Diese Seite versorgt Euch mit kritischen Kommentaren zu aktuellen CD Neuerscheinungen.
die TuneSpy CD-Reviews

Amazon.de MP3-Downloads


Mittwoch, 18. März 2009

Bishop Allen - Grrr...

Unsere Wertung: *****

Grrr...
Bishop Allen sind 2009 fleißig auf Konzertreise, um ihr Album "Grrr" zu featuren. Bis Anfang Mai touren sie durch die USA und Europa. Wer eine Portion positive Stimmung nötig hat, der sollte hingehen bzw. sich diese dreizehn, variantenreichen Kompositionen anhören. Denn die Indieband aus Brooklyn gehört zu den Künstlern, deren gute Laune geradezu ansteckend wirkt.

Der Albumtitel "Grrr" mag da zunächst verwirren, wartet man doch vergeblich auf eine verstimmte Lebensphilosophie. Vielmehr schlendert "Dimmer" zu Beginn strahlend durch das fröhliche Mitsing-Repertoire. Weit entfernt von Armageddon und Weltwirtschaftskrise steigt der Frohsinn mit "The Lion & The Teacup".

Poppige Folkklänge und möglichst viele unterschiedliche Instrumente setzen die zwei Freunde Justin Rice und Christian Rudder dafür ein. Neben Klavier und Akustikgitarre sorgen die schlagfertige Marimba, die quirlige Ukulele oder das tiefe Jagdhorn für besonderen Unterhaltungswert.

Dazu kommen Rices Textzeilen, die bereits von der Los Angeles Times für poetisch besonders wertvoll erklärt wurden: Geschichten, in die sich jeder hinein fühlen kann.

Früher hielt sich das Duo vorwiegend in der Punk- und Hardcore-Szene auf. Davon ist heute musikalisch nichts mehr zu hören. Der warme Gesang harmoniert und dominiert mit Gastsängerin Darbie Nowatka in Stücken wie "The Ancient Commonsense Of Things" und "True Or False".

Völlig losgelöst, hier mal ohne jeglichen Textanspruch, verliert man sich in "Shanghaied" und stimmt ein, in das schallende "Lalalalala". Ebenfalls eingängig kommt die kleine Hymne "Cue The Elephants" daher. Hier trällert man sorgenfrei durch den Alltag, und am Ende packen die New Yorker noch mal die gesamte Spielzeugkiste aus, - und klimpern ausgelassen mit dem Tiger.

Grrroßartig!


laut.de

Kaufen bei Amazon



Donnerstag, 12. März 2009

Pure Reason Revolution - Amor Vincit Omnia

Unsere Wertung: ***

Amor Vincit Omnia

Pure Reason Revolutions (PRR) Erstling "The Dark Third" war eine Überraschung: Nirvana-Gitarren, Floyd-Keyboards, Gothic-Geigen und bombastischer Vielstimmiger Gesang - ein kleines New Art Rock Meisterwerk! Auch live wussten die Jungs und das Mädel die Songs exzellent zu präsentieren. Ruhige Balladen wie "The Exact Colour" sind dabei genau so grandios wie Gitarrenkracher a la "Apprentice of the Universe".

Die Single "Victorious Cupid", ließ auch für das Album "Amor Vincit Omnia" großes erhoffen. Leider treffen diese Erwartungen nicht völlig ein. Der Opener "Les Malheurs" klingt eher nach einer elektronischeren Variante neuerer Muse-Ausfälle und begeistert nicht wirklich. Auch die entschärfte Album Version von "Victorious Cupid" enttäusch: Der Drive der Single-Variante fehlt. Höhepunkt des Albums ist der vierte Song "Apogee", der als einziges Stück des Albums auch bestens auf "The Dark Third" gepasst hätte.

Die folgenden Lieder bewegen sich alle irgendwo zwischen Elektronik-Minimalismus und und Indie-Pop. Gitarren hört man nur selten, auch echtes Schlagzeug ist größtenteils Beats aus der Konserve gewichen. Schade, dass die Geigen ebenfalls völlig entschwunden sind, dies liegt allerdings am Ausscheiden eines ehemaligen Bandmitgliedes. Mit "Disconnect" liefert die Band gegen Ende hin übrigens nochmal einen Totalausfall ab: Computergedudel mit übelst entstelltem Gesang.

Der Stilwandel der Band sei mal dahingestellt, denn ich bin auch dem ein oder anderen Electro-Song nicht abgeneigt. Leider erreichen PRR aber auch hier nicht die Vorreiter des Genres. Und für die Art-Rock-Fans des ersten Albums bietet sich wenig Interessantes auf diesem Tonträger.

Dennoch finden sich Höhepunkte: "Apogee" ist ein genialer Song und "Bloodless" eine schöne Electro-Pop-Ballade. Zusammen mit Totalausfall "Disconnect" und einigen gemütlichen Indie-Electro-Liedern reicht das gerade noch für...

3 Sterne

Kaufen bei Amazon



Sophie Hunger - Monday's Ghost

Unsere Wertung: ****

Monday'S Ghost

Emilie Wälti aka Sophie Hunger, schon lange kein Geheimtip mehr in der Schweizer Musikszene, scheint nun endlich auch ausserhalb von Heidis Bergen auf Gehör zu stossen.

Sophie Hunger ist eine Musikerin, welche die grosse Bühne verdient. Ihr Album 'Mondays Ghost' ist etwas vom Besten, was ich seit Langem gehört habe. Sie schwimmt mit ihrer berührenden Stimme in ihrem eigenen geschaffenen Fluss daher. Mal zart und fein, mal spritzig und flockig wie im Song 'Round and Round', welcher mein persönlicher Hörtip ist. Der Mix aus englischen und deutschen Songs ist gut gewählt und ist definitif eine Bereicherung für die Platte. Besonders 'Walzer für Niemand' besticht durch seine wunderbaren Melodien. Genauso wie 'Tourist', bei dem man freigelöst durchs Wohnzimmer hüpfen möchte.

Schweizer Emmenthalerkäse ohne Löcher...

Kaufen bei Amazon



Mittwoch, 11. März 2009

Darren Hayman & The Secondary Modern - Pram Town

Unsere Wertung: ****

Pram Town

Als "Pram Town" (Kinderwagenstadt) bezeichnete man in den frühen 50er Jahren liebevoll die als Gegenentwurf zu den bestehenden Großstädten entstandenen, modernen Neubausiedlungen englischer Kleinstädte. Aber der einstige Inbegriff strahlender Zukunftsvisionen verblasste, Beton, Kunststoff und das soziale Leben bekamen unkittbare Risse. Ein solcher Ort ist das im Südosten des Landes gelegene Harlow, die Geburtsstadt des Singer / Songwriters DARREN HAYMAN. Seine Karriere startete der Sänger und Gitarrist in der britischen Kultband HEFNER, mit der er neben diversen EPs vier Longplayer und insgesamt zwölf PEEL-Sessions einspielte, sowie seiner Gruppe THE FRENCH. Auf seinem nun erscheinenden, dritten Soloalbum präsentiert HAYMAN vierzehn mit raffinierten Streicher- und Bläserarrangements versehene, wehmütig melancholische Indie-Folksongs, auf denen er voll lyrischem Scharfsinn seine Hassliebe zu diesem Ort thematisiert, steht "Pram Town" als Metapher für gut intendierte Ansätze, die sich in der Realität leider oft negativ entwickeln. Den Song "Losing My Clue" schrieb DARREN HAYMAN gemeinsam mit DAVE TATTERSALL von der Band WAVE PICTURES.

Kaufen bei Amazon



The Whitest Boy Alive - Rules

Unsere Wertung: ****

Rules

Meistens läuft es im Pop ja so wie in Einkaufsstrassen und Ausgehmeilen. Kaum hat jemand eine klasse Idee oder kreatives Konzept, da kommen schon die Nachahmer, deren Nachahmer und so weiter. Es sei denn, jemand hat sich etwas derart Besonderes und Schlaues ausgedacht, dass schon der Versuch des Plagiats zum Scheitern verurteilt ist. Erlend Oye, Teil der norwegischen Kings Of Convenience, gelang mit dem Projekt The Whitest Boy Alive so ein Geniestreich, ein grandioser Zug, auf den niemand aufzuspringen traute. Großartig Gründe am Sound der Band etwas zu verändern gab es nicht, also reißt Oye auch nicht das Ruder herum, um eine andere Richtung einzuschlagen. Er dreht auf dem makellosen Zweitwerk Rules mit feinem Gespür an der Justierschraube und drückt das Gaspedal etwas weiter durch, um die Konserve den Konzerten anzugleichen. So gelingt den Whitest Boy Alive ein durch und durch überzeugender Nachfolger des so erfolgreichen Debüts Dreams. Das Fundament der lässigen Gitarren-Pop-Songs steht unverrückbar, und es trägt die Verstärkung der Disco-Grooves, Funkyness und Housebeats problemlos. Rules ist permanent in Bewegung, treibt einem das Blut in die Tanzbeine. Ob’s vielleicht daran liegt, dass die Stücke diesmal im sonnigen Mexiko und nicht in Berlin entstanden?

Kaufen bei Amazon



Mittwoch, 4. März 2009

U2 - No Line on the Horizon

Unsere Wertung: ****
No Line on the Horizon
Sich nach 28 Jahren und 11 Longplayern (so fleißig waren die eigentlich gar nicht!) neu zu erfinden ist nicht leicht, und das haben Sie auch nicht getan; schließlich gilt es ja auch die Erwartungen, die ein neuer Vertriebspartner in Form von viel Kohle in die Band gesetzt hat, zu erfüllen, und da muß man dann eine der weltweit größten und treuesten Fanbases schon auch dementsprechend bedienen, und Sie nicht vor den Kopf stoßen.

Vorweg die gute Nachricht: die songs sind wieder besser - besser als auf ,You Can't..' und ,How To Dismantle...' sind Sie insgesamt und soundmäßig ist die Mischung bunter und abwechslungsreicher, aber diese Platte ist durch und durch U2. Das meine ich jetzt einerseits als Kompliment, denn schließlich hat sich die Band ihren charakteristischen Sound mit vielen unterschiedlichen Platten hart erarbeitet; andererseits ist es aber auch ein wenig schade, daß es hier keinen song gibt, von dem man überrascht wäre, weil er eine neue Facette aufzeigen würde, und manchmal klingt das auch alles ein wenig altbacken. ,Moment Of Surrender' z. Bsp. ist sicherlich ein guter song, aber wenn er mit einem beat beginnt, der 1989 die clubcharts bestimmt hat, und strukturell und atmosphärisch in etwa das Pendant zu Peter Gabriel's ,Secret World' darstellt, das von 1992 stammt, dann kann man nicht unbedingt von Innovationen reden, aber vielleicht soll man das ja auch gar nicht. Die Band kann aber dafür immer noch gute Rocksongs schreiben wie Sie auf ,Stand Up Comedy' und ,Breathe' beweisen; ,Fez' ist charmant, auch wenn es versucht eine Experimentierfreudigkeit zu suggerieren, die die Band schon lange nicht mehr hat, ,White As Snow' die üblich ganz ruhige Nummer, aber mit schöner Melodie; ,Get On Your Boots' halte ich perönlich für einen netten Ansatz - allerdings nicht mehr - Rock und Rap neu zu verheiraten; Klassiker wird das keiner.

Vertraut klingt das alles; da gibt's die typische stakkatohafte Egde Gitarre genauso, wie die schwebenden Orgel Sounds und den Achtel Baß der Mitte 80er Jahre, die elektronischen Sounds der ,Zooropa' Ära und das Gemisch, aus Rock und Dance, das schon ,Achtung Baby' bestimmte., und mit ,Stand Up Comedy' qualitativ sogar den Riff Rocker den man auf den letzten beiden Alben vergeblich erwartete. Eine Werkschau ist das, eine durchaus gelungene; das innovative Element aber, daß lange Zeit eines der wesentlichen Qualitätsmerkmale dieser Band war, ist hier so gut wie gar nicht vorhanden. Knappe 4 Sterne in alter Verbundenheit, weil Sie wieder komponieren können und in der Hoffnung, daß diese Band wieder ihren Innovationstrieb entdeckt.

Kaufen bei Amazon



Montag, 16. Februar 2009

Phillip Boa and the Voodooclub - Diamonds Fall

Unsere Wertung: ****

Diamonds Fall [Vinyl LP] [Vinyl LP]

Lord Have Mercy With The 1-Eyed! Mit der Durchschlagskraft eines Morrissey-Songtitels empfängt uns Phillip Boa in guter Tradition exakt zwei Jahre nach dem Vorgängerwerk. So mechanisch die Veröffentlichungszeiträume, so vielgestaltig die Songideen Boas.
Ob er selbst der um Gnade winselnde Einäugige ist, lässt er wie gewohnt offen. Aus kreativer Sicht ist dies eher unwahrscheinlich. Seit sich der Dortmunder wieder mit Gesangspartnerin Pia Lund versöhnt hat, sind fünf Voodooclub-Studioalben in zehn Jahren erschienen und das vorliegende sechste dürfte die Messlatte für alles Kommende noch ein Stückchen höher setzen.

Seinem Händchen für Opener bleibt der mittlerweile 46-jährige Indie-König von Deutschland mit "Diamonds Fall" unerbittlich treu. Ein schnörkellos groovy programmierter Elektro-Beat bildet das monotone Grundgerüst, worauf sich Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard und schließlich des Meisters unnachahmlicher Sprechgesang legen, bevor Lunds Engelsstimme dem schönsten Refrain des Albums wie so oft den güldenen Qualitätssiegel aufdrückt.

Um nicht unbemerkt zum Einäugigen zu mutieren, suchte sich Boa über die Jahre immer wieder neue Mitstreiter, die seinen Sound frisch halten. Mit Produzent und Klez.e-Mann Tobias Siebert reüssierte bereits beim letzten Album "Faking To Blend In" ein junger Wilder, der seinem Idol als kreativer Widerpart wertvolle Dienste erwies.

Auf "Diamonds Fall" erwächst das Duo zum Dream Team. Noch ausgeklügelter und aufs Filigrane reduziert klangen Boa-Songs vielleicht noch nie. Mit der Requirierung von Can-Drummer Jaki Liebezeit erfüllte sich Boa überdies einen Kindheitstraum. Dessen Trademarks, das akzentuierte und perkussive Spiel, verleiht rhythmischen Songs wie "Fiat Topolino" und vor allem "DJ Baron Cabdriver" einen besonderen Charme.

Seine kompositorischen Trümpfe spielt Phillip Boa bereits seit geraumer Zeit in melancholischen Midtempo-Stücken aus. Um ähnlich ergreifende Ergebnisse wie "Valerien", "The Race Is Over" oder die erwähnte, geradezu sakrale Single "Lord Have Mercy With The 1-Eyed" zu finden, muss man in der Boa-Diskographie allerdings weit zurückblättern.

Obwohl Boas Sound-Rezeptur nach 24 Jahren einem klar nachvollziehbaren Muster folgt, ist es nach wie vor schwer, seine Magie zu entschlüsseln. "Zurückhaltung ist oft besser als etwas Falsches darzustellen".

Ob die Lebensweisheit der 2007 verstorbenen Hollywood-Darstellerin Jane Wyman auch als Credo des gezähmten Kultrockers durchgeht, können wir nur vermuten. Was er sie gerne fragen würde, verrät uns Boa aber im gleichnamigen, ausnahmsweise leicht zu deutenden Song.


laut.de

Kaufen bei Amazon



Mando Diao - Give Me Fire

Unsere Wertung: ****

Give Me Fire

Es ist noch gar nicht lange her, dass eine blutjunge Band aus dem schwedischen Städtchen Borlänge daher kam und die Rock n Roll-Welt im Handstreich eroberte. Anfang 2004 erschien Bring Em In , das furiose Debüt der begnadeten Songwriter mit der großen Klappe. Und danach ging es Schlag auf Schlag. Jedes Jahr ein neues Album und unzählige Konzerte in kontinuierlich größer werdenden Venues. Die Alben Hurricane Bar und Ode To Ochrasy erreichten in Deutschland mühelos Gold-Status und mit ihrem bislang letzten Album Never Seen The Light Of Day , wo sie unter anderem mit skandinavischer Folk-Musik experimentierten, verblüfften Mando Diao Fans und Kritiker gleichermaßen.

Mando Diao gehören längst zu den ganz Großen, das ist unbestritten! Und mit ihrem neuen Album Give Me Fire unterstreichen sie dieses umso stärker. Vorneweg marschiert Dance With Somebody was sich bereits jetzt zu einem der Hits des Jahres entwickelt hat. Ein Song, simple und großartig und mit umwerfender Wirkung!

Ebenso sicher scheint, dass ihr neues Album den Stellenwert noch weiter steigern wird. Kein Song ähnelt dem anderen, und doch sind sie alle typisch Mando Diao.

Highlights wie die 2. Single Gloria mit glasklaren Gitarren und unwiderstehlichen Refrain, die beschwingte Good-Times-Nummer Means Street oder Up-Beat Rocker wie Go Out Tonight und Blue Lining zeigen wieder einmal die Ausnahme Qualitäten von Schwedens´ im Moment bester Rockband!

Klar Sache: 2009 wird das Jahr von Mando Diao werden. Wieder einmal!

Kaufen bei Amazon



Freitag, 13. Februar 2009

Morrissey - Years of Refusal

Unsere Wertung: ****

Years of Refusal

Je oller, je doller: Auf seinem neunten Soloalbum klingt der 49-jährige Morrissey rockiger als je zuvor. Nicht zuletzt dank der Produzentenwahl, denn nach dem forschen "You're the Quarry" hat er zum zweiten Mal mit Jerry Finn gearbeitet, der tragischerweise kurz nach den Aufnahmen an einem Gehirntumor verstarb. Auf "Years of Refusal" rückt das Schlagzeug in den Vordergrund und duelliert sich mit Morrisseys Gesang, während weiter hinten mal eine Orgel, mal Trompeten und bei "When I last spoke to Carol" sogar Mariachibläser für Wirbel sorgen. Passend dazu feiert der Ernüchterte in den Texten seinen Rückzug ins Einzelkämpfertum. Nur eine nicht unwichtige Kleinigkeit schmälert diese willkommene Abwechslung nach dem schwülstigen Vorgänger "Ringleaders of the Tormentors": Es fehlt die 100-prozentige Hitsingle. Nachdem er "That's how People grow up" schon mit der letzten Best-of verballert hat, bleibt mit "I'm throwing my Arms around Paris" nur ein 90-prozentiger Popsong. Aber selbst damit macht Morrissey immer noch einen Großteil der Konkurrenz neidisch.

Kaufen bei Amazon



Mittwoch, 11. Februar 2009

The Airborne Toxic Event - The Airborne Toxic Event

Unsere Wertung: ****

T.a.T.E.

Understatement wird auf den handelsüblichen Waschzetteln der Plattenfirmen seit jeher klein geschrieben. Auch im Fall der Newcomer von The Airborne Toxic Event wird in der Gebrauchsanweisung nicht gerade gekleckert. Eine Mischung aus Radiohead, Arcade Fire und Modest Mouse wird uns da versprochen – kleine Brötchen werden anders gebacken.
Nun sind derlei Vergleiche ein zweischneidiges Schwert: Einerseits wird umgehend die Neugier geweckt, andererseits werden leichtfertig exorbitante Erwartungen geschürt, die kaum eine Band erfüllen kann.

Doch spätestens, wenn sich das unter pumpenden Bassdrumkicks beständig steigernde Intro des Openers "Wishing Well" in einem geballten Indierock-Freudentaumel entlädt, wird die reservierte Skepsis von der opulenten Orchestrierung kurzerhand weggeblasen. Diese Jungspunde aus Kalifornien können eingangs erwähnten Ausnahmeartisten tatsächlich das Wasser reichen - wenn man Radiohead einmal ausklammert, die in ihrer eigenen Liga spielen.

The Airborne Toxic Event sind von einer ähnlich fiebrigen Hyperaktivität wie Modest Mouse infiziert und versprühen diesen eigentümlichen Charme aus überbordender Euphorie und tiefer Tristesse, den man an Arcade Fire so schätzt. Getrieben von nicht unbegründetem Weltschmerz trotzt das Quintett der lähmenden Lethargie und weckt uns mit einer durchschlagenden Überdosis Adrenalin aus dem Winterschlaf.

Mit "Gasoline" bringen sie auch gleich den überzeugendsten Eisbrecher des noch jungen Jahres aufs Parkett, der mitsamt Ohrwurm-Refrain noch lange in den Indiedissen eures Vertauens nachhallen könnte. Und wer beim folgenden "Happiness Is Overrated" noch nicht auf der Tanzfläche steht, der hat auch noch geschrubbt, als in Villabajo schon gefeiert wurde.

"Sorry. I really lost my Head" singt Mikel Jollet aus voller Kehle. "Dito!", will man ihm in taumelnder Verzückung zurückschreien. Weshalb sonst lässt man sich denn morgens um drei Uhr bitteschön sonst unter der Diskokugel dusselig spielen?

The Airborne Toxic Event kommen hier unerwartet mit den vielleicht zwingendsten Gitarrenhooks seit dem furiosen Debüt von Franz Ferdinand um die Ecke. Auch in rhythmischen Belangen macht dieser elektrisierende Beatbastard keine Gefangenen – die Parole lautet überwiegend Uptempo, was von der solide und versiert agierenden Bass- und Schlagzeugabteilung auch über die Gesamtspielzeit von knapp 38 Minuten unmissverständlich zum Ausdruck gebracht wird.

Der Sänger überzeugt dazu mit variabler Stimmbandbreite und meistert souverän jegliche Zwischentöne auf der Emotionalitäts- und Intensitätsskala. Alle Achtung vor solch einem musikalisch abgezockten Erstlingswerk. Die Hochschulreife haben die Amis locker bestanden, zum Diplom fehlt vielleicht noch ein Fünkchen mehr Eigenständigkeit.

laut.de

Kaufen bei Amazon