Diese Seite versorgt Euch mit kritischen Kommentaren zu aktuellen CD Neuerscheinungen.
die TuneSpy CD-Reviews

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Freitag, 23. Januar 2009

Glasvegas - Glasvegas

Unsere Wertung: ****

Glasvegas

Nein zweifelsohne haben Glasvegas das Talent dazu - und vor allem auch nicht die Angst davor, dabei kitschig zu wirken - große ausufernde und dramatische Songs zu schreiben. Das ist schon irgendwie packend und erinnert atmosphärisch machmal an coldplay und oft an muse (ohne Elektronik-Anteil). Jesus And Mary Chain wurden hier angeführt - dem kann ich nur zum Teil zustimmen, dazu ist die Gitarrenarbeit zu wenig subtil. Bleibt von dieser Musik aber auch etwas bestehen? Diese Frage muß man sich jetzt immer öfter stellen, denn wie oft wurden Bands aus dem UK in den vergangenen Jahren schon gehypt und einige Monate später waren sie fast vergessen, bzw. konnten sie die gegebenen Versprechen nicht einlösen - Bloc Party war da so ein Fall, und ich unterstell das jetzt schon auch 'TV On The Radio', daß sie nie den echten Durchbruch schaffen werden - zu sperrig, zu störrisch ist diese Musik. Das Problem haben Glasvegas zwar nicht, aber spätesten nach dem zweiten hören, gewinnt man den Eindruck, daß das eigentlich doch nicht alles so großartig ist, wie es beim ersten mal klingt. zu ähnlich die Arrangements und die musikalischen Tricks um wirklich Spannung aufzubauen, zu einseitig das songwriting.

Wenn Sie sich entwickeln können und ein wenig ihrer Dramatik, dem Einfallsreichtum und der Abwechslung opfern, dann könnten Sie tatsächlich eine sehr große Band werden, aber nur dann.

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Donnerstag, 22. Januar 2009

Fuzzman - Fuzzman 2

Unsere Wertung: ****

Fuzzman 2

Der Legende nach ist Fuzzman ein gefallener Superheld mit selbstgestrickter Wollmütze, unter der sich Naked-Lunch-Bassist Herwig Zamernik versteckt. Zamernik trat erstmals vor drei Jahren als Fuzzman in Erscheinung - mit einem Album, dem man die Naked-Lunch-Verwandschaft zwar anhörte, das sich aber auch durch eine gewisse Schrulligkeit auszeichnete. Diesmal setzt er zwecks Weltrettung auf große Lo-Fi-Hymnen wie "The wild Gods" und erzählt von Liebe, Alter und Veränderung. Fuzzman 2 ist nachdenklicher, die zwölf Songs erinnern stärker an die tragische Schönheit von Naked Lunch. Doch Zamernik führt diese gediegene Melancholie nicht durchs ganze Album. Stattdessen reißt er uns mit einer Lärmexplosion aus den tieftraurigen Momenten, zerrt uns in "Discoman" auf die Tanzfläche und legt mit "Liabele" ein Plädoyer fürs traditionelle Kärntnerlied vor. Es die Spezialität von Fuzzman, neben dem weinenden immer auch ein lachendes Auge zu haben. "A handful of laughter, a tear out of gold" ist sein Heilrezept im wunderschönen Song "A Break for the broken Ones", und wenn er mit sanfter Stimme "a tear for each one left alone" und "some hope for the bitter ones" fordert, hilft er uns selbst über die schlimmsten Tage hinweg.

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Dienstag, 20. Januar 2009

Eagles of Death Metal - Heart on

Unsere Wertung: ****

Heart on

Rock-Parodie die Dritte. Josh Homme und Jess Hughes Schmähpartie werkt wieder; diesmal fällt der Lo-Fi sound zwar weg, aber die Parodien sind immer noch recht gelungen vor allem auf die Rolling Stones der frühen 70er haben Sies diesmal abgesehen .Referenzen zu Brown Sugar, If You Cant Rock Me, Rocks Off oder Its Only RocknRoll sind nicht zu überhören; aber auch Led Zeppelin und AC/DC werden wieder verwurschtet. Schon irgendwie unterhaltsam, auch wenn sich der Witz schön langsam ein wenig totläuft. Bemerkenswert ist es aber trotzdem, daß die Jungs trotz aller Verarsche und Referenzen einen eigenen Trademark sound geschaffen haben. Zusammengefasst: witziges Rock Fast Food das Spaß macht, auch wenn es nicht sehr nahrhaft ist.

Die beiden Heroen nehmen sich weiterhin nicht so sehr ernst.
Alles in allem eine runde Sache und dann doch, wie die Vorgänger, extrem unterhaltsam.

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Fantan Mojah - Stronger

Unsere Wertung: ****

Stronger

Jah dem Allmächtigen, Haile Selassie und der guten alten Mutter Erde widmet Fantan Mojah seinen zweiten Longplayer: An der spirituellen Ausrichtung seines Schaffens lässt der Mann mit dem Rucksack von Beginn an keinen Zweifel. Wer sich nun aber von dem gelinde ausgedrückt merkwürdig geratenen "Intro" abschrecken lässt, trägt selbst die Schuld, wenn ihm ein kraftvolles Modern Roots-Album entgeht.

Weder die einsame Akustikgitarre noch der gequetschte Gesang in absonderlicher Tonlage, die den Auftakt bilden, erweisen sich als in irgendeiner Form charakteristisch für "Stronger". Das wird seinem Titel in der Folge tatsächlich durch und durch gerecht.

Prägnante Rhythmen, üppige quirlige Instrumentierung und erdige Grooves unterstreichen die geballte Macht, mit der Fantan Mojah zu Werke geht. Dabei steht seine Stimme nicht einsam im Vordergrund. Über weite Strecken teilt sich der Vokalist das Rampenlicht mit erstaunlich dominanten Bassläufen.

Obwohl "Stronger" somit eine höchst basslastige Angelegenheit darstellt und Fantan Mojahs Art, seine Zeilen zu kredenzen, an Ragga-Acts wie Buccaneer erinnert, halten sich die Abstecher in die Dancehall in engen Grenzen. Trotz stockfinsterer Tunes vom Schlage "Dun Dem", das einem knallharten Marschbefehl gleicht, bleibt "Stronger" der Abteilung Roots & Conscious fest verpflichtet.

Bläser, Orgeltöne, Melodiebrocken, blubbernde Effekte und Background-Chöre wuseln durcheinander, am Boden gehalten und strukturiert von dem Doppelgespann aus Gesang und Bass. Das Resultat klingt zwar gelegentlich arg versöhnlich ("You Can Make It"), sorgt aber dafür an anderer Stelle, wie dem unaufhaltsam in den Abgrund strudelnden "No Mercy", für geradezu Monumentalfilm-taugliche Faszination.

Verwurzelt in schier unerschütterlichem Gottvertrauen gerät sogar der tägliche Überlebenskampf zu einer fröhlichen Sache, der eine vergnügt quäkende Gitarre Schwung verleiht ("Fight To Survive"). Fantan Mojah predigt seine Überzeugungen, ruft zu Dankbarkeit, freundlichem Denken und ebensolchem Handeln auf. "My people, stay positive and stay focussed": Tugenden, die - religiöse Motivation hin oder her - selten fehl am Platz sind.

"So many problems - who's gonna solve dem?" Ihr dürft dreimal raten. Wer dann in dessen göttlichem Auftrag kifft, raucht selbstverständlich auch nicht irgendein ordinäres, sondern gesegnetes Kraut und wird feststellen: "None of us can stop Jah time."

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Kreator - Hordes of Chaos

Unsere Wertung: ****

Hordes of Chaos

Während andere Thrash-Metal-Bands sich mit digitalen Produktionen das letzte bisschen Seele aus ihrem Sound herausschneiden, vertrauen Kreator auf Hordes Of Chaos ganz dem klassischen Aufnahmeverfahren - analog und fast live.

Es war eine bewusste Entscheidung von Mille und seinen Jungs, die Computer in die Ecke zu räumen und wieder mit analogem Equipment zu arbeiten. In Zeiten, in denen viele Thrash-Produktionen völlig austauschbar klingen, wollen die Ruhrpöttler sich von der Masse abheben, und das gelingt ihnen mit dem angenehm warm und facettenreich abgemischten Hordes Of Chaos ganz wunderbar. Die Scheibe müffelt auch nicht nach rumpeliger Achtziger-Jahre-Nostalgie, sondern knallt schön druckvoll aus den Boxen - allerdings ohne die maschinelle Kälte vieler Konkurrenten.

Doch Hordes Of Chaos punktet nicht nur klanglich, sondern auch mit grandiosem Riffing, das den Hörer im Sekundentakt mit neuen Ideen überfällt, und sorgfältigen Arrangements, die jedes noch so komplexe Gitarrengewitter zu kompakten, nachvollziehbaren Songs bündeln. Milles Gesang wirkt zwar streckenweise ein wenig blass, ansonsten verteidigen Kreator aber problemlos ihren Titel als beste Thrash-Metal-Band Deutschlands.

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Sonntag, 18. Januar 2009

Antony and the Johnsons - The Crying Light

Unsere Wertung: *****

The Crying Light

Da ist 2009 gerade mal ein paar Tage alt und schon liegt mit "The Crying Light" ein absoluter Kandidat für das Album des Jahres vor.

Zugegeben, wer mit der knödeligen Stimme von Antony nichts anzufangen mag, wird sich auch bei dieser CD schwertun. Allen anderen eröffnet sich nach der vierjähriger Wartezeit seit seinem letzten Album endlich wieder jene fragile, melancholische Klangwelt, über der seine einzigartige Stimme schwebt.

Immer noch beherrschen Piano und Streicher die Songs, minimalistisch und auf den Punkt gebracht, in nahezu perfekter Harmonie mit dem Gesang. Oftmals tieftraurig, jedoch nie ohne diesen samtenen Schimmer der Hoffnung sind dies leidende Melodien für die Ewigkeit.
Aber es gibt auch einige Neuerungen: So findet sich auf "Aeon" Platz für eine den Song dominierende Gitarre und selten klang selbst Antony sehnsüchtiger und leidener wie hier. Und "Kiss My Name" ist im Hegarty'schen Universum schon fast ein fröhlicher Pophit.

Was aber die Songs so beeindruckend und berührend macht, sind seine Texte: Poetisch, unfassbar verletzlich-offen und in ihrer Bildgewaltigkeit derzeit einzigartig:

"In starlight you came from the other side / to offer me mercy"

Ein wahrlich begnadetes und beseeltes Album.

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Freitag, 16. Januar 2009

Holmes - Wolves

Unsere Wertung: ****

Wolves

Schaurig führt eine dunkle Klangfläche in den Opener "Possession" ein, ehe das Raunen von einem markanten Basslauf, dem Piano und Akkordeonklängen aufgebrochen wird. Kristoffer Bolander springt mit seinem Gesang auf, dessen Klangfarbe zwangsläufig an die eines Neil Young in seiner "Harvest"- oder "Silver"-Phase und den norwegischen Trauerkloß St. Thomas erinnert. Die Lap Steel zieht dabei bedrohlich ihre Kreise zwischen den Strophen der einnehmenden Melodielinie.
Mit ihrem feinem und unaufgeregten Alternative Country/Folk-Pop macht sich dieses schwedische Quintett nun auf, auch die Herzen der Hörer außerhalb Skandinaviens zu erobern.

Während das wunderbare "Storm" mit flächiger Instrumentierung die Kraft des Openers aufnimmt, agiert die Band im weiteren Verlauf etwas weniger dynamisch und entfaltet mit unaufdringlichen Inszenierungen und zart melancholischen Stimmungsbildern ihre ganze Stärke.

"A New Still Morning" gründet sich wie "David Letterman" auf der Rhythmusgitarre und lebt vom fließenden Akkordeon- und Cellospiel und dem Backgroundgesang der Betti Velickovic.

Zu eingängigen Drums perlt in "Long Waiting" die Mandoline zum sentimentalen Akkordeon, in "Relapse" ergänzt sich das sanfte E-Gitarren-Muster prächtig mit den Klaviertupfern. Die großartige Pianoballade "In The Arms Of Someone Else" spitzt sich zu einem famos instrumentierten, opulenten Finale zu.

Die Akustische gibt in "Satan" den langsamen Walzertakt vor, der Titeltrack "Wolves" beschließt anschließend mit weichen Paukenschlägen und imposanter Streichersektion das Album.

Dieser Band liegt die musikalische Unberechenbarkeit und das Spektakel fern, vielmehr schafft sie mit schlichten wie geschmackssicheren Songstrukturen und absolut zauberhafter Instrumentierung eine unglaublich warme Atmosphäre, die diesen ausdrucksstarken Gesang voll zur Geltung bringt.

Holmes überzeugen mit einem homogenen und gemütlichem Werk, das die allgegenwärtige verträumte Melancholie watteweich bettet, ohne sich im Pathos, Kitsch oder der Beliebigkeit zu verlieren.


laut.de

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Donnerstag, 15. Januar 2009

Lafee - Ring Frei

Unsere Wertung: *

Ring Frei

War schon Album Nummer 2 kaum zum Aushalten, legt Lafee noch einen drauf:
Auf "Ring frei" beweist sie endültig ihr Antitalent. Da hat sie auch ihre Texte selber geschrieben und das merkt man leider: Das sind peinliche Ergüsse einer knapp Minderjährigen, die dann in Textzeilen münden wie :
"Du willst in eine Villa mit Pool / Dann treibst du's mit dem Gärtner, der Chauffeur sieht zu / Und kommt der reiche Sack doch mal früher nach Haus / Gehst Du dafür auf die Knie und bläst die Kerze aus."
Das ist keine Satire, das ist todernst interpretiert.
Und so gehts die ganze CD lang:

Eine gequieckte und verzerrte Stimme, die abgestandene Pseudoweisheiten von sich gibt, worin (andere) Mädels notgeile, zu allem bereite Gören (Textauszug: "Ihre Röcke sind kurz, ihr Gehabe ist billig / Ihre Absätze hoch, sie ist blöd, aber willig.") und Jungs schlicht pimmelgesteuerte Dödels sind(Weiterer Textauszug gefällig? "Ihr alle wollt doch immer nur das Eine, ihr wollt unsere Berge endlich sehn. Ihr alle wollt doch immer nur das Eine, ihr wollt möglichst schnell zum Gipfel gehen. Ihr alle wollt doch nur das Eine, ihr wollt nur an unser Elfenbein").
Schade, dass Lafee mit zarten 18 schon derart stehen geblieben ist und nicht mehr als dieses aufgesetzte Genöle zu bieten hat.

Diese CD wurde übrigens von Bob Arnz produziert, der auch Granaten wie Zlatko & Jürgen gemacht hat. (Muss man dazu noch was sagen?)

Sorry, Lafee, aber das reicht nicht zu Punkten, der eine steht nur da, weil Nuller hier nicht möglich sind...

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Pattern Is Movement - All Together

Unsere Wertung: ****

All Together

"...wie Final Fantasy ohne Zuckerguss, Patrick Wolf ohne Pathos, Sufjan Stevens ohne Folk und noch vieles vieles mehr. Im gleichen Moment sind sie durch ihre schwindelerregenden Harmoniekonstrukte seltsam und herausragend anders. Eine Platte die dich gefangen nimmt und in eine bessere Welt entführt, in der nur noch Patterns existieren. Der Wahnsinn aus Wiederholungen und Schleifenmelodien wird zum warmen Deckbett."

Auch die Geschichte zum Album passt - zur collagenhaften Produktionsweise und der Theatralik von Andrew's Stimme: als Inspiration zu den 10 Songs des Albums dienten 10 auf der Strasse gefundene alte Photos vom Anfang des letzten Jahrhunderts. Dennoch "gestrig" wirkt "All Together" garantiert nicht:. Es besitzt Kraft und Fahrt, wirkt gleichzeitig sensitiv und ein wenig androgyn, lappt ins klassische, zappelt dabei mächtig mit den Beinen und erschafft Stimmungen von denen wir gar nicht wussten, dass man darin baden kann.

Ein ganz besonderes Kleinod offenbart sich hier - das bald ganz groß strahlen sollte.

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Dienstag, 13. Januar 2009

Animal Collective - Merriweather Post Pavilion

Unsere Wertung: *****

Merriweather Post Pavilion

Eine Lieblingsband in kleinen Kreisen sind Animal Collective schon lange; es kann aber gut sein, dass sie mit ihrem neuen Opus neue Fans hinzugewinnen. Der Pop-Appeal ihrer freakig-psychedelischen Song- und Soundveranstaltungen ist nämlich drastisch gestiegen, ohne dass sie dabei ihr Gespür für trancig-groovige Atmosphären geopfert haben. An den Gesängen lässt sich immer noch ein Faible für die melancholisch-lustvoll schwebenden Harmonien der Beach Boys erkennen; die anderen Elemente (Sprengen der Songformate,Aufgabe von Refrain etc.) demonstrieren einen experimentellen und improvisationsfreudigen Zugang zur Musik. Selten hat man bei Animal Collective eine solche Balance erlebt zwischen musikalischen Risikozonen und melodieverliebten Strecken. Da kommt einem schon öfter die Assoziation "psychedelisch" in den Sinn; allerdings ist alle Psychedelik hier mit klarem Verstand und kritischer Urteilskraft ausgestattet! Selbst da, wo die Musik gelegentlich ins Uferlose driftet, beweist sie noch einen guten Sinn für Form und Struktur! Ein frühes, mitunter atemraubendes Highlight 2009!

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