon solches im Programm. Zudem hieße es zu unterschlagen, dass Wire auch jetzt noch ihren Grinderman beherrschen - raue, schnellere Stücke wie "Now Was", "Two Minutes" oder das stampfende "Moreover" wirken durchaus frisch und zu keiner Zeit aufgesetzt oder berufsjugendlich.

Wer die Mannen um Colin Newman dazu in letzter Zeit live gesehen hat, der weiß, dass sie noch wollen und auch können - sie sind einfach noch nicht fertig. Und wenn ihnen dabei hin und wieder ein Kunststück wie der abschließende Titelsong gelingt, dann dürfen sie meinenthalben auf ewig, idealerweise zusammen mit den versöhnten Zeitgenossen Hook & Sumner, als Bordkapelle auf Seniorenkreuzfahrt schippern.


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Zaz - Zaz

Unsere Wertung: ****
Zaz

Die Franzosen stehen auf Zigeuner Musik. Das ist nichts Neues. Mischt man diese Musik mit Jazz und Chanson, und gibt dazu eine Sängerin, die mit Heiserkeit flirtet: da ist ZAZ.

In den ersten Minuten ist man durch die Stimme von Isabelle alias ZAZ einfach nur hin und weg: heiser und doch offen, vibrierend, frech. Eine Erschütterung. Es braucht also ein paar Minuten, bis man merkt, dass dieses Album viel mehr zu bieten hat, als eine tolle Stimme: Melodien, mitreißende Rythmen, schlichte und jedoch geniale Arrangements.

Später, beim mehrmaligen Zuhören wird klar, dass die Band ständig über bekannte Musik-Quartiers gleitet, ohne den eigenen roten Faden zu verlieren: Michel Jonasz, Francis Cabrel, Edith Piaf, Ella Fitzgerald, Serge Lama, Mano Solo... man findet alles. Für Franzosen ein Genuß, denn das Ganze fühlt sich heimelig an.

Das hat Pepp, Tiefgang, alles.
Bitte mehr davon!
Merci.

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Montag, 17. Januar 2011

Bruno Mars - Doo-Wops & Hooligans

Unsere Wertung: ****
Doo-Wops & Hooligans

Peter Gene Hernandez erblickt an einem Ort das Licht der Welt, den viele Andere - einmal besucht - wohl nur schweren Herzens wieder verlassen würden: Hawaii. Aufgewachsen in einer Familie von Musikern (sein Vater, ein Latin-Percussionist aus Brooklyn; seine Mutter, eine Sängerin) beginnt er bereits in jungen Jahren zu singen und performen. Inspiriert von den vorgetragenen alten Motown Hits, Doo-Wop-Medleys und Coverversionen, entdeckt er die Bühne für sich.Seine Beiträge zu "Nothin' on you" (B.o.B) und "Billionaire" (Travie McCoy) rücken ihn 2010 ins internationale Rampenlicht. Sänger, Songwriter, Produzent und Musiker - ein absolutes Multitalent und praktisch über Nacht berühmt. Dabei ist sein Erfolg kein Zufall und seine Debütsingle "Just the way you are" Produkt eines umtriebigen Geistes und Spiegel seines Inneren. Reich an unterschiedlichsten Musikstilen aus der ganzen Welt und ausgestattet mit dem Traum einer großen Karriere. Da überrascht es nicht, daß auch der Cee-Lo Green Hit "F*ck you" mit aus seiner Feder stammt.

Es scheint als wird alles zu Gold, was Bruno Mars (so sein Künstlername) in die Hände nimmt. 7 Grammy Nominierungen können nicht lügen. Mit der ersten Single bereits weltweit in den Top 10, macht sich der Nachfolger "Grenade" auf, um es seinem Vorgänger gleichzutun. Beide Nummern melodieverliebt und mit viel Gefühl vorgetragen. Pop, der sich nicht anbiedert, aber ebenso wenig loslässt. Seine viel zitierte Vielseitigkeit stellt er in der Folge seines Albums "Doo-Wops & Hooligans" ebenso ansprechend unter Beweis. Von sonnigen, Reggae gefärbten Klängen bei "Our first time" oder "Liquor Store Blues" (feat. Damian Marley) über einen Up Tempo Motown/Soul Track im Stile von "Runaway Baby" (pendelt irgendwo zwischen Cee-Lo Green und "Bang Bang" von K'naan) bis zu gefühlvollen Pianoballaden wie "Talking to the moon". Bruno Mars scheint für jeden Anlass, jede Stimmung und jede Jahreszeit gerüstet. Ganz stark auch die akustisch gehaltenen Stücke wie "Count on me", die in erster Linie von seiner hohen Stimme und der leichtfüßigen Gitarrenuntermalung profitieren. Zum Abschluß revanchiert sich Cee-Lo Green mit seinem Beitrag zu "The other side" - kurzzeitig fühlt man sich im Refrain an Chris Isaak's "Wicked game" erinnert. Und fertig ist die erste kleine, große Popperle 2011.

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Freitag, 14. Januar 2011

Social Distortion - Hard Times and Nursery Rhymes

Unsere Wertung: *****
Hard Times and Nursery Rhymes

Über sechs lange Jahre musste man sich gedulden, bis Mike Ness und seine Truppe ein neues Social-Distortion-Album fertigstellen konnten. Hat sich die Wartezeit gelohnt? Meine objektive Meinung: ja, auf jeden Fall! Das Punk-Gaspedal wird zwar kaum noch durchgetreten, dafür tummeln sich auf "Hard Times and Nursery Rhymes" gleich tonnenweise großartige Melodien, eher rockige Töne und jede Menge Emotionen. Nach dem instrumentalen Intro geht es ungewohnt "soulig" mit "California (Huslte and Flow)" los, welches von einem sehr coolen Gospelchor begleitet wird und natürlich promt ins Ohr geht. Chöre, Piano- und Orgelklänge sind auf dem neuen Werk generell vermehrt zu hören. Das heißt nicht, dass dies Überhand nimmt, es ist nur im Vergleich zu den Vorgängeralben so. "Hard Times..." ist keine weichgespülte Platte, allein, weil doch hin und wieder noch die rotzige Punk-n-Roll-Sau von der Leine gelassen wird, wie etwa bei "Machine Gun Blues" oder "Alone And Forsaken". Songs wie "Bakersfield" oder "Writing On The Wall" hingegen transportieren ganz große Gefühle, ohne dabei auch nur ansatzweise kitschig zu wirken. Mike Ness verstand es schon immer, auch dem härtesten Rocker eine Träne aus dem Auge zu drücken.
Der neue Social-D-Output ist einfach wieder mal ein universelles Album. Es ist für diejenigen, die einfach nur feiern wollen, für diejenigen, die an Liebeskummer leiden, für diejenigen, die gerade verliebt sind, für Verbitterte, für Glückliche, einfach für jeden. Da nimmt man auch sechs Jahre Wartezeit gerne in Kauf.

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Mittwoch, 12. Januar 2011

The Decemberists - The King Is Dead

Unsere Wertung: ****
The King Is Dead

Bei The Decemberists ging in den letzten Jahren nichts ohne Überlänge und vertrackte Konzepte: Die Single "The Tain" brachte es mal eben auf 18,5 Minuten, auf dem Album "The Crane Wife" vertonte die US-Folkband ein japanisches Märchen in drei Songs, und ihr letztes Werk "The Hazards of Love" lässt sich nur als Progfolkoper bezeichnen. Man könnte bei Bandchef und Songschreiber Colin Meloy Ermüdungserscheinungen vermuten, denn auf dem sechsten Studioalbum halten sich alle Kompositionen an konventionelle Längenvorgaben, und auch die inhaltliche Klammer fehlt. Doch Meloy hat einfach das für ihn schwerstmögliche Konzept gewählt: Purismus. Die Songs orientieren sich am Countryrock der 70er und schielen im größtenteils akustischen Gewand auf Neil Youngs Meisterwerk "Harvest". Genregemäß hat sich Meloy mit der Alternative-Country-Sängerin Gillian Welsh eine perfekte Gegenspielerin gesucht. Und auch R.E.M.-Gitarrist Peter Buck ist nicht gerade zufällig auf der Gästeliste: "Calamity Song" und "Down by the Water" könnten auch als Americana-Höhepunkte aus den folkigen Anfangstagen von R.E.M. durchgehen. Vor allem aber hat Meloy sein Händchen für Melodien noch stärker spielen lassen. Schon die herzerwärmende Ballade "January Hymn" wird uns mühelos durch den Winter bringen. Doch es folgt auch noch "June Hymn" - und spätstens dann ist klar, dass dieses Album fürs komplette Musikjahr 2011 als Messlatte taugt.

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Dienstag, 11. Januar 2011

Schwefelgelb - Das Ende Vom Kreis

Unsere Wertung: ****
Das Ende Vom Kreis

Das Intro des zweiten Schwefelgelb-Albums ist programmatisch: "Mich soll niemand fragen, in welche Richtung wir fahren, wir suchen nur das Ende vom Kreis", verkündet Sänger Sid alias Jonas Förster. Noch 2008 brachte das Duo vor allem Menschen über 30 durcheinander, als es auf dem Debüt "Alt und Neu" zwar gnadenlos NDW und Synthiepunk der 80er zitierte, dabei aber nur leichte Soundupdates vornahm. Dazu sahen die beiden Jungs aus, als wären sie direkt aus dem Genderseminar auf die Bühne gestürmt, auch wenn sie gar keine Lust hatten, die Geschlechtergrenzen neu zu definieren. Diese Koordinaten behalten sie bei, mischen aber auch aktuelle Elektrotrends unter. Harsche Ravesongs wie "Schwarz Weiss" könnten auch aus dem Katalog von Audiolith oder Ed Banger stammen, - doch Schwefelgelb sind dabei weder witzig noch bitchy. Das Duo bemüht sich lieber um ein tieferes Verständnis der Welt, und so schälen sich aus den brachialen Beats immer wieder klassische Melodien, die an New-Romantic-Helden wie Human League erinnern. Das dürfte auch viele Menschen unter 30 verwirren - und gerade deswegen sind Schwefelgelb mit ihrer Erforschung des Kreises ein gutes Stück vorangekommen.



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Sonntag, 26. Dezember 2010

Thee Spivs - Taped Up

Unsere Wertung: *****
Taped Up

Die Reinkarnation der Punkmusik. Schrammlig wie Ende der Siebziger. Ein paar Akorde.
Kurz, knackig, eingängig, revolutionär, hoch melodiös! Toll!!!

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Sonntag, 12. Dezember 2010

Bruce Springsteen - The Promise

Unsere Wertung: *****
The Promise

21 (eigentlich 22!!! mit The Way als Hidden Track) Songs aus den Sessions zu einem der besten Rockalben aller Zeiten. Rund 70 Songs (!!!) wurden seinerzeit aufgenommen, zum Teil aber nicht fertiggestellt oder Bruchstücke aus den einzelnen Songs für andere Songs verwendet. Nur 10 Songs haben es seinerzeit auf das Darkness-Album geschafft, allesamt meist der düsteren Art. Andere wie Fire oder Because The Night wurden an andere Musiker abgegeben, die mit Bruce's Songs Hits hatten. Andere haben ihren Weg auf das spätere River-Album geschafft (z. B. Sherry Darling, Drive all Night, Point Blank, Ties That Bind, Independance day), wiederum andere wurden 1998 auf Tracks veröffentlicht (z.B. Don't Look Back). Wieder andere, wie Preacher's Daughter bleiben weiterhin unveröffentlicht. Und jetzt diese 22 Songs, die das Album zwischen Born to Run und Darkness hätten bilden sollen. Es wäre meines Erachtens ein Klassiker geworden genau wie Darkness oder Born to Run.

Unter Springsteen Fans wird heftig diskutiert, ob man es gut findet, dass die Songs zum Teil erheblich nachbearbeitet wurden. Aber: Viele der Songs wurden nie fertiggestellt und existierten somit gar nicht vollständig. Und die Original-Produktion des Darkness-Albums war sowieso m. E. äußerst mies. Klang und Produktion von The Promise dagegen sind ausgezeichnet.

The Promise belegt einmal mehr, dass Springsteen einer der - wenn nicht gar DER - größte Singer/Songwriter im Rock/Pop-Business ist. Die Qualität jedes einzelnen Songs auf diesem Doppel-Album ist derart hoch, dass jeder andere Möchtegern-Rocksuperstar in Ehrfurcht erstarren müsste. Schön, dass immer mehr Bands, die heute hipp sind, das erkennen und Bruce Springsteen - zu recht - als ihr großes Vorbild ansehen (Arcade Fire, U2, The Gaslight Anthem, Kings Of Leon, The Killers, Pearl Jam, Amy MacDonald, um nur einige zu nennen).

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Freitag, 10. Dezember 2010

Daft Punk - Tron Legacy (Soundtrack)

Unsere Wertung: *****
Tron Legacy (Limited Special Edition)

Eins gleich voweg..der Soundtrack ist der Hammer und das schreib ich wirklich nicht oft.
Ich hatte Anfangs zweifel als ich hörte das Daft Punk den Score zu Tron Legacy machen würde, hatte gehofft das ein erfahrender Hollywood Komponist die Musik schreiben würde. Doch als ich den ersten Track vom Album hörte, waren mein zweifel wie weg. Die Macher des Filmes hätten keine bessere Wahl treffen können. Durch ihre musikalische House/Techno Vergangenheit passt Daft Punk wie die Faust auf's Auge.
Wer jetzt denkt das Tron Legacy ein Techno Album ist..wird eines bessern belehrt. Daft Punk verbindet geschickt elektronische Spielerein mit großen Hollywood Orchester..ähnlich wie Hans Zimmer und Co.
Daft Punk haben einen richtig schön abwechselungsreichen Score geschaffen..der einen mitreißt oder zum träumen einlädt. So richtig lässt sich der Soundtrack nirgends einordnen, würde aber sagen irgendwo zwischen Hans Zimmer und Danny Elfman, das passt glaube ich ganz gut. Anspieltip sind in meinen Augen die Tracks..Outlands, Adagio for Tron u. Disc Wars.

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Sonntag, 5. Dezember 2010

Black Eyed Peas - The Beginning

Unsere Wertung: *
The Beginning

Eklatante Teenie-Abzocke - Aufhören!

Es war einmal eine innovative Band, die es schaffte einem gesamten Genre eine dicke Prise Frische beizusteuern. Nach ersten Achtungserfolgen und Lobeshymnen auf der Kritikerseite wollten die drei Jungs viel Geld verdienen und holten sich eine Sängerin mit ins Boot. Zwei Alben lang zelebrierte das neu formierte Quartett einen Mix aus Hip Hop/Funk/Pop-Klängen und war trotz erhöhtem Kommerz immer noch einzigartig. Plötzlich sprang man auf den Elektro-Trend auf und war kommerziell immer noch erfolgreich; veröffentlichte mit "I gotta feeling" sogar DEN Hit des Jahrzehnts. Fans der ersten Stunden waren zu diesem Zeitpunkt erst einmal fortgelaufen. Nun garantieren die BEP auch, dass diese nie wieder zurück kommen werden.

Akustische vergewaltigung, das Schlimmste, was ich meinen Ohren je angetan habe...

Die Platte braucht leider wirklich kein Mensch. Goodbye Blackeyed Peas!!!!

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